Die Europa League Saison des FC Red Bull Salzburg

Der FC Red Bull Salzburg hat eine herausragende Saison gespielt. Das Team, geformt von Marco Rose und seinem Trainerteam, zeigte einen effektiven wie auch ästhetisch ansprechenden Stil. Intensives Pressing und Positionsspiel: Beides wurde im Detail ausgearbeitet und man gab sich nie zufrieden mit dem, was man erreicht hatte. In der Europa League dauerte es bis zum Hinspiel des Viertelfinales bis man ein Spiel verlor. Davor hatte man Borussia Dortmund und Real Sociedad aus den Wettbewerb gedrängt. Nicht nur aufgrund der taktischen Fortschrittlichkeit, auch aufgrund der emotionalen Verbindung, die Konzeptfussballberlin zu Spielverlagerung und demzufolge zu Marco Roses Co-Trainer René Marić hat, betrachten wir die Europapokal Saison von Red Bull Salzburg näher. Immer wieder gibt es in diesem Text Videos, teilweise direkt relevant zu dem darüber geschriebenen, sowie Links. Viele führen zu kurzen Beispielvideos zu den Punkten die gemeint sind, deswegen bitte anklicken!

Der Kader

Die Salzburger haben einen interessanten und vor allem jungen Kader. Wie man es sich aufgrund der Red Bull-Philosophie erwarten konnte, sind alle Spieler schnell, dynamisch und aggressiv im Pressing. Letzteres hat natürlich viel mit Training zu tun, dennoch werden natürlich gezielt Spieler gescoutet, die diesen intensiven Spielstil nicht nur ausüben können, sondern auch wollen. Doch nicht nur gegen den Ball wird bei den Salzburgern gearbeitet, sondern auch natürlich mit ihm. Wer René Marić‘ Artikel kennt, der weiß von seiner Faszination von Pep Guardiola. Dies spiegelt sich auch im Positionsspiel der Westösterreicher wider, deren Orientierung und Positionierung Weltklasse war in dieser Europa League Saison. Da der Kader natürlich weitestgehend aus (noch) unbekannten Namen besteht gebe ich in weiterer Folge einen Überblick.

 

Alexander Walke

Der 34-jährige Deutsche ist der älteste Spieler im Kader und nur einer von Ü-30ern (Leitgeb, Ulmer). 2010 von Hansa Rostock gekommen, wurde er nach einer halben Saison zu Greuther Fürth verlieren, wo er den Frühling 2011 verbrachte. Ab der Saison 2011/12 war er Stammkeeper der Salzburger und gab diesen Titel bis heute nicht ab. Der gebürtige Oranienburger ist ein guter shot-stopper auf der Linie und ist ordentlich bei Flanken. Im Spiel mit dem Ball ist er mutig, dennoch ist dies nicht seine größte Stärke. Seine Positionierungen sind meist gut, aber unter etwas Druck schlägt er öfter den Ball nach vorne, tut dies jedoch nicht unkontrolliert. Im tiefen Aufbau kann er dennoch öfters mit Seitenwechseln helfen, wenngleich er von rechts nach links mehr Probleme in der Entscheidungsfindung hat und manchmal Optionen in die Mitte nicht bespielt.

 

Duje Caleta-Car

Der kroatische Innenverteidiger ist U21-Nationalspieler und spielt bei den Salzburgern links. Im Ballbesitz agiert er sehr ruhig und souverän, positioniert sich immer wieder klug um Ulmer in Drucksituationen eine Option nach hinten zu geben. Laserpässe sind ihm nicht fremd, wenngleich diese nicht so fokussiert wie bei Ramalho verwendet werden. Dies liegt wohl auch daran, dass Caleta-Car Rechtsfuß ist. Der in Šibenik geborene Defensivmann ist konsequent in der Strafraumverteidigung und weiß wann er einen Ball zu klären hat. Seinen robusten und großen Körper (1,92m) setzt er ebenfalls klug ein und ist bei Standardsituationen und der Verteidigung von Flanken eine Macht.


André Ramalho

Der Rückkehrer. Im Winter war Ramalho von seiner Zeit in Deutschland bei Leverkusen und Mainz zurückgekehrt und übernahm mit sofortiger Wirkung die Aufgabe der Laserpässe in der Viererkette der Salzburger. Mit teilweise spektakulären Bällen auf den Zehner oder hohen Seitenwechseln zeigte der Brasilianer wie wertvoll er für das Positionsspiel der Mozartstädter ist. Mit starker Antizipationsfähigkeit, konsequenter Strafraumverteidigung und gutem Kopfballspiel ist er einer der Leistungsträger der Rückrunde.

 

Andreas Ulmer

Der Routinier erlebte unter Marco Rose seinen zweiten Frühling. Der immer schon sehr solide und leider in Österreich verkannte Linksverteidiger ist einer der primären Spielmacher im System der Salzburger. Unter Druck spielt der Österreicher immer wieder starke diagonale Pässe zu den Stürmern oder zum Zehner. Auch mit einem Kontakt findet er immer wieder Lösungen, wie zum Beispiel Chipbälle über den Gegner, um das gegnerische Pressing auszuspielen. Der erfahrene Mann agiert im Pressing sehr klug und zeigt starkes Timing im Vorwärtsverteidigen, was für das zentrumsfokussierte System der Salzburger essentiell ist.

 

Stefan Lainer

Stefan Lainer kennt keine Müdigkeit. Der Rechtsverteidiger bearbeitet den rechten Flügel unentwegt, ist ein Fels in der Verteidigung und in der Offensive hat er sich vor allem in der Rückrunde so richtig weiterentwickelt. Der Sohn der Salzburger Legende Leo Lainer zeigt sich ebenso spielmachend, wenngleich weniger fokussiert, wie Ulmer. Auch er streut immer wieder starke Diagonalbälle ins Zentrum ein, tut dies vor allem in hohen Zonen. Zu seinem Fähigkeitenprofil hat er das Dribbling hinzugefügt und spielt bisweilen mehr als einen Gegenspieler aus, wenngleich Folgeaktionen (noch) nicht immer passend sind.

 

Diadie Samassékou

Der Malier ist der Ankerpunkt im zentralen Mittelfeld der Salzburger. Der umtriebige Sechser schafft die Balance zwischen weiträumiger Beweglichkeit und diszipliniertem Positionsspiel. Im Ballbesitz spielt er oft simple Verlagerungen, ist dabei aber sehr ballsicher. Unter Druck kann er mit seiner starken Technik den Ball oft behaupten, und ab und an streut er auch starke Zwischenlinienpässe ein, wenngleich dies nicht zu seinen primären Merkmalen gehört. In der Defensive paart er seine guten Positionierungen mit hervorragendem Zweikampfverhalten und kann so oft Konter im Keim ersticken lassen. „Sama“ ist in einer gegenpressingfokussierten Mannschaft der Wunschmitspieler eines jeden Innenverteidigers.

 

Valon Berisha

Der junge Norweger ist ein sehr dynamischer, umtriebiger zentraler Mittelfeldspieler. Unter Oscar García spielte er meist am Flügel, auch als Zehner hat man den aus dem Kosovo stammenden Offensivakteur schon gesehen. Als Achter bringt er sich im Rose-System oft etwas tiefer spielmachend ein, kippt öfter ab wenn Ulmer hochschiebt und streut bisweilen gute Diagonalbälle ein. Im Gegenpressing überzeugt er mit herausragender Antizipation und nutzt hier seine Dynamik passend.

Amadou Haidara

Der erst 1998 geborene Malier ist eines der größten Talente im Red Bull Multiversum. Der Mittelfeldspieler ist ungemein agil, zeigt dies am Ball mit teilweise spektakulären Engendribblings, aber auch gegen den Ball mit toller und dominanter Zweikampfführung.

 

Xaver Schlager

Eines der Top-Talente im österreichischen Fußball zurzeit. Der ballsichere Mittelfeldspieler wird meist als Zehner eingesetzt, hatte jedoch auch Partien auf der Sechs. Letztere Position soll er angeblich auch bei Barcelona bekleiden können. Im Zehnerraum bringt Schlager immer wieder kurze Dribblings mit ein, die zwar etwas abgehakt aussehen, jedoch sehr effektiv und sauber sind. Er positioniert sich gut und kommt oft mit dem ersten Kontakt schon an Gegnern vorbei. Er vertikalisiert das Spiel der Salzburger oft und ist ein wichtiger Baustein in der Offensive.

 

Hee-Chan Hwang

Der Südkoreaner spielt meist als rechter Stürmer und ist DER Tiefgänger im Salzburger Spiel. Er sucht gerne den Raum hinter der Viererkette und profitiert hierbei von Lochpässen von Wolf und Schlager, die ihn immer wieder bedienen. Hwang ist sehr dynamisch und aggressiv, weswegen er im Gegenpressing immer wieder Bälle gewinnt und auch bei teils eher unsauberen Dribblings im Ballbesitz bleibt, da er stets durchläuft und nachsetzt, wenn er zum Beispiel sich den Ball zu weit vorlegt. Einzig in der Chancenauswertung hat er noch Schwächen.

 

Munas Dabbur

Der Toptorschütze. Mit 26 Toren hat er 10 mehr als der nächste in der Torschützenliste der Bullen, Fredrik Gulbrandsen. Der Israeli ist unheimlich stark am Ball, mit seiner engen Ballführung kann er immer wieder mehrere Gegner aussteigen lassen und sich in Hochdrucksituationen behaupten. Auch sein Auge für den Mitspieler ist sehr ausgeprägt, Chipbälle über die Abwehr oder durchgesteckte Pässe sind für den von links kommenden Stürmer keine Seltenheit. Auch im Pressing weiß er, wie jeder andere Spieler bei Salzburg, zu überzeugen.

 

Takumi Minamino

Der japanische Zehner ist ebenfalls sehr ballsicher, ist wohl der „klassischste“ Zehner von den offensiven Mittelfeldspielern, die der Salzburger Kader zu bieten hat. Geriet mit dem Formanstieg Schlagers noch öfter ins Hintertreffen als zu Beginn der Saison.

 

Reinhold Yabo

Ist das Mittelfeld-Pendant zu Stefan Lainer. Der Deutsch-Kongolese bringt viel Dynamik und Laufstärke ins Spiel der Bullen und bildet mit Lainer auf der rechten Seite das Maschinen-Duo. Findet auch spielerisch immer wieder gute Lösungen, dennoch ist der Ballbesitz nicht ganz so seine Stärke.

 

Marin Pongracic

Das Top-Talent in der Innenverteidigung. Starker Dribbler, starker Zweikampfspieler, starker Passspieler. Eindeutig die Personalie der Zukunft bei den Bullen, neben Xaver Schlager und Hannes Wolf.

 

Hannes Wolf

Der österreichische Stürmer bringt auf der Zehn noch ein Stück mehr Dynamik und Tiefgang ins Spiel, was Minamino und Schlager nicht so sehr zu ihren Qualitäten zählen. Zudem ist der 19-jährige viertbester Torschütze im Team. Mit klugen Ablagen und passenden Folgeläufen kann er immer wieder schnelle Kombinationen initiieren, ist auch im Aufbauspiel unter Druck immer eine offene Anspielstation.

 

Fredrik Gulbrandsen

Torschütze Nummer zwei bei den Bullen mit 16 Toren. Der Stürmer wird meist auf der rechten Seite angeboten und geht ebenfalls gerne in die Tiefe. Bewegt sich im Strafraum klug und kann vor allem bei Kontern immer mit seiner Schnelligkeit glänzen.

 

Paulo Miranda

Der Innenverteidiger, der im Herbst neben Caleta-Car auflief, wurde im Winter an Gremio Porto Alegre abgegeben. Körperlich stark ähnelt er Caleta-Car, ist im Spielaufbau weniger versiert als Ramalho. Seine längeren Pässe im Aufbau kommen eher selten an, zudem geht ihm die Kreativität ab. Im Zweikampfverhalten zeigt er sich jedoch stets stabil.

 

Das Trainerteam

 

Marco Rose

Der gebürtige Leipziger ist seit 2009 als Trainer aktiv. Der ehemalige Linksverteidiger debütierte als Trainer bei Mainz 05 nter Thomas Tuchel als sein Assistent. Danach war er Co-Trainer von Martin Schmidt bei Mainz 05 II. Lok Leipzig betreute er eine Saison, ehe es ihn 2014/15 zu den Salzburgern verschlug. Dort trainierte er die U16, U18 und das Youth League Team, ehe er im Sommer 2017 zum hauptverantwortlichen Trainer der ersten Mannschaft befördert wurde. Der erfolgshungrige Coach überzeugt durch seine natürliche Autorität, sowie seiner Affinität zur Mischung von Pressing und Positionsspiel. Durch seine Ära als Spieler unter Klopp geprägt, ist das Balljagen ein wichtiger Bestandteil seiner Spielphilosophie.

 

René Marić

Der erst 25-jährige Assistenztrainer wird den meisten Lesern dieses Artikels bekannt sein, und er wird wohl den einen oder anderen (auch den Autor dieses Artikels) inspiriert und geprägt haben. Der junge Trainer stieß zu Marco Rose in der Saison 2016/17 dazu, nachdem sich die beiden kennengelernt hatten und scheinbar einen gemeinsamen Zugang zum Fußball gefunden haben. Auf www.spielverlagerung.de gibt es eine Unzahl von Artikeln des gebürtigen Innviertlers zu lesen. Bei seinem Heimatverein Handenberg trainierte er einige Mannschaft, konsultierte nebenbei Profivereine und studierte Psychologie an der Universität Salzburg.

 

René Aufhauser

Der ehemalige österreichische Nationalspieler war bei Liefering unter Peter Zeidler und Thomas Letsch schon Co-Trainer, bis er unter Oscar García in die erste Mannschaft befördert wurde und sich seitdem dort gehalten hat. Als Spieler stand er neben Austria Salzburg auch beim Grazer AK und bei Red Bull Salzburg unter Vertrag und wurde mit jenen Mannschaften Meister.

 

Alexander Zickler

Der in der ehemaligen DDR geborene Ex-Profi spielte für Dynamo Dresden, den FC Bayern München, sowie in Österreich bei Red Bull Salzburg und LASK Linz. Bei der U16 von Salzburg agierte er als Co-Trainer, die U15 betreute er selbst. Unter Thomas Letsch war er ebenfalls Co-Trainer, bis er 2017/18 von Marco Rose mit ins Trainerteam der Kampfmannschaft genommen wurde.

 

Patrick Eibenberger

Der ehemalige Torhüter ist Hauptverantwortlicher für die Trainignssteuerung und das Athletiktraining der Salzburger. Mit innovativem Trainingsideen und -tools wird das Training komplementiert. Der

 

Den Rest der Mitarbeiter des Trainerteams ist unter diesen Link zu finden:

 

 

 

Die Spielanlage

Die Salzburger zeichnen sich durch eine selten gesehene Mischung von sehr intensivem, hohen, raumorientierten Pressing und direktem Positionsspiel. Die Intensität in allen Spielphasen ist sehr hoch, die Spiele der Mozartstädter besitzen bisweilen ein enormes Tempo, welches über 90 Minuten (und länger) gehalten werden kann.

 

Pressing

Die Mannschaft von Marco Rose tritt primär im 4-1-2-1-2 an und verbindet diese Formation meist mit Angriffspressing (in weiterer Folge des Artikels wird die Formation nicht immer explizit erwähnt. Dabei kann man dann davon ausgehen, dass es sich um ein 4-1-2-1-2 handelt). Ab ungefähr 25 Metern vor dem gegnerischen Tor (je nach Anpassung auch mal höher) formieren sich die Spieler von Salzburg. Die Stürmer agieren hier breiter als eine gewöhnliche Doppelspitze, meist in den Halbräumen zwischen gegnerischem Außenverteidiger und Innenverteidiger. Der Zehner dahinter kontrolliert den Sechserraum und agiert hierbei je nach Formation des Gegners entweder mannorientierter gegen einen alleinigen Sechser, oder zwischen einer Doppelsechs mit potentiellem Zugriff auf beide zentrale Mittelfeldspieler. Je nach stärkerem Fuß des Gegners oder generellen Schwachpunkten werden die Innenverteidiger mit Bogenläufen angesprintet. Durch das Vierermittelfeld im Zentrum haben die Stürmer immer wieder die Möglichkeit den Spielaufbau auch nach innen zu leiten. Auch der Torwart wird öfters angepresst, wenn sich die Möglichkeit zum Ballgewinn ergibt. Hierbei wird natürlich klug mit dem Deckungsschatten gearbeitet. Beim Tor zum 2:0 im Hinspiel gegen Konyaspor in der Gruppenphase gewann Minamino den Ball vom Torwart, als er jenen nach einem Rückpass vom Außenverteidiger, den er durch einen Bogenlauf in den Deckungsschatten stellte. Der Japaner legte dann auf den freien Dabbur ab, der den Ball ins leere Tor einschob.

 

Wird die erste Pressinglinie der Salzburger überspielt, gibt es folgende Mechanismen: Meist wird der Ball vom Gegner auf den Außenverteidiger gespielt, den der Achter dann bereits direkt nach Abspiel des vorherigen Passgebers ansprintet. Dabei nutzt jener Achter seinen Deckungsschatten, um direkte Pässe in die Mitte möglichst zu verhindern. Je nach Gegner agieren die Achter breiter oder enger im Pressing. Gegen die Dortmunder agierten Berisha und Haidara bisweilen sehr breit, um direkt Zugriff auf die Außenverteidiger der Deutschen zu haben. Der Sechser, meist Samassékou, schiebt hier durch und beim Vorhandensein eines gegnerischen Zehners wird dieser mannorientiert verfolgt. Gibt es keinen Zehner wird ein Pass auf die Stürmer zugestellt. Der Zehner bei Salzburg schiebt meist recht weit mit auf die ballnahe Seite, um einen gegnerischen Sechser zu bewachen. Der ballferne Achter schiebt meist ins Zentrum, um dort Zugriff auf etwaige eingerückte Flügelstürmer zu erhalten. Hierbei ist die Positionierung detailliert gewählt, um gegebenenfalls bei einer hohen Verlagerung auch direkt jene attackieren zu können. Auch hier gibt es gegnerspezifische Anpassungen. Gegen Olympique Marseille gab es Halbfinale öfters einen breit agierenden Berisha zu sehen, der hohe Verlagerungen gemeinsam mit Ulmer attackierte. Auch der Stürmer rückt hier weit ein, um auf den ballfernen Sechser, sofern es einen gibt, sprinten zu können.

 

Probleme gegen direkten Flügelfokus

Die Außenverteidiger haben bei einer derart zentrumslastigen Formation natürlich weiträumigere Aufgaben im Pressing als sonst. Lainer und Ulmer zeigen sich immer wieder proaktiv im Vorwärtsverteidigen. Wichtig ist es, ihre Gegenspieler am Ball nicht drehen zu lassen und den Gegner am Flügel festzunageln. Meist sind die Abläufe sehr stimmig, beide antizipieren diese Pressingsituationen auch immer sehr gut, um Bälle zu gewinnen und gleichzeitig den Raum in ihrem Rücken nicht zu früh freizumachen. Dieses Vorwärtsverteidigen kann natürlich auch ausgehebelt werden. Dies passiert meist durch direkte Kombinationen mit starker Flügelüberladung. Dortmund, aber auch Marseille und teilweise Vitoria zeigten immer wieder eine drei- bis situativ sogar Vierfachbesetzung des Flügels. Real Sociedad passte sich sogar extra darauf an und spielte im breiten 4-4-2 mit ausweichenden Stürmern um effektiv entlang der Linie spielen zu können. Marseille zeigte im Halbfinal Hinspiel beim Tor zum 2:0 einen wirksamen Mechanismus, als man Lainer aus der Position zog und dann schnell über Ablagen den Raum dahinter bespielte.

Lainer wird hier zum Pressing gegen Marseille angelockt, der Ball wird über ihn drüber gespielt. Lainers Gegenspieler läuft gedankenschnell in die Tiefe und erhält eine Ablage in den offenen Raum.

 

In der Verteidigung rund um den Strafraum hatte man in einigen Situationen immer wieder mit individuell starken Gegnern zu tun. Viele Teams, vor allem dann in der K.O.-Phase, hatten schnelle Dribbler am Flügel, die die Endverteidigung der Salzburger immer wieder herausforderten. Hier agierte man dann manchmal zu ungestüm und ließ sich zu Fouls hinreißen. Jene Freistoßflanken danach führten auch zum einen oder anderen Gegentor, vor allem im Halbfinalhinspiel gegen Olympique Marseille war dies eine Schwierigkeit. Bei Standards in der Defensive kassierte man drei Gegentore und war somit eines der Teams mit den meisten Gegentoren nach Standards. Hier war die Organisation per se nicht schlecht, individuelle Fehler oder auch Unterlegenheit gegen großgewachsene Spieler (Salzburg hat eher kleinere bis durchschnittlich große Spieler) sorgten dann für große Konsequenzen. Womöglich hätte man sich um den Strafraum herum mehr auf das Blocken von Schüssen als das Ballgewinnen konzentrieren müssen. In der Strafraumverteidigung selbst verhielt man sich jedoch stets sehr gut. Die Viererkette stand so oft wie möglich mit offenen Körperpositionen und behielt durch Schulterblicke Ball und Gegner im Auge, sodass man wenig Tore über Hereingaben kassierte.

 

Eckpfeiler des Salzburger Pressings

  • Intensität: Ansprinten, wenngleich nicht immer mit 100%iger Intensität möglich, soll dem Gegner die Zeit am Ball nehmen und ihn zu Fehlern zwingen.
  • Deckungsschatten: Der Deckungsschatten soll bewusst genutzt werden, um positionelle Vorteile herzustellen und Anspielstationen zu versperren. Durch diagonales Ansprinten und durch „Zick-Zack“ Schritte soll dies erleichtert werden
  • Doppeln und Trippeln: Wenn möglich, wird dem Mitspieler durch Dazukommen beim Attackieren geholfen. 2v1 ist nämlich einfacher als 1v1
  • Rückwärtspressing: Fleißiges Rückwärtspressing generiert immer wieder Ballgewinne, da der Gegner sich meist nicht in alle Richtungen umblicken kann. Oft gewannen die Bullen durch ein Wegspitzeln des Balles von hinten das Spielgerät wieder und konnten einen Konter fahren
  • Durchlaufen: Anstatt dass der Gegner gestellt wird, wird mit voller Intensität „durchgelaufen“. Wird der Ball gewonnen, ist man gleich in der Dynamik zum Kontern. Wird der Ball nicht gewonnen, wurde der Gegner zumindest unter starken Druck gesetzt und der nächste Spieler hat es nun einfacher den Ball zu gewinnen.
  • Kompaktheit: Durch vertikale und horizontale Kompaktheit kann kollektiv mehr Druck auf den Ball ausgeübt werden, der effektiv zu bespielende Raum wird verknappt.
  • Leiten: Gegner werden in bestimmte Zonen oder auf vereinzelte Spieler geleitet. Die Salzburger Spieler versperren bestimmte Passwege und leiten den Gegner dorthin, wo sie es möchten.
  • Umblickverhalten: Durch stetiges Umblicken ist dem Spieler die etwaigen Optionen des Gegners und die Positionierung seiner Mitspieler bewusst. Mit diesen Informationen kann der Spieler bessere Entscheidungen treffen.

 

Umschaltsituationen

Der Übergang zwischen den Spielphasen ist etwas, das bei Ralf Rangnick und der Spielphilosophie von Red Bull großgeschrieben wird. So auch bei den Salzburgern, die sich in Sachen Gegenpressing von kaum einem Team in Europa unterordnen müssen. Kollektiv und intensiv agiert man hier nach Ballverlust, läuft durch und hält Druck auf den Ball aufrecht. Die Spieler bei Salzburg stochern stets nach dem Ball und sind sehr nach Ballverlust sehr unangenehm. Auch, weil sie etwaige Ballverluste antizipieren können und die Struktur im Ballbesitz stets engmaschig genug ist, um sofort Zugriff zum Ball zu ermöglichen. Diese Proaktivität zeigt sich vor allem darin, dass die Salzburger nach dem Verlieren des Balles Schritte nach vorne machen, als nach hinten. Die meisten Mannschaften versuchen den Raum im eigenen Rücken nach hinten zu verteidigen, die roten Bullen machen dies nach vorne.

Auch das Umschalten nach Ballgewinn ist eine Stärke der Salzburger. Beginnend mit dem weiträumig agierenden Lainer, der immer wieder nachrückt, kann man nach Ballgewinn immer wieder Verlagerungen spielen und Konter fahren. Dabbur, Wolf und Schlager locken durch ihr Entgegenkommen zum Ball immer wieder Gegenspieler an, die Raum öffnen. Gulbrandsen und Hwang sind prädestiniert dafür, in diese Räume zu stechen. Durch Chipbälle und durchgesteckte Bälle sollen diese Läufe gefüttert werden. Durch das gute Ablagenspiel von Wolf oder die klugen Pässe von Schlager hat man Spieler, die diese Situationen perfekt unterstützen können.

 

Positionsspiel

Etwas, für das die RB-Philosophie weniger bekannt ist, ist das Positionsspiel. Zwar gehen nicht alle Red Bull Teams (inklusive Nachwuchs) eher bedenklich mit dem Ball um und dreschen ihn nach vorne, um das Gegenpressing zu suchen. Jedoch gibt es wohl keine Mannschaft im Red Bull-Universum das derart organisiert, und bisweilen auch geduldig, Angriffe herausspielt. Die Salzburger sind wohl mit Pep Guardiolas Manchester City und Julian Nagelsmanns Hoffenheim das wohl beste Beispiel im Weltfußball für Positionsspiel. Die Raumaufteilung der Salzburger ist exzellent, der Ballführende hat stets mehrere Anspielstationen aus denen er wählen kann. Durch offene Körperpositionen und passender Vororientierung kann das Spiel auch schnell nach vorne fortgesetzt werden. Alle Spieler dieses Kaders haben dies unter Marco Rose und seinem Trainerteam verinnerlicht.

In Salzburg beginnt alles, idealerweise, mit dem flachen Spielaufbau. Im Herbst agierten Caleta-Car und Paulo Miranda noch in der Innenverteidigung, weshalb sich der Spielaufbau etwas weniger kreativ und auf Sicherheit bedacht war. Die beiden Innenverteidiger sind zwar zweikampfstark, jedoch nicht auffällig im Spiel nach vorne. Zwar kann eher noch Caleta-Car den einen oder anderen Pass in den Zwischenlinienraum einbringen, muss jedoch als Rechtsfuß auf links spielen und kann dies nicht ganz so erfolgsstabil. Aufgrund dessen agierten die beiden Verteidiger generell eher enger beieinander, um die Passwege zwischen ihnen nicht zu lang zu machen und die Verbindungen zu stabilisieren. Mit dem Rückkauf von Ramalho, der in der deutschen Bundesliga bei Leverkusen und Mainz an Erfahrung gewonnen hatte, hatte man dann in der zweiten Saisonhälfte einen deutlich besseren Aufbauspieler in den eigenen Reihen. Ramalhos Fähigkeit genaue Flachpässe über 30 Meter zu spielen, diese auch immer wieder zu „verstecken“ und auch hohe Bälle genau an den Mann zu bringen, eröffneten den Westösterreichern neue Möglichkeiten im Ballbesitz. Der Brasilianer fand mit seinen Pässen immer wieder ballferne Achter, Schlager oder Wolf und den zurückfallenden Dabbur. Diese Pässe initiierten oft Schnellangriffe, die mit Ablagen und Läufen in die Tiefe weitergeführt wurden.

Moderne Außenverteidiger

Fast überlebenswichtig für den Salzburger Spielaufbau sind die beiden Außenverteidiger Andreas Ulmer und Stefan Lainer. Die beiden sind Trendsetter für eine Position, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen Wandel durchlaufen hat und weiterhin wird. Aufgrund des stetig intensiveren und besser organisierten Pressings im Weltfußball, sind Spielmacherqualitäten bei Außenverteidigern immer gefragter. Oftmals wird der Spielaufbau des Gegners ja auf die Seite geleitet, wo man ihn aufgrund der Seitenlinie leichter isolieren kann. Außenverteidiger sind hier die Pressingopfer. Andreas Ulmer und Lainer haben sich aber gegen diese Opferrolle entschieden, und bekämpfen das gegnerische Pressing mutig und vor allem effektiv mit ihren flachen Diagonalpässen. Diese bringen sie immer wieder an den Zehner an, Ulmer findet öfter mit Vertikalpässen Dabbur und Lainer mit Diagonalpässen Dabbur, während Hwang und Gulbrandsen in dieser Phase des Aufbaus noch eher selten eingebunden werden. Ulmer und Lainer orientieren sich gut vor der Ballannahme, sodass während eines nötigen Dribblings oftmals nicht zur Anspielstation blicken müssen, um diese zu finden. Dies macht das Passspiel der beiden noch unberechenbarer. Sind diese Pässe nicht möglich, kombinieren beide recht schnell und stabil mit den Achtern oder ballnahen Flügelstürmern und setzen ihre Läufe in die Tiefe fort, um dann als Anspielstation zu fungieren.

 

Zentrumsfokus im Ballbesitz

Trotz, oder auch vor allem wegen den aufbaustarken Außenverteidigern fokussiert sich das Angriffsspiel der Salzburger sehr aufs Zentrum. Die Raute im Mittelfeld hilft dabei natürlich. Die Salzburger Mittelfeldspieler sind stets auf das Besetzen der verschiedenen Zonen des Spielfeldes, sowie ihre Positionierungen in Relation zu ihren Mitspielern bedacht. In der Raute bedeutet dies viele diagonale Passoptionen, sowie Achter die sich im Halbraum und Zehner und Sechser die sich im Zentrum postieren. Natürlich gibt es hier immer wieder Überschneidungen und auch Positionswechsel, um das Ballbesitzspiel dynamisch zu machen. Dies geschieht vor allem durch Läufe in die Tiefe aus dem Mittelfeld, die Raum frei ziehen für den Zehner und die Stürmer, die sich für Pässe in den Fuß anbieten. Jene Pässe werden dann oft direkt weiter in die Tiefe zum sprintenden Mittelfeldspieler gespielt. Diese Kombination ist eine oft gesehene auf rechts, wo Lainer zum Beispiel zu Dabbur spielt, der zum durchstartenden Hwang/Gulbrandsen durchsteckt. Auch auf die Flügel ausweichende Achter gibt es zu sehen. Dies geschieht vor allem, wenn die Außenverteidiger aufgrund höheren Druckes etwas tiefer agieren müssen. Das Ausweichen der ballnahen Achter kann Passwege in die Stürmer oder zum Zehner öffnen, oder eben die Achter anspielbar machen. Bisweilen sieht man bei Salzburg dann 3-Raute-3 Staffelungen im Ballbesitz. Vor allem gegen kompakte Gegner, meist im 4-4-2 agierend, werden höhere Außenverteidiger und abkippende Achter utilisiert.

Haidara und Berisha sind sehr umtriebige Spieler, die stark im Dribbling sind. Berisha agiert gerne etwas dominanter und tiefer im Spielaufbau als der junge Malier, zeigt auch öfter weiträumige Tiefenläufe. Haidara ist etwas kombinativer und dribbelstärker als der Norweger mit kosovarischen Wurzeln. Yabo als Alternative erzeugt vor allem ohne Ball etwas mehr Durchschlagskraft. Auf der Sechs ist Samassékou das Metronom des Salzburger Ballbesitzspiels. Der erst 22 Jahre alte Malier ist vom Spielertyp mit einem dynamischeren und dribbelstarken Julian Baumgartlinger zu vergleichen. Der Sechser hält diszipliniert das Zentrum und weiß seine Positionen leicht anzupassen, um anspielbar zu sein. Er hält das Spiel simpel, ist sehr pressingresistent und ein strategischer Passspieler, der immer wieder kluge und leicht zu verarbeitenden Verlagerungen spielt.

 

Durchbruchsvarianten durch schnelle Kombinationen

Aus diesem zentrumslastigen Spiel versucht man im letzten Drittel mit schnellen Kurzpasskombinationen zu Durchbrüchen zu kommen. Auf den Flügeln hat man, wie vorhin bereits erwähnt, Mechanismen wie man zu Durchbrüchen kommen möchte. Dabbur oder der Zehner stecken oft auf Gulbrandsen oder Hwang durch, die sich stets mit gutem Timing von ihren Gegnern lösen. Sie positionieren sich oft zwischen Innen- und Außenverteidiger. Sie beobachten das Umblickverhalten des Außenverteidigers genau und starten oft in jenem Moment, in dem der Außenverteidiger sie nicht im Blickfeld hat, in die Tiefe. Vom Flügel werden immer wieder flache Hereingaben in den Strafraum gesucht. Jene spielt man jedoch nicht blind. Der Durchgebrochene versucht oftmals zumindest bis an die Strafraumgrenze zu dribbeln und sucht sich die ihm am besten erscheinende Option im Strafraum aus. Jenen besetzt man oft mit einem Läufer an die erste Stange, einen Spieler im Zentrum und an der zweiten Stange sowie mit zumindest einem Spieler im Rückraum.

Vom Flügel sucht man jedoch oftmals lieber den Weg in die Mitte, statt direkt eine Hereingabe zu suchen. Lainer und Ulmer spielen hier oft flache Horizontalpässe zu den Stürmern oder den Zehnern, welche dann Kombinationen untereinander initiieren und mit Läufen in den Strafraum paaren. Diese Kombinationen werden oft mit hohem Tempo gespielt und können nicht immer ganz sauber gehalten werden. Dies liegt, vor allem im Vergleich zu den gegnerischen Mannschaften in der K.O.-Phase, an der fehlenden individuellen Qualität. Ablagen und durchgesteckte Pässe sind oftmals nicht ideal ausgeführt, weswegen potentiell sehr gute Chancen dann nicht zum Abschluss gebracht werden können. Ein sehr beliebtes Mittel bei den Mozartstädtern ist das „Durchlassen“ eines Passes zum Mitspieler, der hinter einem steht. Nach dem Durchlassen wird sofort in die Tiefe gestartet, man überrumpelt die Verteidigung und soll einen Pass in den Strafraum erhalten.

Die Salzburger sind bestrebt, Abschlüsse mit hoher Qualität zu generieren. Nicht jede zweite Möglichkeit wird zur Flanke genutzt, Distanzschüsse wurden im Fortlauf der Spielzeit auch immer weniger. Dieses Streben nach dem idealen Torschuss bringt jedoch auch negative Seiten mit sich: Immer wieder lassen sich die Salzburger Stürmer zu oft Zeit, aufs Tor zu schießen. Manchmal wird ein Kontakt zu viel genommen, und der verteidigende Gegner kann den Schuss blocken oder den Ball wegspitzeln. Oder der letzte Pass war um den einen Pass zu viel und man hätte doch etwas früher abschließen müssen. Die Anzahl an Torchancen bei den Salzburgern ist nicht sonderlich groß, und auch die Metrik „Expected Goals“ kann nicht immer adäquat die Qualität der Torchancen der Salzburger bestimmen. Viele der durchgesteckten Pässe werden nicht als „through balls“ erkannt (warum auch immer), ebenso werden geblockte Schüsse nicht in die Metrik miteinbezogen. Da die Salzburger immer wieder mit dicht besetzten Strafräumen konfrontiert sind, ist die Anzahl der geblockten Schüsse eine nicht unerhebliche.

 


 

 

Play-Off Qualifikationsrunde

Der erste Gegner auf den Weg ins Europa League Halbfinale hieß FC Viitorul Constanţa aus Rumänien. Die Osteuropäer wurden in der Play-Off Qualifikationsrunde 4:0 und 3:1 geschlagen. Man trat in beiden Spielen mit einem 4-1-2-1-2 an. Jene Formation, die die mit Abstand am meisten genutzte der Salzburger sein sollte. In diesem Spiel war einer der wesentlichen Aspekte das Positionsspiel und das absichtliche Freiziehen von Passwegen. Die Rumänen verteidigten stark mannorientiert, was die Salzburger nutzen wollten: Durch Bewegungen sollten mittellange und kurze Anspielstationen die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich ziehen, während der Ballführende immer tief blickte und vor allem Zehner Hannes Wolf und den linken Stürmer Munas Dabbur suchten. Diese Mechanismen verhalfen im Rückspiel zum 2:1 und 3:1. Vor allem von rechts suchte Lainer immer wieder diagonale Flachpässe zu Dabbur. Wolf kam immer etwas zum Ballführenden entgegen, der Rechtsverteidiger spielte dann Bälle in den freigezogenen Raum, konnte jedoch eher selten sauber anbringen. Das Timing und die Richtung waren jedoch schon passend. Jedoch gab es noch einige Situationen, in denen man im Positionsspiel noch zu eng aneinander agierte. So fanden sich in manchen Szenen drei, vier Salzburger in einem Radius von 5-10 Metern. Geschlossene Körperpositionen taten der Orientierung nichts Gutes, und so war man da öfters knapp am Ballverlust dran. Diese Szenen gab es vor allem im Übergang vom zweiten zum letzten Drittel und auch in ebenjenem. Bisweilen konnte man diese Situationen zwar noch mit schnellen Kombinationen und individueller Überlegenheit lösen, jedoch war dies deutlich ein Punkt, den es zu verbessern galt.

Im Pressing formierte man sich ungefähr 25 Meter vor dem gegnerischen Tor. Hiermit wollte man vor allem bei Abstößen die Rumänen dazu bringen flach rauszuspielen, um dann die Innenverteidiger mit klaren Bogenläufen, vom stärkeren Fuß wegleitend, zu attackieren. Man konnte schon recht gute, intensive Abläufe im Pressing vorfinden, welches sich gegenüber dem Pressing im Vorjahr unter Oscar García deutlich verbessert hatte. Die Abstimmung war meist recht gut, jedoch natürlich am Anfang der Saison noch nicht optimal. Auch das Gegenpressing zeigte sich schon sehr intensiv und kollektiv. Jenes half auch beim 1:0 Führungstor im Rückspiel, als man den Ball nach Ballverlust sofort wiedergewann und Hwang Hee-Chan das erste Tor der Partie erzielt hatte. Es war schon ersichtlich, dass die RB-Spieler nicht nur nach Ballverlust reagierten, sondern jenen schon antizipierten. Durch das aggressive Durchlaufen konnte nach Ballgewinn auch gleich ein Konter gefahren werden.

 

 

 

 

Gruppenphase

 

Vitória Guimarães

Mit Vitoria Guimaraes hatte man im ersten Spiel des Wettbewerbs gleich einen Gegner, der sinnbildlich für die kommenden Herausforderungen stehen sollte. Die Portugiesen liefen im 4-2-3-1 auf und versuchten mit auf den Flügeln unterstützenden Zehnern und Sechsern Direktkombinationen über die Seiten zu spielen, um so Durchbrüche zu generieren. Auch, weil die Sechser teilweise sehr weit auf den Flügel rausschieben und zu dritt die Breite mit Flügelstürmer und Außenverteidiger besetzen, muss das Salzburger Mittelfeld genau und auch weiträumig im Pressing arbeiten. Im 4-1-2-1-2 waren vor allem die Achter Berisha und Haidara gefragt mit gutem Timing auf die Seite zu attackieren. Unterstützt von Ulmer und Lainer schaffte man es weitestgehend effektive Durchbrüche der Portugiesen zu verhindern. Gegen ein 4-4-2 Mittelfeldpressing, das primär versuchte Samassékou vom Spiel abzuschneiden, hatte man recht viel Ballbesitz und dominierte gleich von Beginn weg. Aufgrund des fehlenden Einflusses von Samassékou musste die Viererkette viel Aufbauarbeit leisten. Aufgrund der (noch) fehlenden spielerischen Stärke von Caleta-Car und den nicht sehr kreativen Miranda waren vor allem Lainer und Ulmer gefragt.
Beide fanden mit ihren Diagonalpässen immer wieder Anspielstationen im Mittelfeld und konnten so den Ballvortrag leiten. Auch Berisha unterstützte immer wieder tief und kippte bisweilen nach links ab, um den Aufbau anzukurbeln. Zwar konnte man durch Kombinationen und Dribblings rund um den Strafraum einige gute Torszenen erspielen, die letzte Sauberkeit fehlte hierbei noch. Trotz der Überlegenheit ging Vitoria per Freistoßflanke in Führung, da Miranda nicht diszipliniert genug verteidigte. Kurz vor der Pause konnte Berisha jedoch nach tollem Chipball von Samassékou aus dem Mittelfeld und klassischem Durchlaufen des Norwegers im Halbraum ausgleichen und mit 1:1 auch schlussendlich den Endstand herstellen. Sehr wirksam im Ballbesitz waren an diesem Abend Verlagerungen Halbraumverlagerungen von Achter zu Achter, die meist mit einer Ablage auf „Sama“ und dessen Pass auf den Flügel fortgesetzt wurden. Auch einige „disguised passes“ sah man, Vitoria ließ sich oft in eine Richtung leiten und offenbarte Platz für Zwischenlinienpässe.

Gegen Vitoria spielte Xaver Schlager als Sechser, während Minamino sein Europa League Startelfdebüt gab. Pongracic spielte ebenfalls von Anfang an, und zwar statt Miranda. Jener Wechsel fruchtete vor allem in Sachen Spielaufbau gleich, der junge Kroate überzeugte mit einigen guten Diagonalpässen zu Minamino sowie einigen Andribbelaktionen. Gegen das 4-4-2 der Portugiesen aus Guimaraes war vor allem letzteres sehr hilfreich und effektiv. Die Gäste ließen sich anders kaum rauslocken, so schaffte man es aber einige Male deren Linien zu durchbrechen. Schlussendlich sorgten Dabbur, Ulmer und Hwang für den 3:0 Endstand.

 

Konyaspor

Gegen Konyaspor sah man einen weiteren Entwicklungsschritt, vor allem was das Positionsspiel anging. Eine deutliche Steigerung sah man zu den Anfängen der Ära Rose, wo man zum Beispiel gegen Viitorul noch sehr wirr in der Raumaufteilung agierte. Die Verbindungen zwischen den Spielern waren sehr stabil und von Diagonalität geprägt, auch die Körperorientierung passte bei den Spielern. Mit intensiv ausgeführtem 4-Raute-2 Pressing im höheren Mittelfeld wurde Konyaspor, deren Strukturen im Ballbesitz sehr schwach waren, früh unter Druck gesetzt. Nach ungefähr 20 Minuten schlugen diese auch primär den Ball nach vorne, statt von hinten rauszuspielen. Bei jenen hohen Bällen zeigten die Salzburger fleißiges Rückwärtspressing und konnten immer wieder Bälle wegspitzeln. Man nutzte den Vorteil des Rückwärtspressings hier, bei dem man außerhalb des Sichtfeldes des Gegners von hinten attackiert. Die Mozartstädter gingen nach fünf Minuten nach einer kurz gespielten Ecke und einer flachen Flanke durch Gulbrandsen früh in Führung. Vor allem über die Flügel generierte man an diesem Tag einige Durchbrüche.

Durch Dribblings in den Strafraum wollte man weiterhin Chancen kreieren, schaffte dies jedoch nicht erfolgsstabil. Wenn es gelang, waren jene Tormöglichkeiten jedoch von hoher Qualität. In Minute 79 erzielte Dabbur den 2:0 Siegtreffer, nachdem Minamino zum Torwart durchgepresst und diesem den Ball abgenommen hatte und zu seinem Mitspieler ablegte. In den letzten Minuten stellte man auf 4-4-2 um und fokussierte sich darauf das Mittelfeld zuzustellen, die Rose-Elf setzte das Pressing auch etwas tiefer an und verwaltete das Ergebnis.

Im Rückspiel trat Konyaspor deutlich kompakter und auch passiver mit einem recht tiefen 4-4-2 Mittelfeldpressing an. Sechser Samassékou wurde eng von der Doppelspitze bewacht und versuchte nun in einigen Situationen sich aus dieser Verfolgung zu lösen, indem er sich der eigenen Abwehrkette etwas näherte, aber nie komplett abkippte. Die Achter der Salzburger unterstützten die immer wieder aufrückenden Außenverteidiger um Durchbrüche zu generieren. Letztlich kam man jedoch nicht über ein 0:0 hinaus.

 

Olympique Marseille

Im Hinspiel gegen Marseille zeigten die Salzburger starke Pressingabläufe in der gewohnten Formation. Immer wieder konnte man die Außenverteidiger des Gegners in die Falle tappen lassen. Durch das dichte Zentrum konnten die Franzosen nicht spielen und versuchten über die Seiten aufzubauen. Spätestens beim Flügelstürmer konnten die Salzburger jedoch den Ball gewinnen und die Gastgeber zeigten eine sehr dominante Leistung in den ersten zehn Minuten. Im Aufbau starteten die Außenverteidiger recht tief und die Achter etwas breiter, so konnte man immer wieder 2v1 Situationen gegen die Flügelspieler von L’OM herstellen und Durchbrüche generieren. Zwar zeigte man erneut eine starke Leistung, Marseille zeigte jedoch auch an, wie schnell es bei geringster Nachlässigkeit gefährlich werden könnte. Zwei gute Chancen konnten sich die Marseillaises mit Schnellangriffen herausspielen, als Salzburg nur etwas geringintensiver in zwei Situationen presste. Schnell wurden Kombinationen über den Sechser Luis Gustavo gesucht.
In die Tiefe startende, schnelle Spieler in der Offensivreihe bereiteten dann den weit aufgerückten Bullen Probleme. Oftmals reichte den Südfranzosen nur Zeit für einen halbwegs sauberen ersten Kontakt, um dann entlang des Flügels simple, jedoch aufgrund der Dribblingstärke und Schnelligkeit der Flügelspieler gefährliche Angriffe zu starten. Hier kam man aufgrund der Zentrumslastigkeit der Raute und nicht immer perfektem Timing im Pressing mit fortlaufender Spielzeit manchmal um den Schritt zu spät. Die Salzburger konnten dieses Spiel nach einem Tor von Dabbur in der 76. Minute dennoch gewinnen. Nach starkem Gegenpressing und direkt folgendem Seitenwechsel nach Ballgewinn brachte Lainer den Ball in den Strafraum zum israelischen Stürmer, der stark verwertete. Im letzten Drittel waren Probleme evident, als man nicht immer ideal Zugriff auf die individuell starken Franzosen bekam und jene Schüsse und Hereingaben spielen konnten.

Das Rückspiel gegen den stärksten Gegner der Gruppe gestaltete man formationstechnisch zum ersten Mal in dieser Europa League Saison etwas anders. Die Rose-Elf stellte sich im 5-3-2 auf, mit der interessanten Wahl von Xaver Schlager als linkem Wingback. Die Doppelspitze, bestehend aus Dabbur und Gulbrandsen, musste weite Wege gehen um immer wieder auf den Seiten zu unterstützen. Aufgrund des Fehlens eines Zehners war es nicht immer einfach, das Zentrum richtig einzubinden. Teilweise agierte man im Sturm zu weit auseinander und die Viererkette der Südfranzosen konnte recht mannorientiert in der letzten Linie agieren und die eigenen physischen Stärken ausspielen. Das Rückspiel gegen Olympique Marseille war wohl eines jener, wo es am deutlichsten zu sehen war, dass etwas mehr Geduld im Ballbesitz durchaus nützlich hätte gewesen sein können. Bisweilen ignorierte man in der ersten Aufbaulinie den diagonalen Flachpass ins Zentrum oder in den ballfernen Halbraum. Man blieb am ballnahen Flügel und konnte dort nur selten effektiv durchbrechen. Dennoch agierte man vor allem im ersten Durchgang recht dominant am Ball und konnte vor allem über links mit klugen Freilaufbewegungen von Schlager das 4-4-1-1/4-4-2 Pressing der Marseillaise überspielen.

Im Pressing war das 5-3-2 vor allem dahingehend effektiv, dass man Seitenverlagerungen der Rudi García-Elf schneller attackieren konnte. Die Wingbacks konnten breiter stehen und die gegnerischen Spieler am Flügel gleich attackieren. Jene individuell starken Spieler, wie zum Beispiel López und Sarr, hatten nicht immer die Möglichkeit ihre Qualitäten auszuspielen. Dennoch zeigten die Gastgeber an jenem Abend immer wieder, wie gut sie sich aus Pressingsituationen lösen konnten. Vor allem mit Spiel über dem Dritten in die Tiefe, wo der Ball also einmal tief und dann mit Drehung nochmal tief gespielt wurde, machte den Salzburgern zu schaffen. In der zweiten Halbzeit gab es einige Momente, in denen L’OM durchaus die Führung hätte erzielen können. Vor allem Mittelstürmer Njie Clinton war mit seiner Schnelligkeit eine Gefahr für die Salzburger Dreierkette. Walke konnte jedoch in letzter Instanz retten und so blieb es beim 0:0.

 

K.O. – Phase

 

Sechzehntelfinale: Real Sociedad San Sebastián

Mit Real Sociedad hatte man einen spannenden Gegner gezogen: Positionsspiel im 4-3-3 mit einem starken Illarramendi im zentralen Mittelfeld, Flügeldribbler Oyarzabal und einem spanischen Außenverteidiger Talent namens Álvaro Odriozola. Eusebio Sacristán, Trainer der Basken, hatte offensichtlich die Schwächen der Salzburger gefunden und setzte auf 4-4-2 als Grundordnung statt dem gewohnten 4-3-3. Dies schienen die Salzburger nicht erwartet zu haben, die mit den sehr flügelorientierten Basken starke Probleme im ersten Durchgang hatten. Teilweise besetzte man, so wie Olympique Marseille, die Breite dreifach und konnte durch ballsichere Spieler immer wieder Durchbrüche generieren. Illarramendis zur Seite herauskippende Rolle war ebenfalls nicht einfach für die Salzburger zu kontrollieren, die ihr Pressing während des Spiels nicht optimal anpassen konnten. Mit etwas Glück gingen die Salzburger jedoch in Führung, als Oyarzabal den Ball ins eigene Tor nach einem Eckball befördert hatte. Dennoch war man den Hausherren im Baskenland unterlegen und konnte auch am Ball nur wenig Brauchbares finden.
Zwar hatte man im Winter Ramalho dazugeholt, und seine Rolle gleich als Laserpassspieler wirksam gefunden, dennoch fehlte es im ersten Durchgang, bis auf eine Ramalho Chance, aufgelegt durch Hwang, an klaren Tormöglichkeiten. Die Basken pressten gut im situativen Angriffspressing im 4-4-2, stellten die zentralen Räume meist gut zu. Wenn Ramalho mal den Zwischenlinienraum fand, dann wurde der Passempfänger sogleich attackiert und an der Angriffsfortsetzung gehindert. Walke musste öfter als wohl gewollt den Ball nach vorne schlagen. In diesem richtigen Härtetest gingen die Heimischen dann in Halbzeit zwei sogar in Führung. Einmal dribbelte sich Odriozola durch und glich aus, in der 80. Minute erzielte der eingewechselte Januzaj per direktem Freistoß die 2:1 Führung. In der Nachspielzeit schaffte es Takumi Minamino, der sich hervorragend in dieses Spiel mit einer weiträumigen, vor und zurück pendelnden Rolle als Zehner einband, den 2:2 Ausgleich erzielen. Minamino, etwas tororientierter als Schlager, war genau die richtige Einwechslung zu diesem Zeitpunkt.

 

Im Rückspiel fokussierten sich die „txuri urdin“ im Pressing auf Ramalho und versuchten jenen zuzustellen. Dies lies Caleta-Car und auch dem tief agierenden Ulmer recht viel Freiraum. Die Positionierungen der Mittelfeldspieler, sowie von den etwas tiefer als im Hinspiel agierenden Außenverteidigern, sorgten für Entscheidungskrisen der Gäste aus dem Baskenland. Hohe Bälle wurden nun klüger und mit besserem Timing genutzt, auch das Gewinnen der ersten und zweiten Bälle war wirksam, wie auch vor dem 1:0, als man eine kontrollierte Klärung von Ramalho zum Einleiten des Führungstores nutzte. Auch im Pressing zeigten sich die Salzburger verbessert: Xaver Schlager wusste als Zehner die Doppelsechs Illarramendi-Zurutza besser zu kontrollieren und positionierte sich stets klug zwischen beiden. Noch vor der Halbzeit konnte Raúl Navas das 1:1 erzielen, indem er nach einem Eckball sich aus der Bewachung von Lainer und Ramalho schlich und einköpfte. Beide Verteidiger hatten sich hier eher mäßig angestellt und ließen ihren Gegenspieler frei zum Kopfball kommen. Berisha konnte jedoch in Minute 74 per Elfmeter, den der starke Hwang herausholte, den 2:1 Siegtreffer erzielen und den Aufstieg fixieren.

 

Achtelfinale: Borussia Dortmund

Gegen die Borussen war man auf dem Papier natürlich Underdog. Jedoch sind die Dortmunder nicht mehr das Team, das sie noch unter Klopp, Tuchel oder sogar Bosz waren. Unter Peter Stöger zeigte man vor allem spielerisch immer schwache Leistungen und konnte sich in der Liga oft mit der individuellen Qualität retten. Das Salzburger Pressing war wie geschaffen gegen die strukturschwachen Westfalen. Der BVB trat im gewohnten 4-2-3-1 an, während die Salzburger wieder auf eine 5-3-2 Formation vertraute, die im Pressing immer wieder 4-4-2 Staffelungen zeigte. Das kompakte und etwas tiefere Mittelfeldpressing der Salzburger war nur sehr schwer zu knacken, den Dortmundern fielen keine Mittel ein. Zu sehr war man auf simple Flügeldurchbrüche fokussiert, die die Salzburger recht einfach verteidigen konnten. Durch Schnellangriffe kamen die Salzburger vor allem über den gefährlich laufenden Hwang, sowie Kreativzentrale Schlager und Dabbur, immer wieder zu Chancen oder zumindest Ansätzen jener. Während des Spiels hatte man auf die altbekannte Raute im Mittelfeld umgestellt. Denn die Dortmunder konnten vor allem im Mittelfeld immer wieder starke Passstafetten spielen und die Salzburger unter Bedrängnis bringen. Zwar lag dies meist an individueller Qualität, dennoch waren die Dortmunder hier zumindest in Ansätzen früh gefährlich. Nach der Anpassung auf 4-1-2-1-2 lief das Spiel in allen Phasen deutlich besser.

In der zweiten Halbzeit bekam man einen durch Hwang herausgeholten Elfmeter zugesprochen, den Valon Berisha sicher verwandelte. In Halbzeit zwei kontrollierte man den eigenen Ballbesitz deutlich besser, wenn auch etwas tiefer. Die Dortmunder hatten weiterhin Probleme effektiv durchzubrechen. Nur wenige Minuten nach dem 1:0 legte Berisha mit einem Konter, der durch einen Ballgewinn am Flügel erfolgte, auf 2:0 nach. Schürrle konnte in Minute 62 noch auf 2:1 verkürzen, die Gastgeber waren jedoch weiterhin zahnlos in der Offensive. Im Rückspiel begannen die Salzburger einmal mehr im 4-1-2-1-2. Das Pressing gestaltete sich etwas höher und die Dortmunder wurden von Beginn an unter starken Druck gesetzt. So erlangten die Gastgeber die Kontrolle über das Spiel. Dennoch hätte man in diesem Spiel auch wieder in Sachen Chancen kreieren und vor allem im Verwerten jener Verbesserungen zeigen können. Das 0:0 half dennoch um ins Viertelfinale aufzusteigen.

 

 

 

 

 

Viertelfinale: Lazio Rom

Lazios Trainer Simone Inzaghi schickte seine Elf in einer 5-3-1-1 Formation auf den Rasen. Die Mittelfeldraute, gespickt mit Spielern von hoher Qualität wie Luis Alberto und Milinkovic-Savic, sowie vorne mit dem Movement-Spezialisten Ciro Immobile, hatte einiges an Individuen zu bieten, die den Salzburgern das Leben schwer machen würden. Vor allem Luis Alberto zeigte mit immer wieder starken Dribblings die hohe Pressingresistenz dieser Mannschaft, die zu jenem Zeitpunkt eine der besten Italiens war. Immobiles Zocken an der Abseitslinie bereitete der Salzburger Viererkette immer wieder Probleme, der italienische Stürmer war immer wieder knapp am Durchbruch und scheiterte einmal im 1v1 an Walke. Die Laziali versuchten jedoch prinzipiell den Ballbesitz an die Salzburger zu übergeben und sich in ihrer kompakten Grundordnung im Mittelfeld zu verschanzen. Die Raute im Mittelfeld der Römer passte perfekt auf jene der Salzburger, und so waren die Mannorientierungen einfacher und stabiler auszuführen. Luis Alberto orientierte sich immer an Samassékou und presste dann auf den Ballführenden, wenn sein Gegenspieler nicht mehr anspielbar war.

Abkippbewegungen der Achter Berisha und Haidara wurden immer wieder verfolgt, und von diesen Positionen konnte man auch situativ recht passend auf die Außenverteidiger pressen. So kam Salzburg nur schwer in die gefährlichen Zonen, immer wieder scheiterte es am Übergang ins letzte Drittel. Die kompakte Defensive der Hauptstädter Italiens war kaum zu durchbrechen. Dies wurde kaum einfacher nach dem Umstand, dass Lazio bereits in der 8. Minute durch Lulic in Führung gegangen war. Durch eine schnelle Seitenverlagerung nutzte man das kompakte Verschieben der Salzburger und die eigene breite Ausrichtung mit Fünferkette. Berisha glich Mitte der ersten Halbzeit durch einen Elfmeter aus. Dem vorangegangen war ein Angriff über den Flügel, der durch Xaver Schlagers Pressingresistenz durchgeführt werden konnte. Dabbur wurde dann im Strafraum gehalten und der Schiedsrichter entschied auf Foul. An der generellen Überlegenheit der Laziali änderte das jedoch nichts. Die Gastgeber konnten einige Male mithilfe von Lucas Leiva und den restlichen starken Mittelfeldspielern den Ball ums Salzburger Pressing herum- oder durchspielen.

Auch in Halbzeit zwei war Lazio überlegen. Gegen das häufiger als 4-3-3 anmutende Pressing der Salzburger fand man immer wieder mit schneller Zirkulation in der Dreierkette einen Weg nach vorne. So auch vor dem 2:1 kurz nach Wiederanpfiff, wo man über eine Flügelkombination und mit erneutem spätem Nachrücken am ballfernen Flügel eine zum Tor führende Hereingabe spielen konnte. Mit etwas fokussierter Einbindung von Walke, sowie einrückende Bewegungen von Lainer in den Halbraum und Haidaras Bewegung auf den Flügel hatte man etwas bessere Strukturen um das Pressing der Römer zu überspielen und schaffte dies auch besser als in Halbzeit eins. Lainer war überhaupt einer der Aktivposten in der zweiten Halbzeit und konnte durch weiträumige Läufe am Flügel und Dribblings für gute Angriffsaktionen sorgen. Er war es auch, der Raum öffnete für einen Pass von Haidara auf Dabbur, der über Umwege zu Minamino gelang, der das 2:2 erzielte. Rund um den Ausgleich war die beste Phase der Salzburger die nur wenige Minuten danach einen weiteren Dämpfer erhielten: Lazio konnte über Savic und einem Solo von Felipe Anderson das 3:2 erzielen. Kurze Zeit später verlor Salzburg im Mittelfeld den Ball und Immobile erzielte aus dem Konter das 4:2.

 

Im Rückspiel zeigte sich eine der größten Stärken der Salzburger in dieser Saison: die Anpassungsfähigkeit. Das Trainerteam Marco Roses begeht den selben Fehler nur selten zweimal und lernt aus Hinspielen sehr schnell. Die Schlüsse aus der 4:2 Niederlage gezogen und man nahm einige Veränderungen an der Mannschaft vor. Im Ballbesitz trat man in einem klaren 4-3-3 mit Yabo und Hwang als Flügelstürmer an, während Schlager als Sechser, Haidara linker und Berisha rechter Achter war. Die Defensivformation der Laziali sollte gestreckt und Räume offenbart werden. Die Italiener traten sehr passiv an und überließen den Salzburgern noch mehr Ballbesitz, als es in Rom der Fall war. Walke band sich ebenfalls etwas höher und aktiver ins Ballbesitzspiel mit ein und spielte häufig flache Verlagerungen mit dem ersten Kontakt. Dies ermöglichte Andribbeln in freie Räume für die Verteidiger. Die Salzburger hatten sofort die Kontrolle über das Spiel erlangt und fanden sehr früh eine Chance für Hwang vor, der Südkoreaner scheiterte jedoch an Keeper Strakosha. Im Ballbesitz rückten Caleta-Car und Ramalho weit auf, Ulmer blieb etwas tiefer als Lainer und so gab es 3-Raute-3-artige Konstrukte zu sehen. André Ramalho zeigte eine herausragende Partie, indem er immer wieder Schnittstellenpässe ins Mittelfeld brachte. Seine disguised passes waren für die Laziali immens schwer zu verteidigen. Im Pressing baute man auf eine 4-1-2-2-1 Formation, aus der die Flügelstürmer immer wieder diagonal rausstachen und ballfern mannorientiert gegen Mittelfeldspieler agierten.  Die erste Halbzeit hatte vor allem zwei aussichtsreiche Chancenansätze, sowie eine Großchance, dennoch ging man mit 0:0 in die Pause.

Alle Chancen schienen sich in Luft aufgelöst zu haben, als Ciro Immobile das 1:0 erzielte. Erneut am Rande des Abseits, bekam er einen Pass in die Tiefe und schloss unhaltbar ab. Luis Alberto gab die hervorragende Vorarbeit. Jedoch schon in der nächsten Szene erzielte Munas Dabbur den Ausgleich per abgefälschtem Schuss. Eine der an diesem Abend häufig gesehenen Direktkombinationen mit Auflage für einen Schuss am Strafraumrand war dem Tor zuvor gegangen. Immobile hatte zwei Minuten später den vermeintlichen nächsten Treffer erzielt, jedoch entschied der Linienrichter auf Abseits. Die Chance für die Salzburger war noch da, und sie wurde genutzt. Das Spiel schien nun am seidenen Faden zu hängen und hatte eine in Erinnerung gebliebene Dramatik. Die Römer hatten durchaus noch Möglichkeiten ein Tor zu erzielen. Fast 20 Minuten dauerte es bis zum nächsten Treffer nach Dabburs in der 56. Haidaras Weitschuss aus rund 25 Metern ging ins lange Eck. Zwei Minuten später erzielte Hwang nach tollem Außenristpass von Caleta-Car das 3:1. In der 76. Minute war es Stefan Lainer der das entscheidende 4:1 per Kopf nach einem Eckball schoss.

Für den Autor persönlich war es unglaublich lehrreich und auch aufregend zu sehen, wie Salzburg die „richtige Art“ von Risiko nahm, um dieses Spiel zu drehen. Die Anpassungen wie die breitere Formation, auch breitere Abstände zwischen den zwei Innenverteidigern, die etwas riskanten aber stabilen Staffelungen. All dies wurde so gut umgesetzt und zeigte vorbildhaft wie man ein Spiel anpassen und aufholen kann. Meistens werden nur mehr Stürmer aufs Feld geschickt oder eine etwas andere Formation gewählt. Die Salzburger nahmen einen detaillierteren Ansatz und wurden dafür belohnt.

 

Halbfinale: Olympique Marseille

 Marseille zeigte sich nur bedingt verändert in Bezug zu den Gruppenspielen was das Personal betraf. Formationsmäßig vertraute man weiterhin auf ein 4-4-1-1/4-4-2. Im Mittelfeldpressing waren die Franzosen primär auf Kompaktheit und Zustellen der Gegner konzentriert, wirklich Druck auf die Salzburger Aufbauspieler wurde nur situativ ausgeübt. Vor allem Ramalho fand hier immer wieder sehr gute Laserpässe in den Zehnerraum, die Marseillaise ließen sich im Mittelfeld mit Freilaufbewegungen der Achter immer recht leicht wegziehen um Passwege zu öffnen. Immer wieder konnten Pässe in die Füße von Wolf und Hwang gefunden werden. Ablagen nach diesen Bällen waren jedoch immer ein wenig zu unsauber, um optimalen Ertrag aus den gut rausgespielten Situationen zu erlangen. Im Pressing versuchten die Salzburger mit Angriffspressing die Südfranzosen unter Druck zu setzen. Immer wieder konnten sie unsaubere hohe Bälle nach vorne erzwingen. Über die Flügel war die Elf von Rudi García jedoch wie gewohnt sehr stark, vor allem Thauvin und López waren mit ihrer Pressingresistenz und ihren Dribblings ein Unruheherd für die Salzburger Defensive. Erneut eine Fünferkettenformation hätte hier vielleicht etwas mehr Kontrolle gebracht. So konnten die Marseillaise immer wieder Dreiecke am Flügel kreieren und diese ausspielen.Auch stellte man sich ungemein breit auf im Ballbesitz, um die Salzburger Formation, die sehr kompakt verschiebt, mit hohen Seitenwechseln zu umspielen. Diese breite Aufstellung und die Flügelüberladungen streckte die Mozartstädter durchaus, weshalb es durchaus geöffnete Passwege durch die Mitte gab. Die konnten die Franzosen sogar ein, zwei Mal nutzen. Dies vor allem aufgrund ihrer hohen Qualität, denn die Passwege waren immer nur sehr kurz offen und die Abstände zwischen den Spielern eben sehr weit. Hier zeigte sich wieder wie gewisse Aspekte, wie zum Beispiel eine über-breite Formation mit instabilen Verbindungen, generell eher als fragwürdiges taktisches Verhalten eingestuft werden würde, aber im richtigen Kontext dann doch sehr hilfreich sein kann. Eine sehr intensive Anfangsphase mit vielen Umschaltsituationen wurde von Thauvins 1:0-Führungstor in Minute 15 zäsiert. Die Salzburger hatten bis dahin immer zwei Mal über Chipbälle von Berisha nach guten Läufen Rechtsverteidiger Lainer gefunden. Aus diesen Situationen schlug man jedoch nicht das nötige Kapital. Generell waren Timing und Unsauberkeit etwas, das den roten Bullen in dieser ersten Hälfte im letzten Drittel zu schaffen machte und am Ende auch der Hauptgrund für die fehlenden Tore war.

Um die vielen Seitenwechsel Marseilles zu kontrollieren, agierten die Salzburger Achter im Pressing nun etwas breiter um kürzere Wege zum Rausattackieren auf den Ballführenden zu haben. Auch schien man mehr Ballgewinne in der Mitte erzielen zu wollen, weshalb man die Gastgeber öfters mit Bogenläufen nach innen dorthin leiten wollte. In Minute 62 nutzte Marseille jedoch die erste schwache Pressingszene im Spiel und erzielte das 2:0. Jene Szene ist oben in der Sektion „Probleme gegen direkten Flügelfokus“ zu finden. Die Salzburger hatten nun mehr vom Ball, Marseille richtete sich etwas tiefer aus. Mit immer mehr Spielern in den Reihen der Gegner positioniert ging Salzburg in Sachen Restverteidigung ein höheres Risiko ein, jenes wurde jedoch nicht belohnt. Immer wieder kam man ins letzte Drittel, dort wurden jedoch zu oft die falschen Entscheidungen getroffen, um wirklich torgefährlich zu sein.

 

Da im Hinspiel sehr vieles richtig gemacht wurde, entschied sich das Trainerteam rund um Marco Rose nicht um eine Anpassung und man ging mit der selben Spielanlage in die Partie. Allein Schlager spielte statt Wolf und Gulbrandsen statt Hwang. Die Marseillaise richteten sich etwas tiefer und passiver aus, was den Bullen viel Ballbesitz und saubere Aufbausituationen bescherte. Die Überlegenheit am Ball zeigte sich deutlich, die von Diagonalität geprägte Aufbaustruktur der Salzburger half immer wieder dabei die Reihen der Franzosen zu durchbrechen. L’OM war ebenfalls mit einer ähnlichen, im Pressing jedoch wie bereits erwähnt etwas passiveren, Spielanlage nach Salzburg gekommen. Mit simplen Schnellangriffen und Kontern über den Flügeln wollte man den Salzburgern den Rest geben. Diese schöpften nach Haidaras Sololauf und Führungstor in Minute 53 Hoffnung. Nur wenige Minuten später erhöhte Schlager auf 2:0 und machte die Verlängerung fix. Die Salzburger zeigten ihre überlegene Fitness und konnten sprinten und spielen bis zum Ende. In Minute 115 fiel das bittere 2:1 von Marseille nach einem schlecht verteidigten Eckball und zerstörte die Salzburger Träume vom Europa League Finale.

 

Fazit

Die Salzburger zeigten eine tolle Saison, in der man nicht nur in der Europa League lange ungeschlagen blieb. Mit einer selten gesehenen Kombination aus richtig gutem Pressing und Gegenpressing, sowie sauberem Ballbesitzspiel mit ausgewogenen Strukturen konnte man die Fußballwelt ein klein wenig begeistern. Am Ende der Saison ging womöglich mental etwas die Luft aus, denn physisch hatte man kaum bis keine Verletzungen zu verbuchen. Die Salzburger haben auf diesen Erfolg mehrere Jahre bereits hingearbeitet und man kann nur hoffen, dass sich andere Vereine von dieser kohärenten Arbeitsweise inspirieren lassen.

Über David Goigitzer

1v1 ist eine Lüge. Beistriche auch.
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2 Kommentare

  1. Ein sehr schöner und umfangreicher Beitrag mit guter Visualisierung. Vor allem letzteres ist find ich für einen so großen Text sehr wichtig! Ich würde mich über mehr so fundiert geschriebener Beiträge freuen.

  2. Wow, danke für die umfangreiche Arbeit!

    Diesen Long Read muss ich mir auf mehrere Sessions aufteilen. 😉
    Ein Fehler ist mir leider beim Kader aufgefallen: Haidara hat keinen Absatz bekommen.

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