Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 9: Durch das Zentrum in den Rücken des Gegners

Von Eduard Schmidt

In dieser großen Spielform geht es maßgeblich darum, den Gegner etwas nach außen anzulocken, um mit möglichst direktem Passspiel ins Zentrum zu gelangen und von dort den Raum hinter der gegnerischen Abwehr zu attackieren.

Aufbau

Es wird das gesamte Feld genutzt. Auf beiden Strafraumlinien (die zusätzlich bis zu den Seitenauslinien verlängert werden) stehen drei Minitore: eines im Zentrum und eines an jedem Ende der jeweiligen Linie. Der Bereich zwischen den Strafräumen ist zudem in drei vertikale Zonen eingeteilt und zusätzlich von der Mittellinie durchzogen. Etwa strafraumbreit und von der Länge des Mittelkreises wird im Zentrum des Feldes zudem eine zusätzliche Zone markiert.

Ablauf

Beide Teams beginnen innerhalb des Feldes mit je 10 Feldspielern. Zusätzlich verfügt jedes Team über einen Torhüter, der zunächst innerhalb des Strafraums bleibt. Im Beispiel agiert ein Team in einer 3-1-4-2-Formation, das andere in einem 4-3-3. Dies kann entsprechend der Bedürfnisse variiert werden.

Das Spiel startet bei einem der beiden Teams mit Ballbesitz eines Innenverteidigers. Zwischen den Strafräumen wird ein freies Spiel durchgeführt, das alle bekannten Regeln beinhaltet. Als Besonderheit muss der Ball zumindest einmal kontrolliert aus einem der beiden äußeren Streifen in die Mittelzone und wieder heraus gelangen, bevor ein Treffer erzielt werden darf.

Dies kann auf unterschiedlichen Wegen geschehen: Entweder es wird direkt in eines der Minitore gepasst, wofür es einen Punkt gibt. Alternativ kann ein Schnittstellenpass zwischen den Minitoren auf einen in die Tiefe startenden Mitspieler angebracht werden, der anschließend im 1 gegen 1 mit dem Torhüter einen Treffer erzielen muss. Dies wird ebenso wie ein eigenständiges Dribbling in den Strafraum mit zwei Punkten honoriert.

Gelingt es dem ballbesitzenden Team schließlich, über eines der Minitore auf einen Mitspieler zu lupfen und dieser erzielt einen Treffer, so werden ihm drei Punkte gutgeschrieben. Die Strafraumlinie ist gleichzeitig Abseitslinie. Die Verteidiger dürfen lediglich vor dieser verteidigen und den eigenen Strafraum nicht betreten.

Bei dieser Spielform kommt es zu spielgemäßen Umschaltsituationen. Nach dem Ballgewinn muss zunächst wiederum in die Zentrumszone gespielt werden, ehe eine Torerzielung möglich ist. Ausnahme: Der Ball wird in dieser gewonnen und sauber herausgespielt („high risk, high reward“ des Zentrumsspiels).

Variationen

– Klare vorherige Ansage, auf welche Art und Weise ein Treffer erzielt werden soll (keine zufälligen Treffer!)
– Minitore weiter zur Mitte ziehen, damit ein größerer Raum für das Spiel in die Tiefe zur Verfügung steht und der Druck innerhalb des Feldes erhöht wird. Es muss nun nicht mehr durch die Mittelzone gespielt werden. Allerdings zählt ein Treffer dann einen Punkt weniger. Ohne vorheriges Durchspielen des Zentrums bringt das Attackieren des Minitores also nichts.
– Torhüter kommt zum Spielaufbau mit aus dem Strafraum heraus und erzeugt eine 11 gegen 10- Überzahl.
– Wenn der jeweils verteidigende Torhüter beginnt, verfrüht aus seinem Tor zu kommen, kann er auch von außerhalb des Strafraums überwunden werden, wofür es einen oder mehrere Punkte gibt. Hierbei sollte Vorsicht gewahrt werden, dass überhastete Torschüsse nicht forciert werden, was wiederum von der jeweiligen Mannschaft abhängt.
– Konter innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe ohne notwendiges Spiel ins Zentrum.
– Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte: Sofortige Torerzielung möglich.

Steuerung und Coaching innerhalb der Trainingsform

Trotz des grundsätzlichen Fokus auf das Spiel in Ballbesitz hängt der genaue Ablauf dieser Spielform vom Verhalten des verteidigenden Teams ab. Davon ausgehend lassen sich aus der Situation heraus auch weitere Variationen ableiten. Eventuell wird es auch nötig den Coachingfokus zunächst gänzlich auf das Defensive zu setzen.

Erfolgt die Verteidigung etwa sehr gestreckt und die Defensivmannschaft lässt den Weg ins Zentrum immer wieder offen, so kann grundsätzlich die Wichtigkeit des Zentrums im Rahmen der Verteidigungsarbeit hervorgehoben werden. Zudem lässt sich in einer weiteren Stufe dann eine Pressingfalle eben dort etablieren. Der Weg in die Mitte wird bewusst offengelassen, um einen scheinbar sicheren Pass dorthin zu provozieren. Mit Spielen desselben wird der Ballempfänger von allen Seiten attackiert und nach Ballgewinn kann sauber aus dem Zentrum in die gegnerische Hälfte gespielt werden.

Verteidigt der Gegner nun schon auf angemessene Art und Weise, wird es häufig zu engen Situationen im Zentrum kommen. Dies ist in der Ausgangssituation auch so gewollt, da es beim konstruktiven Spiel von außen nach innen zunächst bei vielen Mannschaften nicht unerheblich darauf ankommt, einen gewissen Mut an den Tag zu legen.

Darüber hinaus können auch kreative Lösungen gefunden werden: Wenn der zentrale Bereich so sehr verstellt ist, dass ein Zuspiel wenig sinnvoll ist, kann beispielsweise zunächst außen an der Zentrumszone vorbei gespielt werden und anschließend aus der gegnerischen Hälfte dann doch in diese herein. Erst nachdem hier ein wenig Zeit zum Experimentieren gegeben wurde, kann man die Spielform gegebenenfalls mit der zweiten oben genannten Variation vereinfachen.

Eine interessante Dynamik entwickelt sich im Anschluss an das Durchspielen der Mittelzone: Die ballbesitzende Mannschaft besitzt nun vielerlei Möglichkeiten, Treffer zu erzielen, muss aber in jedem Fall die Tiefe attackieren. Aus dem engen Raum ins Zentrum soll, noch ehe die Verteidigung reagieren kann, ein großräumiger Übergang gefunden werden. Im letzten Drittel steht dann besonders die Passkommunikation und Ausführung im Vordergrund.

Insgesamt ergibt sich so eine komplexe Spielform, die viele weitere Möglichkeiten der Anpassung bietet und in den Einzelaspekten von der zur Verfügung stehenden Mannschaft abhängt.