Türchen 6: 3v3 plus 2 “Überladungsspiel”

Von George Jones

Das nachfolgende Spiel benutze ich häufig, um Prinzipien des Umschaltspiels sowie von Konterangriffen nach Ballbesitzwechseln einzuführen. Abhängig von der Intensität und Höhe des Pressings vonseiten der beiden Verteidiger, kann man die Form auch nutzen, um das ruhige Bespielen eines tiefen Zweierblocks zu trainieren.

Aufbau

Der Aufbau ist simple. Man benötigt zwei Tore, die jeweils von einem Torhüter verteidigt werden. Drei Mannschaften werden gleichmäßig auf die Startpositionen verteilt: Zwei beidseitig neben jedem Tor sowie zwei weitere, wie in der Grafik dargestellt, genau an der Mittellinie des Feldes.
Im Beispiel greift blau zunächst an, rot verteidigt und weiß stellt die neutralen Spieler. Was die Feldgröße betrifft, kann man dieses Spiel einfach an das gewünschte Ergebnis sowie an den jeweiligen Tag in der Periodisierung anpassen.

Möchte ich beispielsweise das (Nadel-)Spiel auf engem Raum betonen, mache ich das Feld zum Beispiel kleiner und führe Kontaktbegrenzungen ein. Andererseits habe ich das Spiel auch schon in der Saisonvorbereitung auf größerem Raum genutzt, um eine andere Art der Dynamik in Konterangriffen zu trainieren. Pausen können einfach und zielgerichtet den Bedürfnissen angepasst werden. Dies ist auch abhängig von der Anzahl der verfügbaren Spieler: weniger als 12 sollten es allerdings nicht sein.

Ablauf

Das Spiel startet mit Ballbesitz von einem der beiden verteidigenden Spieler, welcher einen diagonalen Pass zu den Angreifern spielt. Sobald der Ball unterwegs ist, müssen sich die Verteidiger entscheiden, ob sie den Gegner hoch anlaufen wollen oder sich tiefer halten. Wenn die Angreifer den Ball bekommen, haben sie aufgrund der Positionierung der Joker bereits zwei hohe Anspieloptionen, die sie diagonal erreichen können.

Dadurch wird die Spielform zu einem klaren 4 gegen 2. Gewinnen die Verteidiger ihrerseits den Ball, greifen diese ihrerseits gemeinsam mit den beiden Neutralen auf das gegenüberliegende Tor an. Sobald ein Tor erzielt wurde, gehen die Spieler zurück auf ihre Startpositionen.

Ich lasse diese Spielform häufig mit drei Teams durchführen. Jedes Team fungiert jeweils für 8 Minuten als Angreifer und Verteidiger sowie als neutrale Mannschaft. Dies organisiere ich dann in einem Wettbewerb, um zusätzlich die Intensität zu erhöhen: Wer am Ende insgesamt die meisten Tore erzielt, wird zum Sieger gekürt.

Variationen

  • Kontaktbegrenzungen, um die Geschwindigkeit des Ballvortrags zu erhöhen sowie Läufe in die Tiefe zu fokussieren.
  • Torabschluss nur mit einem Kontakt: Die Geschwindigkeit der Fußballaktionen wird vor allem in Tornähe erhöht. Die Mitspieler müssen für die Möglichkeit, Doppelpässe zu spielen, im letzten Drittel näher an den Ballführenden heranrücken.
  • Die neutralen Spieler zu zusätzlichen Angreifern machen, um durchgängig ein 4 gegen 2 zu erzeugen. Tragen diese immer noch verschiedenfarbige Leibchen, so ergibt sich daraus eine zusätzliche kognitive Anforderung.
  • Wie bereits erwähnt, kann die Feldgröße für konditionelle Aspekte variiert werden.
  • Ohne Torhüter spielen (nachfolgend diskutiert).
  • Die Neutralen können selbst kein Tor erzielen, sondern nur Vorlagen geben.
  • Der Torerfolg muss über einen „cut-back“ (flache Flanke in den Rücken der Abwehr, etwa in die Strafraumgrenze) in einen markierten Bereich des Feldes erfolgen.

Coachingpunkte

Sobald der erste Pass gespielt wird, müssen die Verteidiger entscheiden, ob sie direkt auf den ersten Kontakt Druck ausüben wollen (abhängig von der Spielidee sowie verschiedenen Triggerm wie Qualität des Kontakts, Abstand zum Gegenspieler etc.) oder zu zweit tief zu verbleiben und das Zentrum zu sichern. Der Ball nach außen zu den neutralen Spielern gelangen, die dann für einen Ballgewinn außen isoliert werden sollen.

Ich möchte vor allem, dass die verteidigenden Spieler selbst situationsgemäße Lösungen finden. Anschließend befrage ich sie dann gerne dazu, warum sie eine bestimmte Ausrichtung gewählt haben, um zusätzliches Bewusstsein in der Entscheidungsfindung zu schaffen.

Häufig spiele ich diese Form ohne Torhüter und stattdessen mit der Regel, dass der Abschluss nur mit einem Kontakt erfolgen darf. Dadurch neigen die Verteidiger implizit mehr dazu, Druck auf den Ballführenden und den gespielten Pass auszuüben. Dies führt zwar dazu, dass das Pressing aufgrund der Überzahl für die Angreifer auch häufiger einmal überwunden wird. Gleichzeitig entstehen jedoch schöne Rückwärtspressingsituationen oder Rettungsaktionen vonseiten der Verteidiger.

Das Spiel erzeugt eine angenehme Situation für die neutralen Spieler, da diese ihren ersten Kontakt direkt in Richtung eines klaren Zieles nehmen können und ihre Orientierung durch dieses klar vorgegeben ist. Doch mit jedem Ballbesitzwechsel, verändert sich auch ihre Rolle entsprechend. Sie sollen darauf geschult werden, in solchen Situationen mindestens auf Ballhöhe und idealerweise noch vor dem Ball zu agieren. Natürlich gehen mit einem etwaigen Rückpass gewisse Vorteile einher, doch in dieser Spielform möchten wir die Überzahl möglichst schnell nutzen, um in Richtung des Tores zu gelangen.

Wenn der jeweilige Angriff scheitert und beispielsweise der Ballbesitz wechselt, so gebe ich den neutralen Spielern den Tipp, den ersten Ball nach hinten zu spielen, um aggressives Pressing im Zentrum zu provozieren. Anschließend kann der Ball dann direkt diagonal zu einem der Joker gespielt werden. Dieser kann dann entweder nach innen dribbeln oder diagonal durch die desorganisierte Pressinglinie hindurchspielen.

Diagonale Rückpässe zu den Jokern können zwar durchaus einmal auftreten, aber dies sollte aufgrund ihrer hohen Ausgangsposition nur selten passieren. Natürlich sind die Vorteile massiv, wenn man den Ball zu einem Spieler im Zentrum klatschen lässt, aber davon sollte nur Gebrauch gemacht werden, wenn die Überzahl nicht anderweitig genutzt werden kann und man auf ein ruhigeres Ballbesitzspiel zurückgreifen muss. Tempo und Rhythmus werden dabei maßgeblich vom Trainer selbst beeinflusst, was wiederum von den mit der Spielform verbundenen Zielen abhängt – ob man schnelle Konter oder das Spielen gegen zwei tiefstehende Gegner üben möchte.

Dadurch dass die Neutralen sich häufig zum jeweils anderen Tor umorientieren müssen, kann man ihre Körperpositionierung in dieser Spielform besonders gut coachen. Eine sofortige Spielfortsetzung in Richtung eines nach vorne startenden Spielers muss stets gewährleistet sein. Gleichzeitig ist es von besonderer Wichtigkeit, immer wieder “cut-backs“ einzufordern, welche in der Regel von einem der Neutralen gespielt werden, während sein Gegenüber sich stets zum zweiten Pfosten absetzen sollte, um möglicherweise als Abnehmer zur Verfügung zu stehen.

Eine Passfolge, die aufgrund des gegnerischen Pressings häufig auftreten wird, sieht wie folgt aus: Zentrumsspieler – Neutraler – zurück ins Zentrum – erneut zu einem der Neutralen für einen „cut-back“. Diagonale Bewegungen sind dafür ebenso wichtig wie eine jederzeit offene Körperstellung.

Wenn man mit den Spielern über den „cut-back“ redet, ist es vor allem wichtig, die Rolle jedes einzelnen in diesem Zusammenhang klarzumachen. Ein Spieler bringt immer den finalen Pass herein, ein Spieler übernimmt die selbstlose Aufgabe über das Ziel des Balles hinauszulaufen, um die Verteidiger zurückzudrängen und aus ihren Positionen zu ziehen. Der dritte Spieler sollte dorthin gehen, wo der Ball vermutlich auch tatsächlich hingespielt wird, während der ballferne Neutrale am zweiten Pfosten lauert.

Eine Kombination, die ich dabei besonders gerne verwende, sieht vor, dass der erste Spieler mit seinem Lauf in Richtung des ersten Pfostens Raum aufzieht und einen Gegenspieler bindet. Dadurch hat der zweite Spieler im Zentrum zwar Platz, lässt den Ball aber für den letzten Spieler durch, der ihn idealerweise nur noch einzuschieben braucht. Nach der erstmaligen Spieleröffnung sind die Rollen noch klar verteilt, doch nach mehreren Umschaltmomenten ist es durchaus möglich, dass sich beispielsweise ein Neutraler im Zentrum wiederfindet.

Wenn sich die Verteidiger dazu entscheiden, tiefer zu verteidigen, verändert sich damit natürlich auch die gesamte Dynamik des Spiels und die Angreifer müssen sich eher darauf fokussieren, sie aus ihren Positionen herauszuziehen. Dies kann beispielsweise über Steil-Klatsch-Tief oder Außen-Innen-Außen sowie weitere Varianten des Spiels über den Dritten erfolgen. Zusätzlich kann man die Angreifer noch darauf hinweisen, dass die Verteidiger vermutlich auf Pässe nach außen herausrücken werden.

Wenn sie darauf vorbereitet sind, können sie einen der beiden Verteidiger aus seiner Position ziehen und direkt den Raum hinter ihm mittels eines schnellen Doppelpasses attackieren. Das kann auch umgekehrt funktionieren, indem der Ball von einem Neutralen zurück ins Zentrum gespielt wird. Presst der Verteidiger auf dieses Zuspiel durch, so kann sich der Neutrale in dessen Rücken ins Zentrum bewegen und einen entsprechenden Pass erhalten. Genauso kann er aber auch vom Zentrumsspieler auf außen hinterlaufen werden.

Insgesamt habe ich diese Spielform bereits häufig erfolgreich eingesetzt. Ich möchte vor allem noch einmal hervorheben, wie viel man innerhalb der grundlegenden Struktur anpassen kann, je nachdem worauf der jeweilige kurz- oder langfristige Coachingfokus liegt.

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