Türchen 5: Vom Schnittstellenpass zum Torabschluss

Von Tim Stegmann (FC Würzburger Kickers)

Die folgende Form lässt sich gut im 4v4+2 auf 2 Tore mit Torhütern spielen – je nach Spieleranzahl wäre aber auch ein 3v3+3 oder in ähnlicher Form denkbar. Auch von der Regelgestaltung sind dem Trainer grundsätzlich keine Limits gesetzt. Eine größere Form als 5v5 + max. 3 würde ich jedoch nicht empfehlen.

In der vorgestellten Form wird auf Großtore gespielt – Distanz zu den Toren sollte in etwa 18 – 20 Meter sein.

Durch den Aufbau und die Regelgestaltung wollen wir linienüberspielende und diagonale Momente erzeugen, sowie das Aufdrehen und gute Positionieren akzentuieren. Regeln / Spielziele wie folgt:

  • Spiel auf Ballbesitz. Nach 8 – 10 – 6 Pässen (immer variieren – Trainer sagt vor jedem Durchgang an) darf auf 1 Tor gegangen werden. Es muss das weiter entfernte Tor attackiert werden (damit eine feste Spielrichtung entsteht). Variante hierzu: Finaler Ball nach Freischalten durch Pässe muss durch ein Dummy-Tor gespielt werden.
  • Wird ein Pass über 2 Linien gespielt (Diagonal oder vertikal – nicht quer), darf sofort auf ein Tor gegangen werden – dabei wird auf das Tor gespielt, in deren Hälfte der Pass empfangen wurde (Aufdrehen / Spieloffen sein)

  • Wird der Ball erobert, kann dieser innerhalb von 3 Sekunden durch ein Dummytor zum Torabschluss gespielt werden
  • Grundsätzlich darf bis zum Schluss mitverteidigt werden.
  • Nach jedem Durchgang (bzw. nach einer Abschlussaktion) beginnt das Spiel von neuem im Feld. Die Durchgänge sind üblicherweise schnell und intensiv auf Tempo und schnelle Abschlüsse ausgerichtet. Daher immer wieder entsprechende Pausen einstreuen.

Ziel ist es, initiative Läufe (Bogenlauf nach Außen) zu erzeugen. Dadurch können die Spieler bewusst aus der Enge des Feldes ausbrechen – auch bei einem antizipierten Ballgewinn, um Bewegungsvorsprung in der Konteraktion zu haben. Durch die Überzahl ist ein Spielen auf Ballbesitz immer möglich – hierbei sind jedoch auch die Rhythmuswechsel entscheidend. Auf Ballbesitz spielen darf nie ein Selbstzweck werden – sondern immer wieder zielorientiert auf Torabschluss umgeschaltet werden.

Schließlich wollen wir auch bei einem Angebot zwischen den Linien zentral immer wieder die Möglichkeit geben, aufzudrehen bzw. uns so spieloffen anzubieten, dass eine schnelle Spielfortsetzung nach vorne gegeben ist.

Weitere Variationsmöglichkeiten ergeben sich durch Kontaktvorgabe oder unterschiedliche Wertung (z. B. Pass über 2 Linien & Diagonaler Ball durch Dummytor = Chance auf höhere Wertigkeit im Abschluss).

Zusätzlich kann das innere Feld durch Verlängerung der Rautenlinien geviertelt werden. Dann lassen sich weitere Regeln implementieren, um die Ballzirkulation vermehrt einzufordern (nicht mehr als 2 Pässe pro Viertel im Sinne des Passrhythmus kurz-kurz-lang) oder aber die Forderung nach einem Felderwechsel eines Spielers nach einem Pass (Anbietverhalten nach Abspiel / Positionswechsel).

Grundsätzlich empfiehlt sich in dieser Form mit wenigen Regeln anzufangen und durch die Regelgebung die Komplexität der Umsetzung sukzessive zu steigern; auch damit die Spieler sich zunächst an die Form gewöhnen können und anschließend sich in ihr immer besser zurechtfinden.

Weitere Variation: Bonusball

Nach einem Torerfolg kommt durch den Trainer ein zusätzlicher Ball für die erfolgreiche Mannschaft hinzu. Dieser muss innerhalb von 6 Sekunden nach Pass durch Raute und Pass (oder Dribbling) durch das Dummytor auf das gleiche (vereinfachen: das andere) Tor verwertet werden. Ist dieser erfolgreich, behält die Mannschaft den Ballbesitz in der Folgerunde. Auf diese Weise kommt dem Umschaltmoment eine noch größere Rolle zu, ebenso der Rettermentalität der Spieler, die soeben ein Tor kassiert haben, nochmals zu verhindern und den Ball zu gewinnen.

Natürlich lassen sich die Regeln im beliebigen Maße fortsetzen oder aber beispielsweise durch zusätzliche Minitore an den Seiten noch mehr erweitern.

Insgesamt hat diese Form viele Momente, in denen schnell zielorientiert auf Abschluss gegangen werden kann. Durch die Regelgestaltung wird immer wieder der „Killer-Pass“ diagonal oder vertikal durchs Zentrum und ein entsprechendes Aufdrehen (oder Weiterspielen im Sinne des Steil-Klatsch) eingefordert, gleichzeitig gilt es für die verteidigende Mannschaft, das Zentrum zu schließen, den Gegner in einem Bereich (idealerweise in einer Ecke des Feldes) zu isolieren und selbst durch Umschalten (3 Sek. Für Torvorbereitung – bzw. für Gegenpressing des Gegners) erfolgreich zu sein.

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