Türchen 24: Coaching chaotischer Situationen

Von Adin Osmanbasic

Für das 24. Türchen des diesjährigen Adventskalenders habe ich ein Thema ausgesucht, das häufig übersehen wird und dennoch ausführlich ins Training eingebaut werden kann. Wir fokussieren uns im Coaching häufig sehr auf die organisierten Phasen des Spiels, etwa Abstöße (Aufbauspiel und hohes Pressing), Ecken, Freistöße sowie Einwürfe. Zusätzlich entstehen andere organisierte Phasen im Laufe des Spiels, beispielsweise beim Rückzug ins geordnete Mittelfeld- oder Abwehrpressing oder wenn man Angriffe aus der offensiven Ordnung heraus zum Abschluss bringt.

Dies alles sind Momente des Spiels, welche dem Team bei richtigem Coaching einen einfachen Rückgriff auf die zuvor geplante Strategie erlauben. Dies hängt damit zusammen, dass die organisierten Phasen des Spiels schlichtweg viel vorhersehbarer sind. Man kann sich im Training vergleichsweise einfach auf sie vorbereiten, indem man explizite Abläufe einbringt, die sich dann auch auf das tatsächliche Auftreten der Situationen im Spiel transferieren lassen.

Doch ein Großteil des Fußballspiels läuft in unorganisierten Phasen ab. Diese müssen zunächst kontrolliert werden, wenn ein Team in die organisierten Phasen übergehen möchte. Wenn man beispielsweise versucht in die tatsächliche Phase des „kontrollierten Ballbesitzes im Mittelfeld“ zu gelangen, muss man dafür möglicherweise zunächst ein Angriffspressing überwinden beziehungsweise eine wildere Variante davon.

Kann man diese Phasen nicht kontrollieren oder durchbrechen, so wird der Gegner sich niemals in ein organisiertes Mittelfeld- oder Abwehrpressing zurückfallen lassen, das dem ballbesitzenden Team mehr Raum und Zeit lässt, um seine Strategie durchzubringen. Raum und Zeit sind Kernkomponenten, die für das Entstehen von Organisation sorgen.

Entsprechend dem Thema wird sich dieser Artikel mehr mit dem Konzept an sich sowie dem Lehrprozess desselben befassen als mit einer speziellen Übung, die ohne Kontext ohnehin eher sinnlos wäre.

Präzisierung des Konzepts

Ich rede natürlich von Umschaltmomenten. Diese beschränken sich allerdings nicht bloß auf Konterangriffe und Gegenpressing, sondern beziehen sich in einem detaillierteren Sinne auf lose Bälle und Klärungsaktionen. Klärungsaktionen kommen in jedem Fußballspiel sehr häufig vor – ganz gleich bei welchem Team und auf welchem Level.

Auch (und gerade) Guardiolas Barcelona musste gegnerische Klärungsaktionen, lange Flanken, Standardsituationen und eigene Klärungsaktionen kontrollieren. Obwohl seine Mannschaft bekannt dafür ist, den vermutlich besten Fußball aller Zeiten gespielt zu haben – ein solcher wäre ohne die Kontrolle der weniger „schönen“ Momente des Spiels unmöglich gewesen.

Da aus den meisten eigenen Angriffen kein Tor resultiert, gewinnt der Gegner im Laufe des Spiels relativ häufig den Ball. Das ist ein natürlicher Bestandteil des Fußballspiels, da der Ball mit den Füßen schlichtweg schwerer zu kontrollieren ist als zum Beispiel im Basketball, wo man die Hände benutzt. Das heißt, dass jeder Gegner auf jedem Level die Möglichkeit hat, wenigstens lange Bälle zu spielen, lange Flanken zu schlagen, den Ball infolge von Fouls aus Standardsituationen ins Spiel zu bringen und so das Spiel manchmal bis in den anderen Strafraum zu bringen.

Diese häufig auftretenden Phasen ziehen infolge von langen und losen Bällen eine Menge Zweikämpfe nach sich. Die verteidigende Mannschaft reagiert auf lange Bälle in den allermeisten Fällen, indem sie den Ball direkt aus der Defensivzone klärt, anstatt zu versuchen, diesen zu kontrollieren und im Anschluss aus geordnetem Ballbesitz gefährliche Momente zu kreieren.

Was ist die übliche Antwort auf eine Klärungsaktion nach einem hohen langen Ball? Genau! Noch eine Klärungsaktion. Daraus resultiert ein Spielgeschehen, bei dem beide Teams vermeiden, dass lange und hohe Bälle in der Nähe ihrer Defensive einschlagen, da sie in der Folge nur schwer zu kontrollieren wären. Diese Aneinanderreihung von Klärungsaktionen setzt sich üblicherweise so lange fort, bis ein Team den langen und hohen Ball annehmen kann und ihn zu einem Mitspieler bringt, der über Raum und Zeit – also Kontrolle – verfügt.

Ein weiteres übliches Ende sieht vor, dass eine der Mannschaften innerhalb der Angriffsreihe ein Duell nach der eigenen Klärungsaktion für sich entscheidet. Dies zwingt den Gegner dazu, sich in Richtung des eigenen Tores zurückfallen zu lassen. Somit entsteht Raum und Zeit für das angreifende Team. Man braucht kaum zu erwähnen, dass dies wiederum eine Aneinanderreihung von Zweikämpfen zur Folge hat.

Die Kettenreaktion wird erst dann tatsächlich gebrochen, wenn man den Kampf um einen losen Ball sauber für sich entscheidet, einen kontrollierten Pass spielt, der den gegnerischen Druck auflöst oder wenn man aus der Drucksituation herausdribbelt, um den Ballbesitz zu sichern. Das alles bedeutet, dass das ballbesitzende Team nun Raum und Zeit am Ball zur Verfügung hat. Zeit erlaubt es den Spielern, sich in ihre Positionen innerhalb der Organisation zu begeben und den ursprünglichen Plan für die organisierte Spielphase auszuführen. Raum und Zeit sind dabei synonym zueinander zu verwenden: Hat man Zeit, so hat man Raum. Hat man Raum, so hat man Zeit.

Raum bedeutet lediglich die Abwesenheit eines Gegenspielers. Das heißt: Wenn man in einen freien Raum spielt, so befindet sich dort kein Gegenspieler und man hat mehr Zeit, sich zu organisieren. Dadurch werden Rückpässe zur Mittellinie (wenn der Gegner tiefer presst) oder zum Torwart (wenn der Gegner höher presst) zu einem entscheidenden Mittel, um der eigenen Mannschaft mehr Zeit zu geben, um sich zu organisieren, bevor der Gegner sich dem Ball überhaupt erneut nähern kann.

Spieler, die unter Druck dribbeln und passen können, ihre breite Startposition in Ballbesitz schnell einnehmen und nach einem Ballverlust kompakt zum Ball schieben sind damit enorm wichtig, wenn der Trainer bestrebt ist, während des Spiels mehr innerhalb von organisierten Phasen zu agieren. In nahezu jedem Fußballspiel gelingt es dem Gegner, mindestens eine Chance zu kreieren. Das passiert selbst den besten Teams. Es geht darum, dieses Chaos so gut wie möglich zu kontrollieren, damit das Pendel in die eigene Richtung ausschlägt.

In jeder Spielphase passieren jeder Mannschaft eine Menge Fehler – ganz gleich auf welchem Level. Selbst Barcelona hat auf der Höhe seines Schaffens den Ball beim Aufbauspiel nach Abstößen verloren. Entweder landete dieser im Aus oder beim Gegner. Es geht vielmehr darum, wie sie auf das Entstehen dieser ungeordneten Phasen reagiert haben. Das Spiel steht niemals still.

Guardiolas Mannschaften sind beispielsweise bei Weitem diejenigen, welche am meisten offensive Organisation aufweisen. Dies wäre unmöglich, wenn sie das Spiel nicht unter hohem Druck beginnend beim Torhüter aufbauen oder den Gegner so unter Druck setzen könnten, dass dieser die Kontrolle über den Ball verliert. Da sie Ballverluste des Gegners provozieren und die Versuche des Gegners zunichtemachen, selbiges zu tun, beugen sich die anderen Teams ihrer Dominanz und ziehen sich zurück, um das eigene Tor zu schützen, anstatt Druck auf den Ball auszuüben.

Dadurch entsteht Raum und Zeit für die Mannschaft in Ballbesitz und es wird ihnen möglich, einen organisierten Angriff zu starten. Dieser Umstand erlaubt Guardiola gleichzeitig, in seinem Matchplan detaillierter vorzugehen: Seine Mannschaft agiert einfach die meiste Zeit in organisierten Phasen. Die trainierten Abläufe kommen häufiger vor und die tatsächliche Spielumgebung weist größere Ähnlichkeiten zur Trainingsumgebung auf.

Gleichzeitig gibt dies den Spielern zusätzlich Vertrauen und Bewusstheit darin, was zu tun ist, wodurch wiederum Tempo und Stabilität erhöht werden. Andere Trainer mögen zwar die gleiche Denkweise haben, aber verfügen nicht über genug Spielkontrolle, damit ihre Pläne in der Realität Wirkung entfalten können.

Diese Trainer sollten sich mehr auf ungeordnete Spielphasen sowie generelle Konzepte und Prinzipien konzentrieren. Das sieht zwar nicht so „kompliziert“ aus wie für alle Spielphasen explizite Anweisungen in organisierten Abläufen zu geben. Doch jene Trainer, die dadurch viel detaillierter in ihrem Vorgehen wirken, sind letzten Endes dennoch weniger effektiv.

Ein großer Trainer versteht die Natur des Fußballs, um einen guten Plan auszuarbeiten und diesen realitätsgetreu zu trainieren, während er gleichzeitig eine realistische Einschätzung des gegnerischen Verhaltens hat und eine gute Vorstellung davon, was während eines Spiels am häufigsten passieren wird.

Was ist der Hauptgrund dafür, dass Abstöße, Freistöße, Ecken und Einwürfe dann so organisiert ablaufen? Vor dem Ausspielen dieser Momente haben die Spieler ausreichend Zeit, um sich auf das vorzubereiten, was passieren wird und können entsprechend ihre Positionen einnehmen.

Trainer, die unmittelbar einen riesigen Einfluss auf die neu übernommene Mannschaft nehmen, fokussieren sich zumeist sehr auf die geordneten Phasen des Spiels fokussieren und es ermöglichen, dass diese tatsächlich auch vorkommen. Dadurch wird dann auch schnell die Arbeit des Trainers sichtbar, während jemand, der eher auf Prinzipien für implizite Momente oder unorganisierte Spielphasen setzt, zunächst weniger Anerkennung erfährt.

Viele Leute würden beispielsweise (zurecht) argumentieren, dass ein Trainer wie Tony Pulis (oder Sam Allardyce aktuell bei Everton) einen unmittelbaren Einfluss auf die Mannschaft ausübt, sobald er einen Job antritt. Dies ist in großen Teilen damit zu begründen, dass seine Teams in einem Abwehrpressing agieren. So gibt man zwar einerseits dem Gegner Raum und Zeit, aber organisiert andererseits eben auch die eigene Verteidigung und gibt dieser einen organisierten Startpunkt. Seine Mannschaften fokussieren sich zudem sehr auf Ecken, Freistöße, Einwürfe und Abstöße. Ausgehend von diesen Momenten lassen sich nicht nur eine Menge Situationen verteidigen, sondern man kann sie eben auch für gezielte Angriffe nutzen.

Dadurch verfügen seine Mannschaften gewissermaßen über ein höheres Maß an Stabilität und die Organisation wird unmittelbar ersichtlich. Dies wäre vermutlich zunächst nicht der Fall, wenn er versuchen würde, ein Ballbesitzspiel unter Druck aufzuziehen, bei dem seine Spieler auf unterschiedliche Pressingsituationen reagieren und unter Druck dribbeln und passen müssten, um überhaupt Raum und Zeit zu gewinnen. Selbiges gilt für ein hohes (Gegen-)Pressing, um den Ball vom Gegner (zurück) zu erobern.

Wenn man versucht, das Spiel zu kontrollieren, dies allerdings nicht gut ausführt, kommen vielerlei ungeordnete Phasen auf und man sieht sich einer Menge Zweikämpfen ausgesetzt. Gibt man hingegen die Spielkontrolle zu einem gewissen Grad auf, schafft man für beide Mannschaften Raum und Zeit, um sich zu organisieren.

Vermittlung des Konzepts

Im Jugendfußball versuchen üblicherweise beide Teams, in Ballbesitz zu gelangen, verfügen aber nicht über ausreichend Qualität, um dies zu erreichen. Sie pressen, um den Ball zu gewinnen, werden aber schnell ausgespielt. Sie passen oder dribbeln unter Druck, aber verlieren dabei den Ball. Sie bewegen sich damit in Richtung von Klärungsaktionen und Zweikämpfe um lose Bälle, die sie in der Regel verlieren. Dadurch passiert es seltener, dass diese Mannschaften in ruhigere und klarere Ballbesitzphasen kommen.

Als angreifende Mannschaft strebt man idealerweise danach, den Ballbesitz zu sichern und auf kontrolliertem Wege voranzukommen. Dies ist jedoch schwierig zu erreichen, wenn man keine Dominanz in den oben genannten Momenten ausüben kann. Dementsprechend ist es überaus wichtig an einer (Gegen-)Pressingmentalität zu arbeiten, um Druck zu erzeugen und daraus eine Dribbling-/Passmentalität in diesen Drucksituationen abzuleiten. Im Endeffekt wird dies zu mehr geordneten Angriffen für die eigene Mannschaft führen, während der Gegner weniger organisierte Angriffe haben wird.

Spiele, die in engen Räumen stattfinden, erlauben ein sofortiges kompaktes Pressing. Dies ist eine fundamentale Komponente, um Klärungsaktionen zu provozieren, bei denen eine Mannschaft nicht nur die gegnerische Klärung sichern möchte, sondern auch ihre eigene, wenn sie sich unter Druck befindet. Die Spieler müssen nicht nur lernen, wie sie unmittelbar ins Pressing gehen können oder gegen den Ball um Dominanz kämpfen, sondern sie müssen auch unter enormem Druck dribbeln und passen, um sich vom Druck des Gegners zu befreien sowie Raum und Zeit zu erzeugen.

Erst wenn diese Aspekte sich auf einem ausreichend guten Level befinden, kann die Mannschaft damit anfangen, das Dominieren eines Gegners zu üben. Unabhängig davon, wie gut das jeweilige Team ist, muss es dazu fähig sein in ungeordneten Phasen anzugreifen und zu verteidigen, da Ballbesitzwechsel im Fußball, wie weiter oben ausgeführt, eben unvermeidbar sind.

Freie Mitspieler befinden sich häufig in tieferen oder breiteren Zonen. Dementsprechend können Pässe innerhalb der ersten Linie oder rückwärtsgerichtete Zuspiele Raum und Zeit für Organisation schaffen, was wiederum in Abhängigkeit von der gegnerischen Defensivorganisation geschieht. Real Madrid stellt das wohl prominenteste Beispiel dafür dar, diese Zonen zu überladen, um Ball und Gegner zu dominieren, bevor ein Weg nach vorne, zu einem der dort verbliebenen drei Angreifer, gesucht wird. Einer der wichtigsten Coachingpunkte geht in diese Richtung.

Die wichtigsten Details, die sich über Coaching bei den Spielern einbrennen müssen, sind deren Positionierung, ihr Umblickverhalten, ihre Entscheidungsfindung sowie der Stil ihrer Ausführung (hohe oder geringe Intensität). In welche Richtung sollen die Spieler sich umblicken und wann? Welche Entscheidungen sollten sie bevorzugt treffen? Wie sollten sie untereinander kommunizieren, um den Umgang mit diesen Situationen zu erleichtern?

Der Ball ist beim Fußball immer frei, was einen permanenten Umschaltcharakter des Spiels zur Folge hat. Deshalb müssen die Spieler lernen, in einem unorganisierten Umfeld stets die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Der Trainer hilft bei diesem Prozess, indem er innerhalb des Teams an den Individuen sowie an den Spielprinzipien als Leitlinien arbeitet, was im Gegensatz zu einer expliziten Herangehensweise an hochgradig chaotische und unorganisierte Phasen steht.

Hierzu passt ein Auszug aus der Methodologie des FC Barcelona: „In der Phase des Zurückgewinnens (Ballbesitz Gegner) immer einen Schritt nach vorne. In Ballbesitz immer einen Schritt zurück“. Dies bringt den Spielern implizit bei, nach Spiel-Dominanz zu streben und Organisation herzustellen.

Die eigene Organisation sollte dabei zwingend Dreiecks- und Rautenstrukturen beinhalten, um für bessere Abdeckung und Unterstützung gegen den Ball sowie bessere Unterstützung und zielgerichtetes Vorankommen mit dem Ball zu sorgen. Kompaktheit mit und ohne Ball bildet einen weiteren elementaren Aspekt im Pressing, beziehungsweise beim Entkommen aus demselben.

Wenn man sich speziell das Gegenpressing anschaut, ist eine unmittelbare Ausführung sinnvoll, da der Gegenspieler, der den Ball gerade gewonnen hat, typischerweise über ein schlechtes Blickfeld verfügt. Dadurch braucht er Zeit, um seine Aufmerksamkeit und Balance wiederzufinden, was wiederum einen idealen Moment darstellt, um den Ball zurückzuerobern oder den Gegner zu einer Klärungsaktion zu zwingen.

Die Spieler müssen mögliche Ballverluste antizipieren und sich schnell zum möglichen Ort des Geschehens bewegen. Beim tatsächlichen Ballverlust gilt es dann, sich mit höchster Geschwindigkeit einzuschalten, um dem Gegner so effektiv wie möglich Raum und Zeit zu nehmen. Die gesamte Mannschaft (Spieler vor und hinter dem Ball) muss sich als Einheit in Richtung des Balles bewegen, um Druck ebenso wie Absicherung zu gewährleisten – ballferne Räume werden bewusst freigelassen, um ballnah den Druck zu erhöhen.

 

In dieser Übung ist es wichtig, die Struktur zu berücksichtigen, da sie die Startposition für alle Aktionen darstellt. Idealerweise stellen sich die Mannschaften kompakt auf, verfügen dabei aber immer noch über Spieler in tieferen und breiteren Zonen, die sie anspielen können, sobald der Ball (zurück-)gewonnen wird.

Man kann entweder eine Struktur wählen, die zum vollständigen System passt oder man packt die Spieler einfach in die kompakteste Formation für die jeweils zur Verfügung stehende Anzahl. Letzteres ist dann der Fall, wenn man unabhängig von spezifischen Strukturen am grundlegenden Prinzip arbeiten möchte. Die nachfolgenden Formationen sind beispielsweise einige der kompaktmöglichsten Organisationsformen für die jeweilige Spielerzahl:

  • 4 = 1-2-1 (Raute)
  • 5 = 1-3-1 oder 2-1-2
  • 6 = 2-2-2
  • 7 = 2-3-2 oder 3-1-3
  • 8 = 3-2-3
  • 9 = 3-3-3

Diese Formationen entstehen, wenn man mindestens 3 Linien mit maximal 3 Spielern pro Linie erzeugt und dabei idealerweise dieselbe Anzahl an Spielern in der ersten und letzten Linie hat.

Die Übung kann entsprechend der Spieleranzahl angepasst werden, indem man die Feldgröße erweitert. Dabei gestaltet sich das Grundprinzip (aufgrund der Nähe zum Wettkampfspiel) ebenso simpel wie anpassungsfähig, sodass sich Spieler je nach Verfügbarkeit ohne großen Aufwand hinzufügen oder entfernen lassen.

Gänzlicher Fokus des Spiels liegt auf dem Ball: Könnt ihr ihn holen? Könnt ihr ihn behalten? Der Trainer sollte sich darauf fokussieren, möglichst energisch zu agieren und somit schnelles, aggressives Verteidigen ebenso anzuregen wie Dribblings und Passversuche unter Druck im Bestreben danach, Spielkontrolle zu erlangen.

Dabei werden unweigerlich viele Fehler passieren. Aber wenn man die Spieler fortwährend ermutigt, so werden sie sich durchgehend verbessern und lernen, Fehler auf unterschiedliche Art und Weise zu verstehen. Der Trainer sollte sich gleichzeitig stets der Abseitslinie bewusst sein.

Die Notwendigkeit von Klärungsaktionen wird natürlicherweise durch Situationen unter hohem Druck in der Nähe des gegnerischen Tores erzeugt: Entweder durchbrechen sie das Pressing, verlieren den Ball in Tornähe oder klären diesen.

Um implizit eine Hilfestellung mitzugeben, lauten die Regeln wie folgt:

  • 3 Punkte für ein erzieltes Tor
  • 2 Punkte für das Durchspielen gegen das gegnerische Pressing. Der Gegner wird durch Dribbling oder Passspiel zurückgedrängt
  • 1 Punkt für einen sauberen Ballgewinn im hohen Pressing (vordere Hälfte des Dreiviertel-Feldes = gelbe Linie) – Die Definition von „sauber“ unterliegt der Einschätzung des Trainers. Ich selbst präferiere einen direkten Übergang hin zum organisierten Ballbesitz als Kriterium.

So entsteht mehr Raum- und Zeitdruck, was unweigerlich zu mehr Umschaltmomenten und unorganisierten Phasen führt. Die Spieler sollten damit beginnen, die Angewohnheit auszubilden, in allen Phasen des Spiels „anzugreifen“, um das Vorankommen zu gewährleisten und letztlich das Spiel zu kontrollieren. Für junge Spieler ist diese Verhaltensweise recht instinktiv: In den ersten Altersstufen kann man beobachten, wie alle Spieler konstant in Richtung des Balles sprinten, um ihn so lange wie möglich für sich zu haben.

Das Coaching wird im Laufe des Spielflusses eingestreut, indem die Spieler durchweg zu einer entsprechenden Spielweise motiviert werden. Zudem bringt der Trainer kurze, prägnante Punkte in von ihm („Freezing“) oder durch das Spiel an sich verursachten (Ball im Aus, Zeit zwischen Durchgängen) Pausen ein.

Die Spielfeldgröße hängt, wie bereits ausgeführt, von der Spieleranzahl ab. Doch in diesem speziellen Fall, möchte ich etwa drei Viertel des Feldes nutzen, damit stets auch die Tiefe gesichert werden muss (Abseitsregel gilt). Dadurch kann einerseits das hohe Pressing einfacher vonstattengehen, andererseits lässt sich der Gegner auch in Ballbesitz besser manipulieren. Zudem sollte das Feld enger als beim 11 gegen 11 sein, um vermehrtes Gegenpressing, mehr Zweikämpfe und schnelles Kombinationsspiel unter Druck zu provozieren.

Ich lasse diese Übung vornehmlich im 8 gegen 8 spielen und benutze sie als Hauptteil, bevor wir zum Spiel auf dem gesamten Feld übergehen. Die Übung kann je nach Bedarf auch länger durchgeführt werden, aber im Sinne eines intensiven Pressings, das entsprechendes Passspiel und Dribblings provoziert, ziehe ich es vor, kürzere Belastungszeiten zu wählen und viele kürzere Pausen dazwischen einzustreuen. Wenigstens 5 Minuten Spielzeit und 2-minütige Pausen erlauben eine ordentliche Durchführung.

Das Spiel enthält auch die üblichen geordneten Momente: Abstöße, Ecken, Freistöße und Einwürfe. Dadurch wird zusätzlich nicht nur die Möglichkeit geschaffen, diese Momente auf organisierte Art und Weise auszuspielen, sondern man kann die Bereiche näher zum gegnerischen Tor jederzeit mithilfe von Standardsituationen attackieren. Daraus resultieren wiederum vermehrt Klärungsaktionen sowie Zweikämpfe um lose Bälle.

Meiner Meinung nach ist es am sinnvollsten den Spielern Anweisungen aus ihrer eigenen Perspektive (d.h. Wahrnehmung, Denkprozess) zu geben und dafür etwa folgende Details heranzuziehen:

  • Orientierung (vor, während und nach der Aktion)
  • Blickfeld
  • Körperstellung
  • Antizipation
  • Folgeaktion
  • Position, Richtung, Moment und Schnelligkeit von Aktionen

Der Kontext dieser Aktionen lässt sich mithilfe der folgenden Fragen beschreiben: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Der Kontext ist wichtig dafür, die Anweisungen für die Spieler zu verbessern. Alles, was man als Trainer tut, dient letztlich dem Zweck, die individuelle Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zu verbessern.

Alles wird davon abgeleitet, was der Spieler sieht und denkt – und in Bezug darauf sollte man auch mit ihm reden. Das Fußballfeld ist ein Spielfeld von Informationen: Spieler müssen Informationen wahrnehmen, sie anhand von Richtlinien interpretieren, anschließend die Situation analysieren, um letztlich eine Entscheidung zu treffen und diese auszuführen.

In Hinblick auf die Ausführung sind Qualität, Quantität und Frequenz entscheidende Bewertungskritierien, ebenso wie die Schnelligkeit der Durchführung,

Für diese Übung gibt es beispielsweise folgende Ziele (sollten genereller Natur sein):

  • Wenn der Gegner sich in Ballbesitz befindet, umittelbar und so lange Druck ausüben, bis man selbst vollständige Kontrolle über den Ball herstellt (eingeschlossen Phasen, in welchen der Ball „frei“ ist)
  • In Ballbesitz den Druck des Gegners brechen/überwinden

Dementsprechend wären beispielhafte Instruktionen und Trigger (sollten detaillierter formuliert sein als die Ziele):

  • Wenn der gegnerische Innenverteidiger oder Torhüter den Ball entlang der ersten Linie passt, so sollte der Ballempfänger vom nächsten Spieler mit Tempo diagonal angelaufen werden.
  • Wenn der in Ballbesitz befindliche Spieler über Zeit verfügt und sein Blick gegen hohes Pressing nach vorne gerichtet ist, so muss eine Anspieloption hinter der hohen Verteidigungslinie des Gegners geschaffen werden.

Diese Instruktionen enthalten sowohl Details der Aktion als auch die Aktion als solche. Die Spieler lernen so, wohin sie sich umblicken, bevor sie mit dem Pressing beginnen, ihre Laufrichtung im Zusammenhang zur Körperstellung einzuschätzen, das Timing der Aktionen, die ideale Positionierung und vieles mehr.

Ein übergreifendes Ziel wird dabei von einer Reihe an Instruktionen gebildet. Eine Instruktion ist wiederum das Ziel von einer Aktion. Diese Instruktionen werden wiederum nicht nur explizit gelehrt, sondern den Spielern auch implizit durch den Trainingsaufbau nähergebracht. Wie in der beispielhaften Instruktion für das Pressing zu sehen, enthält dies nicht einmal die Details darüber, wie man mit Klärungsaktionen umgeht oder andere Hauptpunkte der Übung.

Ein Trainer sollte das grundsätzliche Ziel stets im Blick behalten, während er dazu passend so viele spezifische Detailinstruktionen parat hat, dass er auf jedes spezielle Thema oder jede spezielle Situation reagieren kann, falls dies notwendig wird. So kann der Wissenstransfer an die Spieler genau dann stattfinden, wenn er notwendig ist.

Um diese Instruktionen dann auch tatsächlich aus Spielerperspektive geben zu können, lassen sich für das Beispiel der Pressingbewegungen etwa folgende Fragen an einen bestimmten Spieler richten:

  1. Kann der Gegner nach links/rechts spielen?
  2. Würdest du deinen Mitspieler coachen?
  3. Würdest du seine Bewegungsrichtung coachen?
  4. In welche Richtung würdest du ihn coachen?

Durch dieses Stellen von Fragen gelangt man dann zur Instruktion selbst (Lehren der Spieler, die Pressingrichtung der Mitspieler ausgehend von möglichen Optionen des Gegners anzuleiten). Die Fragen beziehen sich nicht nur darauf, was der Spieler sieht, sondern auch darauf, was er denkt – ein fähiger Trainer kann häufig den Denkprozess eines Spielers erfassen und diesen in eine bestimmte Richtung verbessern. Dies resultiert in einer höheren Bewusstheit und in einem hören Verständnis der Individuen, was wiederum die Grundlage des Verbesserungsprozesses darstellt.

Fazit

Um dieses 24. Türchen (und damit den gesamten diesjährigen Kalender) zu schließen, möchte ich noch einmal das Thema von Organisation und Desorganisation aufgreifen. Vergleicht man diese beiden im modernen Fußball, so scheint es einen höheren Fokus auf organisierte Phasen zu geben. Desorganisation lässt sich leichter herstellen und schwerer vermeiden. Guardiolas Mannschaften sind oft deshalb so dominant, weil sie über die am besten organisierte Offensive verfügen und den Gegner nahezu sicher in eine organisierte Defensive zurückdrängen.

Man sollte darüber nachdenken, seine Mannschaft innerhalb der Prinzipien der Desorganisation zu trainieren, um den Gegner nahezu konstant in die Phase der Desorganisation zu zwingen. Dies würde noch mal einen ganz anderen Process und Stil in Bezug auf die Spiel-Dominanz erzeugen. Das Ziel wäre es nicht mehr länger, konstant in organisierte Phasen überzugehen, sondern den Gegner mittels Desorganisation anzugreifen.

Das gesamte Konzeptfussball-Team wünscht frohe Weihnachten und dankt allen Gastautoren. Ihr seid die wahren Helden!

 

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