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Fussball mit Konzept

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Türchen 23: Offensive Pressingfallen-Spieler (Iniesta und Messi 2011)

Von Adin Osmanbasic

Diese Überschrift wirkt schon ein bisschen komisch, oder? Wir sind gewohnt nur dann von Pressingfallen zu sprechen, wenn es darum geht, dass der Gegner dazu gezwungen wird, den Ball in scheinbar offene Räume innerhalb der Defensivformation zu spielen, um dort von mehreren Verteidigern aggressiv attackiert zu werden, sodass diese letztlich den Ball gewinnen.

Das ist die richtige Idee.

Dennoch gibt es manchmal Spieler im Fußball, die herausragende Talente bei eigenem Ballbesitz mitbringen. Spieler, die bewusst Pressingfallen des Gegners auslösen, nur um diese im Anschluss gekonnt zu überwinden und die zwangsläufig offenen Räume anderswo ausnutzen. Genau das wirkt sich für den Gegner aus wie offensive Pressingfallen. Dieser wird zur Nutzung der Pressingfallen genutzt, damit die gegnerische Offensive davon profitieren kann.

Erklärung des Prinzips

Die zwei besten Beispiele, die mir für dieses Konzept einfallen, sind Lionel Messi und Andres Iniesta. Es ist kein Zufall, dass das wohl größte Team aller Zeiten (siehe Video) genau diese beiden Spieler zur selben Zeit in idealen Positionen einsetzte, aus denen sie das gegnerische Pressing überwinden konnten.

Spielmacher, die sowohl dribbeln als auch passen können (und im Fall von Messi auch noch Tore erzielen), bringen eine gegnerische Defensive am ehesten zum Einsturz, wenn sie den Raum vor deren Abwehrreihe durch ein Dribbling erreichen oder dort einen Pass erhalten, um dann für eine längere Zeit zu dribbeln.

Sobald sie diesen Raum erreicht haben, gibt es sowohl die Möglichkeit, zu einem besser postierten Mitspieler zu passen als auch selbst zum Abschluss zu kommen. Grundsätzlich wird der Gegner hier unmittelbar Druck auf den Ball ausüben, damit dieser aus der gefährlichsten Offensivzone („zwischen den Linien“, wie die meisten Trainer es nennen würden) herausbefördert wird.

Die Optionen, an mehreren Spielern vorbeizudribbeln oder aus der Distanz zu schießen, scheinen in diesem Fall nicht so effizient zu sein, sodass es grundsätzlich die beste Idee ist, zu einem einlaufenden Spieler zu passen.

Um solche Spielmacher ideal zu unterstützen, braucht es Bewegungsstürmer (oder vergleichbare Spieler in anderen Positionen), die den Raum hinter der Kette mit Läufen attackieren.

Die Positionierung zwischen gegnerischen Verteidigern oder derlei Läufe können zweierlei Effekte haben: Entweder halten sie den Gegner davon ab, den Ballführenden unter Druck zu setzen, oder ein Verteidiger verlässt seine Position und der Ball kann an einen Ort gespielt werden, von dem unmittelbar abgeschlossen werden kann.

Bleiben die Verteidiger bei den Stürmern, so kann der Spielmacher einfach weiterdribbeln und dasselbe Dilemma weiter vorne kreieren.

Wenn wir ganz speziell auf den Messi und Iniesta schauen, so fällt auf, dass sie beide sowohl zwischen den Linien als auch im Halbraum positioniert waren (eine Position, die ich 2013 als „mixed-position“ bezeichnete). Aus diesen Positionen können sie den Ball annehmen und dann diagonal in Richtung Tor dribbeln.

Sie zwingen damit nicht nur Verteidigung und Mittelfeld dazu, sich zusammenzuziehen, sondern befinden sich auch nicht exakt im Zentrum, von wo aus eine Spielfortsetzung aufgrund des üblicherweise höheren Drucks und dem Winkel zum Tor schwerer wäre.

Gleichzeitig befinden sie sich aber eben auch nicht am Flügel, wo es schwierig ist, dieselben Effekte hervorzurufen, da man sich weiter vom Tor entfernt befindet. Der Halbraum bietet eine ideale Mischung und somit ein perfektes Umfeld für die Spielmacher.

Iniesta befindet sich im linken offensiven Halbraum und Messi in derselben Zone auf rechts. Beide können mit ihrem jeweils starken Fuß diagonal in Richtung Tor ziehen. Damit befindet sich der Ball auch auf der gegnerentfernten Seite. Es ist in dieser Situation einfacher, Pässe mit der Innenseite in alle Richtungen zu spielen.

Somit haben wir ihre ideale Position auf dem Feld erreicht, von wo aus sie in Richtung der gegnerischen Defensive dribbeln können, ohne dass genug Druck für das Verhindern eines Vorwärtspasses aufgebaut werden könnte. Gleichzeitig attackieren Stürmer die Tiefe für sie.

Sobald der Ball bei den Offensivspielern in den „Kreativpositionen“ (wie ich sie gerne nenne) landet, ist ein Angriff fast schon abgeschlossen. Alles was es noch braucht, ist ein finaler Pass oder ein Schuss. Ob das passiert und erfolgreich ist, hängt dann von der Reaktion der Verteidiger sowie der Qualität der Offensivspieler ab.

Natürlich sind der Assist und der Abschluss enorm wichtig, aber als Trainer ist es das hauptsächliche Ziel, Spieler in diese Situationen zu bringen, sodass sie derlei Aktionen ausführen können. Eine bekannte Aussage von Guardiola dazu lautet: „Ich kann euch ins letzte Drittel bringen, aber dort ist es dann eure Aufgabe, ein Tor zu erzielen“.

Weiter oben erwähnte ich, dass ein weiterer effektiver Weg, um in diese Position zu kommen, ein Dribbling ist. Messi und Iniesta waren nämlich nicht immer schon in „Kreativpositionen“, als sie den Ball bekamen. Guardiolas Barcelona war positionell viel weniger strikt, als viele denken. Sie hielten keine konstante Positionsstruktur über das gesamte Feld.

Oftmals mussten die Spielmacher sich aus ihren höheren Positionen fallen lassen, damit der Ballbesitz unter Druck gesichert werden konnte. In tieferen Zonen konnten sie eine Überzahl gegen das Pressing erzeugen, den Ball halten und dann erst wieder nach Optionen Ausschau halten, die gegnerische Formation zu durchbrechen.

Sobald Messi und Iniesta sich neben Xavi und Busquets ins zentrale Mittelfeld fallen ließen, fingen die vier an, sich ohne Ball frei zu bewegen, zu kombinieren und zu dribbeln, um den Ball wieder nach vorne zu bringen und hinter das Mittelfeld des Gegners zu kommen. Das resultierte häufig darin, dass Messi oder Iniesta einen gegnerischen Mittelfeldspieler andribbelten und an ihm vorbei in die „kreative Zone“ gelangten.

Daraus resultiert ein etwas extremerer Effekt. Je länger ein Spieler mit dem Ball dribbelt, desto länger hat sich der Ball nicht über eine große Distanz bewegt (in Relation zu einem Pass) und desto mehr Gegenspieler kommen, um Druck auszuüben.

Ein langes Dribbling führt in der Regel dazu, den Gegner anzulocken. Deshalb wollen viele Jugendtrainer auch einfach nicht, dass ihre Spieler den Ball für eine längere Zeit behalten – ein Ballverlust wird schließlich mit zunehmendem Druck auch immer wahrscheinlicher.

Wenn Iniesta oder Messi hinter das gegnerische Mittelfeld dribbeln und dann auf die Kette zulaufen, ergibt sich daraus automatisch ein Zeitraum, in dem der Ball von einem einzigen Spieler geführt wurde. Der Gegner staffelt sich also in der Regel viel kompakter und mehr Spieler kommen in diesem Fall in Ballnähe.

Für Spieler, die offensive Pressingfallen stellen können, ist diese Situation sogar noch besser – weniger Raum und höherer Gegnerdruck machen ihnen schließlich kaum etwas aus. Gleichzeitig sind aber ihre Mitspieler in anderen Räumen noch freier als zuvor!

Jedes Team unterscheidet sich natürlich in seiner Struktur und den Bewegung darin, doch im Allgemeinen sollten Bewegungsstürmer und Flügelspieler so positioniert sein, dass sie die gegnerischen Verteidiger zurückdrängen und diese zentralen Räume für die Spielmacher öffnen, damit diese einen Pass empfangen oder hineindribbeln können.

Schauen wir uns Barcelona unter Guardiola an, als Messi und Iniesta in den offensiven Halbräumen spielten, so hab es hauptsächlich zwei Wege, mit denen Guardiola dies erreichte: Die Nutzung von zwei engen Flügelspielern und zwei hohen Außenverteidigern oder die Nutzung von einem zentralen Stürmer und zwei breiten Flügelspielern.

Die beiden engen Flügelspieler positionierten sich zwischen den Außenverteidigern und Innenverteidigern des Gegners, während die eigenen Außenverteidiger sich zwischen den Flügelspielern und Außenverteidigern des Gegners aufhielten. Dadurch wurden normalerweise Viererkette und Flügelspieler gebunden.

Es entstand beidseitig eine Lücke genau neben den zentralen Mittelfeldspielern des Gegners, die durch eine Überladung mit vier Spielern im Mittelfeld (üblicherweise Iniesta, Messi, Busquets und Xavi) genutzt werden konnte.

Die Mannschaft zirkulierte dann den Ball zunächst und nutzte die Reaktionen des Gegners, um den Ball idealerweise im Anschluss auf Messi oder Iniesta zu spielen, die dann auf die gegnerischen Innenverteidiger zudribbeln konnten.

War dies nicht möglich, da der Gegner diese Räume verschlossen hatte, dann konnte Barcelona den Ball auf die dadurch offenen Außenverteidiger bringen oder die Tiefenläufe der Stürmer bedienen.

Die zweite Möglichkeit sah vor, dass der zentrale Stürmer sich zwischen den beiden Innenverteidigern des Gegners positionierte, während die Flügelspieler außerhalb der gegnerischen Formation Breite gaben – ähnlich wie die beiden Außenverteidiger im vorherigen Beispiel.

In diesem Fall hielt Barcelona die Mittelfeldraute beieinander und spielte mit drei Innenverteidigern. Die Viererkette des Gegners wurde zurückgedrängt und je nach exakter Spielweise zusätzlich auch noch die Flügelspieler.

Damit die Mittelfeldraute ihren Vorteil ausspielen kann, wurde entweder eine striktere Positionierung genutzt, bei der Messi und Iniesta in den offensiven Halbräumen auf einen Pass warten.

Oder es gab eine fluidere Variante zu sehen, bei der Messi und Iniesta sich tiefer neben Xavi und Busquets zurückfallen ließen und den Ball auf andere Art und Weise hinter das gegnerische Mittelfeld bringen konnten.

Später gab es eine noch extremere Version dieser Dreierkette zu sehen, als Fabregas im Sturmzentrum aufgeboten wurde. Er würde abwechselnd mit Messi den Zehnerraum besetzen oder auf der Position zwischen den Innenverteidigern bleiben.

Weiterhin war es auch möglich, dass beide sich ins Mittelfeld zurückfallen ließen, um mit fünf Spielern das Mittelfeld zu überladen. Die Flügelspieler hielten ihre hohe Positionierung aufrecht, während die Dreierkette sich noch etwas breiter staffelte, um die gegnerischen Spieler weiter seitlich zu binden.

Diese Phase, als Barcelona es schaffte, fünf zentrale Spieler auf einmal aufzubieten und durch das Mittelfeld hindurch zu spielen, um gegnerische Verteidigungsreihen anzulocken, war vermutlich deren Höhepunkt sowie der Höhepunkt des Positionsspiels überhaupt.

Training des Prinzips

Wie trainieren wir nun mit unseren jüngeren Spielern, damit sie in solch einer Rolle effektiv werden können? Ich werde nun nachfolgend zwei von mir genutzte Spielformen vorstellen, die sich für meine Spieler als nützlich erwiesen. Aber es ist wichtig, sich stets daran zu erinnern, dass man auch Spieler mit einem gewissen Talent für solch eine Rolle benötigt (wie man als Trainer überhaupt eine Mannschaft um die Fähigkeiten der eigenen Spieler hinaus aufbaut).

Weiterhin muss man die Spieler dazu aufmuntern, auch und gerade in schwierigen Situationen das Dribbling zu suchen – selbst, wenn sie dabei mehrfach Fehler gemacht haben. Diese Rolle ist nicht umsonst so besonders. Schließlich ist sie enorm schwer auszufüllen.

Selbst Messi verliert den Ball immer noch ziemlich häufig. Als Jugendspieler verlor er den Ball noch viel häufiger, aber seine Trainer ermutigten in fortwährend und erlaubten ihm das Nachspielen von Situationen in „kreativen Situationen“, bei denen er zuvor Fehler gemacht hatte. Nur so konnte er lernen, wie man es besser macht.

Es ist enorm schwer, einen Ball mit seinen Füßen so genau zu kontrollieren, was unweigerlich zu vielen Fehlern führt. Als Trainer kann man es seine Spieler nur immer und immer wieder versuchen lassen. Sobald sie lernen, in engen Räumen zu dribbeln und die richtigen Pässe finden, wenn sich die Verteidiger um sie herum zusammenziehen, werden sie zu einem unentbehrlichen Teil der Offensive ihres Teams.

Wir können mit dieser kleinen Übung starten. Sie zwingt einen einzelnen Spieler dazu gegen mehrere Verteidiger zu agieren, während dieser mehrere Minitore als Passoptionen um sich herum hat. Üblicherweise wird Dribbling in Gleichzahlsituationen (1 gegen 1) oder in Überzahlsituationen (neutraler Spieler steht dem Ballbesitzteam zusätzlich zur Verfügung) trainiert, aber es kommt nur sehr selten vor, dass Offensivspieler in Unterzahl trainiert werden, wenn wir unsere Spielmacher ausbilden wollen.

Diese Übung sorgt für eine klare Unterzahl des einzelnen Spielers in Ballbesitz, wodurch er dazu gezwungen wird, ins Dribbling zu gehen, verschiedene Gegenspieler anzulocken, während er verschiedene Optionen um sich herum hat – genau so wie in einer „kreativen Position“ auf dem Feld eben.

Diese Übung kann sehr intensiv werden, sodass es wichtig ist, nicht zu lange am Stück zu spielen, sondern immer wieder kleine Pausen einzustreuen. Die Zahl der Wiederholungen sollte sich insgesamt dennoch hoch gestalten. Die Tore sollten in realistischem Abstand vom Dribbler gehalten werden, sodass dieser am ehesten einer Situation entspricht, in welcher der Ball hinter die Kette durchgesteckt wird.

Man kann natürlich beliebig viele Verteidiger und Minitore hinzufügen. Ich achte allerdings darauf, dass es stets ein Minitor mehr als Verteidiger gibt, damit sie sich nicht einfach auf das Abdecken derselben beschränken können.

Die Übung beginnt damit, dass der Trainer einen Pass zum Spieler innerhalb des mittleren Dreiecks spielt. Dieser muss den Ball für zwei bis drei Sekunden halten, ehe ein Pass gespielt werden darf. Damit bleibt genug Zeit für die Verteidiger, um näherzukommen und ein Dribbling zu provozieren, und der Ball kann nicht einfach direkt in eines der Minitore gespielt werden.

Der Spieler mit Ball wird nun dazu gezwungen, in einer Unterzahlsituation zu dribbeln, während er sich auf der Suche nach einer offenen Passoption konstant umsehen muss. Er muss stets wissen, was die beste Option ist und dafür seine Positionierung, Körperstellung sowie die Art des Dribblings als solches anpassen.

Erzielt der ballbesitzende Spieler ein Tor, so erhält er einen Punkt. Schaffen es die Gegenspieler wiederum, den Ball zu erobern, so erhalten sie für jeden erfolgreichen Pass einen Punkt (maximal 10 auf einmal). Entsprechend sollte das Feld klein gehalten werden, um auch ihre Aufgabe so schwer wie möglich zu gestalten, obwohl sie stets einen Vorteil haben werden. Gewinnt der zentrale Spieler den Ball zurück und erzielt im Anschluss ein Tor, bekommt er zwei Punkte.

Im zweiten und letzten Beispiel schauen wir uns eine Situation an, die ziemliche genau jener einer Mannschaft entspricht, die einen gegnerischen Block im 4-4-2 zu überwinden. Die Bewegungsstürmer und hohen Außenverteidiger binden die Viererkette sowie die Flügelspieler und kreieren so freie Räume für die Spielmacher.

Ziel ist es nun, den Ball zu einem von ihnen zu spielen, der eine wertvolle Offensivaktion durchführen soll. Dadurch soll direkt (Steckpass) oder indirekt (Ball nach außen, Flanke) ein Treffer vorbereitet werden

Die verteidigende Mannschaft versucht wiederum, den Ball zu gewinnen und kontert anschließend auf eines der beiden Minitore. So werden weiterhin alle Spielphasen behandelt. Die zuvor ballbesitzende Mannschaft würde unmittelbar ins Gegenpressing gehen, nachdem sie den Ball verliert, um so den Angriff aufrechtzuerhalten.

Beide Mannschaften bekommen einen Punkt für jedes erzielte Tor. Jeder Durchgang beginnt damit, dass der Trainer den Ball auf einen der beiden tieferen zentralen Mittelfeldspieler passt.

Im Vergleich zur ersten Übung, kann diese Spielform länger am Stück gespielt werden, während die Anzahl der Wiederholungen sich geringer gestaltet. Die Kontertore befinden sich in den beiden Halbräumen. Ein großes Tor kann ohne einen Torwart kaum genutzt werden und Tore am Flügel sind für eine solche Situation kaum realistisch. Falls das Ballbesitzteam Schwierigkeiten hat, kann man einen zusätzlichen Spieler im Aufbau einsetzen.

Die Flügelspieler der verteidigenden Mannschaft sollten dazu angehalten werden, sich auf die Außenverteidiger zu fokussieren, während die Viererkette die beiden engen Stürmer verteidigt. So öffnen sich fast schon automatisch Räume für die Spielmacher und es ergibt sich eine höhere Zahl an Wiederholungen für sie. Schließlich sind es diese Spieler, die wir speziell trainieren wollen.

Zu Beginn sollte der Gegner dann häufig durch offene Räume im Zentrum attackiert werden, zieht sich hier im weiteren Verlauf aber vermutlich enger zusammen. Wenn dies geschieht, erschwert sich die Aufgabe für die Spielmacher erheblich, wenngleich es immer noch möglich sein wird, die Verteidigung häufig genug zusammenzuziehen. Dennoch wird sich voraussichtlich eine eher flügelorientierte Spielweise auf Seiten der Ballbesitzmannschaft einstellen.

Innerhalb einer solchen Spielform, die den Spielern einen großen Freiraum zum Treffen eigener Entscheidungen lässt, wird die Verteidigung natürlich versuchen, Lösungen gegen das zu finden, was die Offensivspieler tun.

Wenn eine Trainingsform das tatsächliche Spiel ziemlich genau abbildet und es den Spielern erlaubt, die verschiedenen Phasen innerhalb des vom Trainer vorgegebenen Rahmens (Formation und Grundregeln) zu durchlaufen, ist es nur normal, dass auch Situationen entstehen, die von dem abweichen, was der Trainer eigentlich sehen wollte.

Wie bereits zuvor erwähnt, sollte die Mannschaft darin geschult werden, wie sie agiert, wenn Gegner versuchen, den Raum für ihre Spielmacher einzuengen (nun ergibt sich eine Überzahl am Flügel etc.).

Wenn man ihnen Prinzipien beibringen kann, die sich auf eine denkende, bewegliche gegnerische Verteidigung beziehen, werden sie besser auf die verschiedenen Herangehensweisen vorbereitet sein, denen sie sich am Wochenende stellen müssen, wenn sie versuchen, ihre Spielmacher freizuspielen.

Spezifische Abläufe können möglicherweise eher das abbilden, was ein Trainer genau möchte und sind sicherlich ab und zu auch notwendig. Aber in so einem unvorhersehbaren Sport mit intelligenten Gegnern ist es schwer, genau choreographierte Abläufe zu kreieren, die genau auf die exakten Verhaltensweisen des Gegners in jeder Situation abgestimmt sind.

Die Spieler haben es mit ganz unterschiedlichen Gegnern zu tun, die sich jeweils auch noch an sie anpassen, sodass die Spieler sich anpassen und andere Wege finden müssen.

Wenn die Spielmacher innerhalb der Spielform Schwierigkeiten haben, in die erwünschten Situationen zu kommen und Wiederholungen zu sammeln, dann kann man zunächst auch klar festlegen, dass die Flügelspieler der anderen Mannschaft die eigenen Außenverteidiger manndecken müssen. So öffnen sich im Zentrum ganz sicher Räume.

Fazit

Spieler mit der Qualität von Messi und Iniesta sind selten. Man findet in jeder Generation nur eine kleine Anzahl von Spielern, die sich mit ihnen vergleichen lassen. Aber es gibt stets eine Menge junger Spieler, die genug Talent als Spielmacher aufweisen und wir Trainer müssen ihnen das bestmögliche Umfeld geben, um diese Fähigkeiten zu entwickeln.

Wir müssen sie mit Situationen konfrontieren, in denen sie auf engem Raum dribbeln müssen, Gegner zum Zusammenziehen zwinge sowie anschließend einen Pass hinter die Kette finden oder selbst schießen. Mit einer hohen Wiederholungsanzahl, entsprechender Motivation und einem hohen Anteil an freiem Spiel, können die Spieler genau die Qualitäten entwickeln, die für Spielmacher nötig sind, um eine Defensive zu durchbrechen.

Iniesta spricht beispielsweise davon, wie man Fußball durch Spielen auf der Straße lernt und wie er jedes Mal eine neue Antwort gegen die kompakten Gegner finden musste, die sich ihm gegenüberstellten. Er wurde mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert und fand Wege, um an Verteidigern vorbeizudribbeln oder -passen. Eine ideale Lernumgebung.

Das Beste, was wir als Trainer tun können, ist es, die Spieler in ihren besten Rollen einzusetzen und ein System um sie herum aufzubauen. So können sie ihr eigenes Spiel ideal weiterentwickeln. Anschließend versuchen wir sie durch das Lehren des Spiels an sich und viele Wiederholungen weiter zu verbessern.

Wir sollten Dienstleister für die Jugendspieler sein, die sich ihre Gedanken anhören und sich so viel wie möglich um sie kümmern, dass sie hoffentlich großartige und talentierte Spieler werden. Gemeinsam mit dem Charakter, den wir durch die Kultur in einem Verein schulen, führt dies dazu, die jungen Spieler so positiv wie möglich zu beeinflussen – nicht nur als Spieler, sondern vor allem auch als Menschen. Das ist dann tatsächlich der endgültige Erfolg.