Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 17: Vom Achteck in den Strafraum

In dieser Spielform wird das Aufbauspiel durch das Zentrum hervorgehoben. Anschließend soll der Ball jedoch weiter nach außen gebracht werden und, wie man es von Manchester City unter Pep Guardiola kennt, eine Hereingabe ins Zentrum folgen.

Aufbau

In einem etwa strafraumbreiten Feld werden zwei neue Strafräume an jedem Ende markiert. Das Feld dazwischen wird mit zwei Außenspuren versehen, in deren Mitte jeweils ein neutraler Spieler in einer gesonderten Zone positioniert ist. Im Bereich zwischen den Außenzonen befindet sich ein Achteck, an das zum Strafraum hin ein Rechteck ansetzt. Daneben bleiben in jeder Ecke kleinere Bereiche frei. Klingt kompliziert und ist es auch ein wenig, aber die Grafik macht es ein wenig verständlicher:

Ablauf

Eines der Teams beginnt mit dem Ball wie in der Grafik dargestellt. Die beiden Innenverteidiger setzen sich in die Bereiche neben dem Rechteck ab. In diesem befindet sich ein gegnerischer Stürmer. Die Aufbauspieler können von beliebig vielen gegnerischen Spielern attackiert werden. Ein zusätzlicher Spieler des Aufbauteams kann sich ins Rechteck zurückfallen lassen. Ebenso kann der Ball zum Torwart zurückgespielt werden. Auch er darf angelaufen werden.

Im Achteck wird mit einem 4 gegen 4 begonnen. Ziel ist es den Ball flach von den Innenverteidigern (inklusive eventuell zurückfallendem Mittelfeldspieler) zu einem Mitspieler dort zu bringen. Der Torhüter darf auch kontrollierte Chipbälle in das Achteck spielen. Der Ballempfänger muss diesen anschließend auf einen der äußeren Neutralen passen, der entweder in seiner Zone ist oder selbige bereits nach vorne hin verlassen hat. Er darf dann kurz ungestört mit dem Ball nach vorne dribbeln.

Im tornahen Rechteck entsteht derweil ein 2 gegen 2. Die Angreifer können in den Strafraum einlaufen (Abseitsregel gilt) und vom Neutralen entsprechend für einen Torabschluss bedient werden. Dieser kann auch selbst in den Strafraum hineindribbeln und abschließen, falls er nicht attackiert wird.

Nach Ballgewinn der verteidigenden Mannschaft: Freies Spiel über das gesamte abgesteckte Feld bis das Spiel unterbrochen wird (Ball im Aus o.ä.). Die Mannschaft, welche ein Tor erzielt, beginnt die nächste Runde. Falls kein Tor erzielt wird, beginnt nun die andere Mannschaft in Ballbesitz. Gesamtergebnis zählen.

Variationen

  • Neutrale Spieler dürfen ebenfalls angelaufen werden, wenn sie den Ball erhalten. Der Durchbruch muss jedoch weiterhin über sie erfolgen.
  • Ballferner Neutraler kann ebenfalls den Strafraum mit attackieren.
  • Durchbruch kann auf beliebige Art und Weise erfolgen, Neutrale können dabei eingebunden werden.
  • Andribbeln der Aufbauspieler ins Feld erlauben sowie Herausdribbeln auf die äußere Spur. Stattdessen muss dafür der jeweilige Neutrale ins Achteck rücken.
  • Direkter Pass vom Aufbauspieler zum ballfernen Neutralen in dessen Feld oder vertikal zum Stürmer wird mit einem Extrapunkt belohnt.
  • Zeitbegrenzung für Ballbesitz der Neutralen (beispielsweise 5 Sekunden).

Coachingpunkte in der Grundform

Diese Spielform hat insgesamt einen hohen impliziten Fokus. Es geht für die Spieler zunächst einmal darum alle Regeln zu erfassen. Hierfür sollte man sich ausreichend Zeit und eine gewisse Überforderung in Kauf nehmen. Beispielsweise ließe sich der Effekt der „Inkubation“ nutzen, indem man die Trainingsform an einem Trainingstag einführt und am nächsten wiederholt. Erst am zweiten Tag sollte dann auch vermehrt explizit gecoacht werden.

Die beiden Aufbauspieler verfügen zunächst über eine 2 gegen 1-Überzahl und haben zusätzlich auch noch die Option, zum Torhüter zurückzuspielen. In der Ausgangssituation besteht dafür innerhalb des Achtecks eine Gleichzahlsituation, die von den Verteidigern beispielsweise für ein mannorientiertes Pressing genutzt werden kann. Ist dies der Fall, so müssen aufeinander abgestimmte Bewegungen gefunden und das Zentrum möglichst schnell über Ablagen überbrückt werden.

Da sich das Pressing-Team jedoch frei bewegen darf, wird vermutlich relativ bald Druck auf den jeweils aufbauenden Spieler ausgeübt. Dadurch kann entsprechend ein freier Spieler im Zentrum generiert werden, der sich entsprechend ballnah aus dem Deckungsschatten lösen oder sich ballfern für ein diagonales Zuspiel absetzen muss. Bei raumorientierterer Deckung des Gegners ist grundsätzlich ein vermehrtes Anbieten auf Lücke erforderlich.

Wird der Druck auf den Aufbauspieler zu groß, kann sich entweder ein Mittelfeldspieler zurückfallen lassen oder aber er spielt den Ball zum Torhüter zurück. Läuft der Gegner zu diesem durch, wurde Raum für ein flaches oder hohes Spiel zwischen die Linien geschaffen. Wird der Torhüter nicht attackiert, hat er entsprechend Zeit zur Ballsicherung und kann auf die andere Seite verlagern bis sich irgendwann eine Lücke für ein Zuspiel auftut.

Die Neutralen sollten sich stets so bewegen, dass sie sich in der höchstmöglichen anspielbaren Position befinden und den Ball direkt mit dem fernen Fuß nach vorne mitnehmen können. Das Zuspiel auf sie soll idealerweise diagonal erfolgen. Ist der Ball erst einmal unter Kontrolle, muss der Neutrale auf die Bewegung im Zentrum achten. Hier müssen die beiden Angreifer sich koordiniert zueinander bewegen, um in den Rücken der Verteidiger zu gelangen. Passt die Bewegung zueinander nicht, dribbelt der Neutrale selbst in den Strafraum.

Wichtig ist bei diesen Aktionen stets eine ausreichende Absicherung beizubehalten, um nach Ballverlusten schnell ins Gegenpressing zu kommen und so mit der „zweiten Welle“ doch noch zum Torerfolg zu gelangen. Das gegnerische Team kann beispielsweise schnell über den anderen Neutralen kontern, was es zu verhindern gilt.