Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 16: Spielend den Rhythmus variieren

Aufwärmen: Doppelrondo „Weg vom Druck“

Von Lukas Brandl

Aufbau

Zwei quadratische Felder in einem Abstand von ca. 2 Metern, vier Spieler pro Feld + ein Ball. Im Zwischenraum der Felder links und rechts zwei Spieler, jedes Paar einem der Felder zugeordnet.

Ablauf

Beide Vierergruppen zirkulieren den Ball möglichst flüssig in den Feldern. Auf ein (visuelles) Zeichen des Trainers, welches nur für ein Spielerpaar der Akteure zwischen den Feldern erkenntlich ist, attackieren die Spieler das zugeordnete Quadrat. Die ballbesitzenden vier Spieler darin müssen daraufhin den Ball ins andere Feld bringen.

Geschieht dies, ziehen sich die zuerst attackierenden Spieler wieder zurück und das andere Paar läuft ins andere Feld ein, um zu attackieren. Die vier Spieler dort müssen bereits bei der 4vs2 Situation im anderen Feld reagieren, den eigenen Ball aus dem Feld spielen und sich auf das Anspiel aus dem anderen Feld vorbereiten. Sobald der Ball kommt, gilt auch für diese vier wieder die Aufgabe, den Ball möglichst schnell zurückzuspielen usw.

Ziel

Das Hauptziel dieser doppelten 4vs2-Form findet sich vor allem im Wechsel zwischen den Feldern. Dieser wird durch die unangekündigte Attackierung durch die außenstehenden Balllosen eingeleitet. Hierdurch sind die vier mit Ball dazu angehalten, während der Zirkulation bereits höchste visuelle Aufmerksamkeit walten zu lassen. Wird die Attacke rechtzeitige wahrgenommen, müssen sich die vier Spieler entsprechend verhalten und entweder direkt, oder aber über einen Dritten den Ball ins andere Feld bringen, wo sich dann selbiges abspielt.

Ziel der Übungsform ist also: Steigerung der Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsspanne im ersten Schritt sowie Steigerung der Reaktionsschnelligkeit im zweiten Schritt. Im dritten, übergeordneten Schritt: Entscheidungsoptimierung und intensivere Lösungssuche durch massiven Gegnerdruck. Darüber hinaus findet sich hier gewissermaßen auch innerhalb einer Ballbesitzphase ein Umschaltmoment, quasi der von einer ruhigen Ballzirkulation über eine deutliche Tempoverschärfung hin zu einem risikoreichen Kombinationsspiel.

Coaching/Methodik

Alle acht ballbesitzenden Spieler sind in den ersten Durchgängen hoffnungslos überfordert. Je kleiner das Feld, desto schwerer die Aufgabe, ich habe das Feld absichtlich klein gelassen, etwa 8×8 Meter. Spätestens nach dem vierten Versuch, bis zu dem die Spieler allenfalls zwei erfolgreiche Felderwechsel hintereinander geschafft haben, stellt sich bei den ersten Frustration ein. Hier ist meiner Ansicht nach der erste Coaching-Eingriff sinnvoll, da die Spieler die Notwendigkeit einer Hilfestellung erkennen und im besten Fall auch an der Sinnhaftigkeit der Übung zu zweifeln beginnen.

Doch bereits zuvor haben die Spieler zumeist (zumindest nach meiner Erfahrung) selbst schon Coachingpunkte entdeckt: Einige weisen darauf hin, die Balllosen während der eigenen Zirkulation stets zu Beobachten und dann Kommandos zu geben, was gut umgesetzt wird und dazu führt, dass bei der ersten Attacke weniger Ballverluste geschehen. Zudem sind die Spieler spätestens nach dem dritten Durchgang deutlich konzentrierter. Trotzdem wird beim Felderwechsel immer der Ball verloren: Entweder kommt er gar nicht erst an oder kann im zweiten Quadrat nicht ausreichend verarbeitet werden.

Erster externer Coachingpunkt sollte also die verbesserte Kooperation zwischen den Feldern sein. Als effektiv hat sich hier eine veränderte Stellung der beiden Spieler am jeweils angrenzenden Ende der Quadrate positionierten Akteure erwiesen: Diese standen ohne Instruktion mit dem Rücken zueinander und in einer Linie. Versetzt man sie horizontal (wie auf der Skizze) und richtet sie offen aus, also dass sie nicht mehr Rücken an Rücken stehen, sondern beide Felder sehen, bewirkt das viel harmonischere Übergänge.

Weitere externe Coachingpunkte sind zum Beispiel (je nach aufkommenden Situationen) eine beispielhafte Nachstellung einer Möglichkeit zum Spiel über den Dritten für den Felderwechsel. Nach gegebener Zeit sind Ballbesitzende und Balllose natürlich zu tauschen und auf eine wechselnde Positionierung in den Feldern zu achten.

Fazit

Auch mit entsprechenden Instruktionen kommen die Spieler kaum über fünf erfolgreiche Felderwechsel hinaus, welche sich oft innerhalb von wenigen Sekunden abspielen. Es entspinnt sich also ein Wechsel zwischen langsamen, aber angespannten Phasen, und sehr intensiven, chaotisch anmutenden Phasen. Um die Pausen klein zu halten, sind viele Bälle in der Nähe der Felder bereit zu halten und die Spieler anzuweisen, nach Scheitern einer intensiven Phase sofort wieder in die Zirkulation einzusteigen.

Sehr positiv bleibt hängen, dass die Spieler von einer frustrierten, lustlos werdenden Einstellung zu einer herausgeforderten und ambitionierten Haltung wandern und sich optimistisch und fokussiert an die nächsten Versuche wagen.

Hauptteil 1: 6 gegen 6 plus 1 „Ballhalten versus Torabschluss“

Von Orest Shala, Trainer U16 Union Berlin

Aufbau und Regeln

  • Feldgröße je nach Spieleranzahl, für 6v6+1: doppelter Strafraum
  • Mit Mittellinie, hier: Strafraumlinie
  • Mannschaft in Ballbesitz versucht zusammen mit dem Neutralen und den Torhütern 12 Pässe (je nach Spielerqualität variabel) zu spielen und darf im Anschluss auf das Großtor oder die beiden Minitore auf der gegenüberliegenden Hälfte (bei Moment des Erfüllens der Passvorgabe) einen Treffer erzielen
  • Defensivmannschaft darf nach Balleroberung sofort auf die Tore jenseits der Mittellinie (Ort des Ballgewinns) angreifen. Nach einem gewissen Zeitlimit, beispielsweise 10 Sekunden, wechselt die Aufgabe auf Ball halten, wobei die erforderte Anzahl an Pässen erreicht werden muss
  • Für beide Teams gilt: Treffer ins Großtor = 3 Punkte, Treffer ins Kleintor = 3 Punkte

Trainingsziele

  • Aus kontrollierter Ballzirkulation in die Tiefe kommen
  • Nach Ballverlust sofortiges Gegenpressing und/oder anschließende Sicherung der Tore („zweite Welle“)
  • Unterzahlmannschaft muss ballorientiert verteidigen. Es bietet sich an den Gegner am Flügel zu isolieren. Mindestens eine direkte Anspieloption außerhalb des gegnerischen Zugriffsbereichs sollte geschaffen werden, um im Konter direkt die Richtung wechseln zu können
  • Nach Ballgewinn erfolgt die Entscheidung, ob ein schneller Konter oder ein Positionsangriff mithilfe des Neutralen und der Torhüter sinnvoll ist

Hauptteil 2: Drei-Farben-Spiel deluxe

Von Janik Aschenbrenner

Aufbau

Zu dieser Übung werden zwei Tore mit jeweils einem Torhüter benötigt. Die Feldgröße kann nach eigenem Bedarf variiert, muss allerdings in zwei Hälften unterteilt werden. Danach werden die Feldspieler in drei Mannschaften eingeteilt (hier 3×5) und den, wie in der Grafik dargestellten, Ausgangspositionen zugeordnet.

Ablauf

Die Grundregeln sind die eines einfachen Drei-Farben-Spiels. Zwei Mannschaften spielen gemeinsam gegen eine Dritte, die versucht den Ball zu gewinnen. Nach Ballgewinn wird das Team, welches für den Ballverlust verantwortlich war, zur verteidigenden Mannschaft, während das Team mit dem Ballgewinn nun zusammen mit der anderen Mannschaft auf Ballbesitz spielt. Bei dieser Übung kommen jedoch noch ein paar weitere Regeln hinzu, um den in den vorherigen Übungen gelegten Schwerpunkt „Rhythmuswechsel“ noch stärker zu provozieren. Dazu wird das Spiel in drei Phasen unterteilt.

  • Phase 1: Eines der Teams (hier blau) beginnt im Ballbesitz und muss im 5 gegen 2 versuchen, sich den Ball 10x erfolgreich zuzupassen. Nach dem 10. Pass ist es ihnen erlaubt, auf die sich in der anderen Spielfeldhälfte befindenden Mitspieler zu verlagern. Die verteidigende Mannschaft stellt zwei Spieler in die Zone mit dem Ball ab, die für Druck ausüben sollen, während die restlichen Drei in der anderen Hälfte darauf lauern, den Pass abzufangen.
  • Phase 2: Das im Beispiel rot tragende Team muss nun, im 5 vs 3, ebenfalls 10 erfolgreiche Pässe spielen, damit sich das gegenüberliegende Tor öffnet.
  • Phase 3: Die beiden ballbesitzenden Teams greifen gemeinsam auf das freigeschaltete Tor an, während die verteidigende Mannschaft sie versucht am Torerfolg zu hindern. Hierbei gilt natürlich die Abseitsregel. Nach erfolgtem Torabschluss startet das Spiel sofort mit einem Eröffnungspass des anderen Torwarts auf der anderen Spielfeldhälfte von neuem (diesmal beginnt rot).

Diese Spielform kann man gut als Wettbewerb darstellen, wobei jedes Gegentor als ein Minuspunkt für die gerade verteidigende Mannschaft gezählt wird.

Variationen

  • wie weiter oben bereits erwähnt, kann die Feldgröße, genauso wie die zu erzielenden Passerfolge, nach Bedarf angepasst werden.
  • Das verteidigende Team darf nach jedem Ballgewinn auf das nähergelegene Tor abschließen, was bei einem Erfolg zu einem Minuspunkt für die anderen beiden Mannschaften führt.
  • Erst nach zwei Fehlern (bspw. Ball im Aus oder zu früh verlagert) wechselt die ballbesitzende Mannschaft in die Verteidigung.