Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 11: 6 gegen 6 plus 2 mit Spiel in die Tiefe

Von Nils Poker

Diese Spielform soll dazu dienen, dass nach einer ruhigeren Ballzirkulation ein abrupter Rhythmuswechsel über Läufe und Pässe in die Tiefe vollzogen wird. Dazu wird sozusagen das klassische 6vs6+2 durch eine zusätzlichen Raum in der Tiefe ergänzt, der nach einer bestimmten Anzahl von Pässen bespielt werden soll.

Ablauf

Beide Teams und die beiden Neutralen starten zunächst in der Zone in der Nähe der Mittellinie. Diese Zone ist recht breit angelegt, um eine gute Möglichkeit zu schaffen den Pass in die Tiefe zu spielen. In dieser versuchen die Mannschaften mit Unterstützung der Neutralen 5 erfolgreiche Pässe zu spielen, um dann einen Pass in die Tiefe anbringen zu dürfen. Hierbei dient die Begrenzung der Zone als Abseitslinie.

In der Folge des Spiels in die Tiefe dürfen beide Teams in Richtung Tor nachrücken um dieses zu attackieren bzw. zu verteidigen. Wenn die Verteidiger einen Durchbruch abwehren können, besteht für die Angreifer noch kurze Zeit die Möglichkeit zum Gegenpressing. Wenn dieses erfolglos oder schlichtweg unmöglich ist, so beginnt die Übung in der Ausgangszone wieder von neuen.

Implizite Anforderungen an die Spieler und Coachingpunkte

Um im ersten Teil der Spielform die erforderliche Anzahl an Pässen zu erzielen, benötigt die ballbesitzende Mannschaft in dem engen Feld eine gute Raumaufteilung sowie eine schnelle und genaue Orientierung. So bietet es sich auch an, in diesem Abschnitt verschiedene Prinzipien im Ballbesitzspiel zu coachen – zum Beispiel Positionierung in Relation zu den Mannschaftskollegen oder aber das Gegenpressing nach Ballverlust.

Insgesamt steht hier aber weniger die Ballzirkulation als der Umschaltmoment vom Ballbesitzspiel aufs Spiel in die Tiefe im Fokus. So müssen sich die Spieler beider Mannschaften darauf einstellen, dass es innerhalb sehr kurzer Zeit in die Tiefe gehen kann. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass natürlich nur in sinnvollen Situationen der Ball in die Tiefe gespielt werden soll und nicht etwa nach dem 5. Pass einfach in Richtung des gegnerischen Tores gedroschen wird.

So muss der Spieler in Ballbesitz entscheiden, ob er schon den Ball in die Tiefe spielen kann oder diesen lieber noch mal zu einem besser positionierten Mitspieler laufen lässt. Die Spieler der Mannschaft im Ballbesitz müssen dementsprechend Läufe anbieten und diese so timen, dass sie nicht schon bevor der Pass gespielt wird außerhalb der Zone, also im Abseits, sind oder vorher Tempo raus nehmen müssen um nicht ins Abseits zu laufen.

Nach dem Pass in die Tiefe sind beide Mannschaften angehalten in höchsten Tempo nachzugehen. Diese Situationen nach erfolgreichen Pass hinter die Kette sind im „großen“ Spiel zumeist sehr selten, aber trotzdem potenziell sehr gefährlich. Dementsprechend lohnt es sich auf diese Situationen mal genauer einzugehen und diese fokussiert durchzuspielen. Für die verteidigende Mannschaft steht im Vordergrund, den dynamischen gegnerischen Durchbruch abzufangen oder zumindest nach außen zu lenken.

Durchbrüche hinter die Abwehrkette führen häufig zu einer Destabilisierung, auch wenn sie nicht direkt in Richtung Tor stattfinden. Der Fokus der Abwehrspieler liegt darauf, möglichst schnell in Richtung des eigenen Tores zu kommen. Dabei ist auch ihr Blickfeld und damit häufig auch die gesamte Orientierung in diese Richtung gedreht.

Neben dem Timing für den Lauf sowie den Pass in die Tiefe steht für die Offensivmannschaft das Nachrückverhalten im Vordergrund, wie es im Spiel häufig bei der Finalisierung von Schnellangriffen oder Umschaltszenen vorkommt. Häufig wird es nicht möglich sein, direkt nach dem tiefen Pass das gegnerische Tor im 1vs1 mit dem Torhüter zu attackieren.

In diesen Situationen ist dann das Nachrückverhalten der Mannschaft gefragt. Dieses sollte dynamisch und gestaffelt ablaufen, dass nicht nur die letzte Linie besetzt wird, sondern auch der Rückraum. Gerade bei seitlichen Durchbrüchen bieten sich Flanken oder Cutbacks an, für welche die Besetzung des Strafraums bzw. dessen Rückraums sehr wichtig ist. Diese kann durch die vielen auftretenden Situationen gut gecoacht werden.

Variante

Wenn der Fokus verstärkt auf das Positionsspiel und weniger auf das Umschalten in die Tiefe gelegt werden soll, kann die Anzahl der Pflichtpässe natürlich beliebig erhöht werden.

Eine spielrealistischere Variante dieser Spielform würde für die verteidigende Mannschaft noch 1 bis 2 Innenverteidiger aufstellen, die nach dem Pass auf einen Ablagenspieler der Angreifer eingreifen dürfen. In dieser Variante wäre die Tiefe nicht ganz so offen wie in der Ausgangsform und es könnte gerade das Verhalten der Innenverteidiger gegen schnelle Attacken trainiert werden sowie das Umschalten nach einer Ablage für das angreifende Team.