Konzeptfussball

Fussball mit Konzept

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Türchen 7: Konstruktiver Ballvortrag im ersten Drittel

von einem anonymen Gastautor

„Everything is much easier when the first progression of the ball is clean.” Nach diesem Zitat Juan Manuel Lillo´s soll der konstrukive Spielaufbau im ersten Drittel mit räumlich-zeitlichen Vorteilen für Folgeaktionen gestaltet werden. In diesem Sinne nennen wir das heutige Prinzip „konstruktiver Ballvortrag im ersten Drittel“.

Nicht unerwähnt soll allerdings bleiben, dass die nachfolgende Übung jedoch auch Interaktionen zwischen Spielern beinhaltet die grundsätzlich im 2. und 3. Drittel des Spielfelds stattfinden. Ebenso kann in dieser Übung ein gesondertes Augenmerk auf Defensivverhalten gelegt werden.

 

6v6 + 2 Zonenspielform

Aufbau und Regeln:

Ballbesitzteam:

Der Torhüter des jeweiligen Teams zusammen mit seinen 3 Spielern in der Aufbauzonen, den 2 Jokern und den 3 Angreifern der Angriffszone das Angriffsspiel einleiten.

Die Joker können entweder im blauen Feld als klassische Außenverteidiger unterstützen (maximal 2 Kontakte) – oder auch sich als eingerückte Außenverteidiger in der Mittelzone anbieten um das Spiel nach vorne fortzusetzen. Die Angreifer dürfen in die Mittelzone einlaufen um klatschen zu lassen oder über den Verteidiger drüber zu gehen. Nach Klatschen des Stürmers dürfen sich Joker + 1 Spieler der Aufbauzone in den Angriff miteinschalten.

Defensivteam:

Ziel der defensiven Mannschaft ist es diesen Angriff zu unterbinden. Die Pressingstürmer können dies durch eine Balleroberung beim Durchattackieren, durch Balleroberung im Rückwärtspressing oder durch das Abfangen eines Passes erreichen. Die Verteidiger dürfen (und sollen) in der Mittelzone vorverteidigen.

 

Ablauf:

Graphik 1

Das Spiel startet (siehe Graphik 1) immer mit einem Rückpass des Außenverteidigers auf den Torhüter. Der Rückpass wird bewusst gewählt um die Innenverteidiger bei Rückpass zum Torhüter sofort auf eine öffnende Bewegung im Sprint zu „konditionieren“. Will man nach einer gewissen Zeit mehr Spielfluss, so kann diese Regel auch abgeändert werden.

Erobert die gegnerische Mannschaft den Ball, so ist  ein Gegenangriff erlaubt. Danach startet das Spiel wieder mit Rückpass vom Außenverteidiger.

In der Angriffszone muss innerhalb einer gewissen Sekundenvorgabe abgeschlossen werden.

 

Coachingpunkte beziehungsweise gewünschte Verhaltensweisen

 

Tormann

Freilaufverhalten: Der Tormann sollte sich stets so positionieren, dass er anspielbar ist (dies wird häufig auch neben dem Tor der Fall sein) als auch einen möglichst großen Abstand zum nächstgefährlichen Pressingstürmer hält.

Blickverhalten: Genauso wie für Feldspieler, gilt auch für den Tormann, soviel vom Spielfeld wahrzunehmen wie möglich. Bei Pass nach links auf den Innenverteidiger, sollte beispielsweise bei/nach der Freilaufbewegung zur Seite das Feld gescannt werden um für die nächste Aktion bei einem möglichen Rückpass bereit zu sein.

Erster Kontakt: Je nach Verhalten der pressenden Stürmer und meiner Mitspieler sollte der erster Kontakt des Torhüters ausgeführt werden. Speziell „La Pausa“, das heißt den Ball solange bei sich zu behalten bis ich den gegnerisch pressenden Stürmer gebunden habe, ist hier ein wichtiges Mittel. Nicht immer ist die schnellste Spielfortsetzung auch die Optimale.

Graphik 2

Ein interessantes Mittel kann ebenso das Tormanndribbling sein, bei dem der Tormann mit dem ersten Kontakt über den pressenden Stürmer drübergeht. Vielleicht finde ich ein andermal die Zeit einen eigenen Text zu diesem Thema zu verfassen, um eine Idee davon zu bekommen haben wir nachstehend ein Video verlinkt.

 

Innenverteidiger:

Freilaufverhalten: Durch die oben erwähnte Regel werden die Innenverteidiger dazu gezwungen einen öffnenden Sprint bei Rückpass zu vollziehen – diese sollte immer so geschehen, dass ich in offener Körperstellung in Spielrichtung den Ball erhalten kann. Ebenso sollte (falls notwendig) nach Pass auf den Außenverteidiger durch Absetzen eine sofortige Anspielstation geschaffen werden.

Innenverteidigerhaken: Gerade durch die Anspielstation außen (Joker/Außenverteidiger) kann der Innenverteidiger einen Pass auf den Außenverteidiger vortäuschen um mit einem Haken innen am Stürmer vorbeizugehen.

Bereits sein: Bereit sein als 3. Mann nach Klatsch aus der Mittelzone anspielbar zu sein. Eine klassische Aktion wäre hier ein Pass des Torhüters, der zuvor den Stürmer kommen ließ wodurch der Innenverteidiger als 3. Mann frei ist. ( siehe Graphik 2)

Blickverhalten: Der Innenverteidiger muss sich ständig orientieren, wo seine tiefen Anspielstation sind unter gleichzeitiger Bedachtnahme wie groß der Druck des pressenden Stürmern ist um gegenbenfalls mit einem Pass auf den Torhüter oder gegengleichen 1. Kontakt die Drucksituation zu lösen.

Außenverteidiger:

Positionierung: Die Außenverteidiger sollen ihre Höhe je nach Druck des Mitspielers und Positionierung des gegnerischen Stürmers anpassen. Außerdem dürfen sie als eingerückte Außenverteidiger in die Mittelzone einlaufen. ( siehe Graphik 3) Wichtig hierbei ist, das richtige Timing dafür. So sollte der Außenverteidiger möglichst dann einrücken, wenn er auch wirklich eine Option für den Torhüter oder Innenverteidiger darstellt und somit aus dem Rücken des Stürmers für diesen nicht wahrzunehmen ist.

Graphik 3

Spielfortsetzung: Wird der Ball in der blauen Zone erhalten, so soll entweder zurückgeklatscht werden oder eine diagonale Spielfortsetzung gewählt werden.

Sechser:

Manipulation des zentralen Spielers: Durch klatschen + freiziehen bzw. die Wahl seiner Positionierung kann der Sechser für die Mittelzone Räume öffnen. Die Rolle des Sechsers in dieser Spielform ist vor allem eine raumöffnende.

Bereits sein: Auch für den Sechser, bzw gerade durch seine raumöffnenden Bewegungen, ist er einer der wichtigsten „3. Männer“ in dieser Spielform. Somit sollte er stets bei Pass an sich vorbei bereit sein als Klatschoption bzw in weiterer Folge als Spielfortsetzer in die Tiefe agieren zu können.

Graphik 4

Stürmer:

Freilauftiming und Bewegung: Durch diese Spielform kann sehr gut am Freilauftiming und Freilauffinten der Offensivspieler gearbeitet werden. So können beispielsweise Doppelbewegungen „gehen und kommen“ einen Vorsprung gegenüber dem Verteidiger schaffen. Die Freilaufbewegung zum richtigen Zeitpunkt erfordert wahrzunehmen wann mein Mitspieler bereit ist einen Pass zu spielen. Dies kann durch Augenkontakt oder auch ein Heben des Kopfes beispielswiese erkannt werden.

Ebenso sind Folgebewegungen wichtig, wenn beispielsweise der Außenverteidiger in der Mittelzone (Raum schaffend für Außenverteidiger – Graphik 4) oder in der Außenzone (diagonale Optionen freiziehen und geben – Graphik 5) den Ball erhält.

Graphik 5

An Prinzipien des Defensivspiels kann durch diese Spielform selbtsverständlicherweise auch gearbeitet werden. Beispielsweise können Verhaltensweisen im Pressing (Deckungsschattennutzung, Bogenläufe, Rückwärtspressing etc.) eingefordert und gecoacht werden, aber auch das Vorverteidigen in die Mittelzone bzw das Draufsein in der Restverteidigung kann durch diese Spielform geschult werden.