Türchen 12: Proaktives Torwartspiel

von Martin Fraisl

 

Exkurs: Taktik-Theorie des Torwartspiels

Der Torwart hat eine Vielzahl an taktischen Aufgaben, und kann (oder womöglich soll) hierbei auch verlängerter Arm des Trainers sein. Antzipiation ist essentiell, der Torwart sollte die Leistungsfähigkeit seiner Mitspieler kennen und einschätzen und sich so auf verschiedene Szenarien vorbereiten können. Dementsprechend kann er sehr seine Position schon passend zur Folgeaktion wählen, beziehungsweise den Spieler vor dessen Aktion schon entscheidend coachen und auf gewisse Gegebenheiten vorbereiten!

Interessant für mich war, im Torwartspiel, immer der Aspekt des Zusammenspiels zwischen Torwart und Verteidiger, da ersterer auch hier vielfältige Aufgaben, die vor allem mit Antizipation zu tun haben, zu verrichten hat. Bei langen Bällen oder Steilpässen des Gegners sollte der Torwart den Mitspieler zur rechten Zeit coachen.  Wenn der Ball tief gespielt wird, soll der Verteidiger den gegnerischen Spieler im Anlauf blockieren, um es dem Torwart zu ermöglichen, entweder Bälle über die Abwehr im Strafraum aufzunehmen oder vor dem Strafraum wegzuköpfen um zweite Bälle Bälle vor dem eigenen Strafraum zu vermeiden. Hierzu müssen natürlich Kommandos etabliert werden, ich nütze “BLOCK!”, und meine Abwehrspieler wissen, was zu tun ist. Diese Maßnahme verringert den Stress im eigenen ersten Drittel und lässt den Gegner, der viele lange Bälle spielt zunehmend verzweifeln.

Das Zusammenspiel zwischen Torwart und Verteidiger ist auch beim Blocken von Schüssen wichtiger, als man dies oftmals annimmt. In folgendem Video erklären Wojciech Szczesny und Giorgio Chiellini, wie ersterer die Positionierung seines Mitspielers liest, und seine eigene davon ableitet.

 

 

8v6 Positionsspiel mit Torabschluss

Aufbau

In einem Positionsspiel agiert der Torwart als Wandspieler für die Ballbesitz-Mannschaft, und soll dies an der Grenze des Strafraumes tun. Das Ziel der offensiven Mannschaft ist es, den Ball zu halten. Wird der Ball verloren, muss der Torwart schnell zu seinem Tor zurückkehren, und die Abwehraktion mitgestalten, also individuell seine eigene Positionierung beachten, sowie die Verteidiger mitcoachen. Die Positionierung des Torwarts ist hier sehr spielnah. Im Ballbesitz agiert er hoch als Verbindungsspieler, während er nach Ballverlust schnell umschalten und seine richtige Position im Tor finden muss, um die kollektive, sowie die individuelle Abwehraktion passend auszuführen.

 

Regeln

  • Torwart 1 Kontakt, Feldspieler 2 Kontakte
  • Beim Konter dürfen maximal 3 Spieler der (zuvor) offensiven Mannschaft in den Strafraum, während es bei der konternden Mannschaft bis zu 4 sein dürfen.
  • Geht ein Schuss daneben, wird er gehalten oder ins Tor, beginnt das Spiel von neuem.

 

Coachingpunkte

Im Ballbesitz

  • Mutige und verbindungsgebende Positionierung in Relation zu den Mitspielern. Abstände zu den Mitspielern sollen so gewählt sein, dass der Ballvortrag unterstützt wird.
  • Vororientierung
  • Offene Körperposition
  • Position stets anpassen, um womöglich schon in der Raumverteidigung den Ball zu erobern, also einen Steilpass oder eine Hereingabe zu antizipieren.
  • Verbales Coaching der Mitspieler. Beim Fordern der Rückpässe anzeigen, welcher Fuß angespielt werden soll). Hier geht es vor allem darum, schnelle Spielfortsetzung beziehungsweise Spielverlagerungen finden zu können. Der gegnerferene Fuß sollte, wenn möglich, angespielt werden.

 

Nach Ballverlust

  • Potentiellen Ballverlust antizipieren und bereits auf dem Sprung nach hinten sein
  • Schnellstmögliche Positionsfindung im Rückwärtslauf, mit Gesicht zum Gegner (Torwart darf Gegner und Ball im gesamten Spielfeld nie aus den Augen verlieren)
  • Steilpässe und Hereingaben antizipieren und abfangen
  • Schüsse ablenken
  • Timing im 1v1 – Druck aufbauen, wenn der Gegner den Ball nicht direkt am Fuß führt, sondern zwischen den Ballkontakten (wenn Ball nicht berührt wird).
  • Beim 1v1 sowie Schussversuch: „Mit Ball und Spieler verbunden sein“ Richtige Winkel herstellen und bereit für den Abschluss sein.

 

 

 

6v6+2 Positionsspiel

Aufbau

Der Torwart agiert erneut als Wandspieler. Das Spielfeld ist vertikal in 3 Zonen geteilt, wobei sich je nach Zone die Kontaktzahlen unterscheiden. In dieser Spielform geht es nur um das Verhalten im Ballbesitz. Der Torhüter soll unter Druck zu einer Seitenverlagerung gezwungen werden, wenn er sich in einer der Seitenzonen befindet. Denn auch, wenn der Torwart auf der Seite angespielt wird, sollte er nicht in das Pressing des Gegners hineinspielen, sondern dabei helfen, das Pressing auszuspielen. Meistens ist dies mithilfe einer Seitenverlagerung möglich. Die Kontaktanzahl wird in der Seitenzone verringert, da vor allem gegen gegnerisches Angriffspressing das technisch/taktische Anforderungsprofil des Torhüters. Diese Aspekte, wie auch die Wahrnehmung durch richtiges Umblickverhalten, müssen geschult werden. In der mittleren Zone kann „la pausa“ taktisch genutzt werden, um Gegner zu binden.

Regeln

  • In der mittleren Zone hat der Torwart freie Kontaktwahl, in den Seitenzonen maximal 2.
  • Wenn der Towart in einer Seitenzone angespielt wird, darf in der gegenüberliegenden Seitenzone nur 1 Spieler der eigenen Mannschaft positioniert sein, um für eine Verlagerung anspielbar zu sein.

 

Coachingpunkte

  • Offene Körperstellung
  • Umblickverhalten, Blick auf andere Seite
  • Schnelle Seitenverlagerung
  • „la pausa“
  • Verbales Coaching der Mitspieler

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