Rayo und Granada werden den hohen Erwartungen nicht gerecht

Nachdem Rayo Vallecano vergangene Saison recht häufig analysiert wurde, ist diese Saison noch keine Analyse zu Paco Jemez‘ Mannschaft bei uns erschienen. Dies hing insbesondere mit der merkwürdigen taktisch/strategischen Entwicklung Rayos während der letzten Saison zusammen, die uns nicht besonders gefallen hat. Nachdem man im Winter sehr interessante 334-Ansätze gezeigt hatte, kehrte Paco nach einigen Spielen wieder zum altbewährten 4231 zurück, was an sich noch kein Problem darstellt. Aus dieser Grundformation heraus wurde man jedoch immer flügel- und flankenlastiger. Auch zu Beginn dieser Saison wurde dieser Ansatz weiterverfolgt, allerdings gelang es Rayo dafür in der Sommerpause teils sehr interessante Spieler wie den spielstarken Stürmer Javi Guerra oder den früheren Swansea-Akteur Pablo Hernandez zu verpflichten. Alejandro Pozuelo musste, vermutlich aufgrund zwischenmenschlicher Probleme, weichen und verdient sein Geld nun in Belgien beim KRC Genk.

Nicht nur die Mannschaft aus Vallecas zählt zu den Hipstern im Weltfußballauch Granada bewies letzte Saison unter dem früheren Rayo-Trainer Jose Sandoval, dass sie in der Lage zu konstruktiven Angriffsfußball im Verbund mit hohem Pressing sind. Leider scheinen sie diese guten Ansätze aktuell nicht mehr auf den Platz zu bekommen.

Aufstellungen

Rayo begann in ihrem gewohnten 4231, welches im Pressing ein 442 mit vielen Mannorientierungen wurde. Besonders die offensiven Flügelspieler fielen durch ihre Orientierung an Granadas AVs immer wieder auf die Höhe der Abwehrkette zurück. Die eigenen Abwehrspieler verfolgten ihre Gegenspieler dafür auch sehr weiträumig.

Granada begann ebenfalls in einem häufig anzutreffenden 4231/442.

Die Aufstellungen beim Anstoß

Die Aufstellungen beim Anstoß

Die Anfangsphase

Zu Beginn des Spiels übernahm Rayo durch hohes Pressing die Spielkontrolle. Granada griff auf lange Bälle zurück, die meistens einen Ballbesitzwechsel zur Folge hatten. Zusätzlich zeigte sich Rayo grundsätzlich ambitioniert im eigenen Ballbesitz gegen Granadas hohe Pressingansätze zu Beginn. Rayo fächerte mit den Innenverteidigern im Aufbau meist weit neben den Strafraum auf und band Keeper Tono dazwischen aktiv in den Spielaufbau ein. So konnten sie in den ersten 15 Minuten eine Ballbesitzquote von ca 60% erzielen. Trotz der guten Aufbaustruktur in der ersten Linie gelang es Rayo eher selten, den Ball flach in höhere Zonen zu spielen, so dass die Innenverteidiger und Tono schlussendlich häufig zum langen Ball griffen. Übrigens sehr zum Ärger von Paco Jemez, der dies anscheinend keineswegs beabsichtigte. Mehrfach regte er sich über uninspierierte ohe Vertikalpässe von Innenverteidiger Llorente auf. So sehr, dass er sich gar nach einem Tore mehr mit ihm als mit dem Jubeln befasste.
Nach einem der langen Bälle von Tono gegen Granadas hohes Pressing konnten die Gäste nicht richtig klären, Rayo gewann den zweiten Ball und erzielte nach einer weitergeleiteten Hereingabe aus dem Halbraum früh das 1:0 durch Guerra. Das 2:0 erzielte abermals der 33-Jährige Stürmer. Dieses Mal nach einer halbhohen, bogenförmig geschlagenen Flanke an den ersten Pfosten.

Rayo in Unterzahl

Die 19. Spielminute markierte einen Wendepunkt im Spielverlauf, da Rayos Innenverteidiger Ze Castro die zweite Gelbe Karte kassierte und damit das Spielfeld vorzeitig verlassen musste (oder durfte). Rayo agierte von nun an tiefer und passiver in einem 441. Bebe verließ wenige Minuten nach dem Platzverweis das Feld. Dorado kam für ihn und ging auf die Innenverteidigerposition. Hernandez und Embarba besetzten von nun an die Flügel. Die Aufbauversuche wurden bei Rayo nun mit der Zeit immer simpler und die Mannschaft aus Madrid war nicht mehr wirklich in der Lage für Gefahr zu sorgen.

Durch die Veränderungen wurde Granada immer mehr zur dominanten Partei auf dem Spielfeld,konnte dies aber kaum nutzen – zu schlecht bespielte man die Gegebenheiten. Das Zentrum wurde weitestgehend gemieden und man versuchte Rayos Abwehrlinie, die durch die Mannorientierungen auf den Flügeln zumeist eine 5er- oder 6er-Kette war, mit hohen Bällen zu überspielen. Besonders der viel herauskippende Sechser Perez tat sich mit solchen Pässen hervor.
Dabei stand Rayo recht tief und Granada war nicht besonders gut auf das Erobern der zweiten Bälle eingestellt. Der alternative Spielzug der Andalusier bestand darin, die Mannorientierungen am Flügel mit einer simplen gegenläufigen Bewegung des AVs und des Flügelspielers nutzen zu wollen. Der AV ging die Linie entlang und zog Rayos Flügelspieler mit, während der eigene Flügelspieler zurückfiel und wiederrum von Rayos AV verfolgt wurde. Granada spielte in diesen Situationen zumeist den entgegenkommenden Flügel an, band diesen aber überhaupt nicht an den Rest des Teams an, so dass er fast nur das Dribbling mit dem Rücken zum Tor suchen konnte, bei dem er auch noch direkt vom Gegenspieler bedrängt wurde. Erfolgsversprechendere Maßnahmen wie abgestimmte Freilaufbewegungen, Dreiecksbildung, Andribbeln der Innenverteidiger oder des abkippenden Sechsers suchte man bei den Andalusiern vergebens.

Die zweite Halbzeit

In der zweiten Halbzeit gelang Granada zwar recht früh der Anschlusstreffer durch einen Eckball, aber wirklich besser spielte man nicht. Ansätze zeigte der zur Halbzeit eingewechselte Ruben Rochina, der sich immer wieder gut bewegte und dann Dribblings startete, wobei auch er nicht wirklich effektiv werden konnte, da es an Unterstützung durch seine Mitspieler mangelte.

So blieben Granadas Hauptmittel Flügelangriffe und Halbfeldflanken gegen ein tief verteidigendes Rayo. Passenderweise besetzte man auch den Strafraum mit immer mehr Leuten, wie dem eingewechselten Stürmer Thievy oder dem nachstoßenden Sechser Krhin. Im gesamten Spiel verzeichnete man lediglich acht Schüsse, wovon nur zwei tatsächlich auf das Tor gingen.

Rayo gelang im zweiten Durchgang auch nicht viel. Man verteidigte zwar die Führung, konnte aber offensiv nur sehr wenig Gefahr durch die wenigen eigenen Konter verursachen. Nach Balleroberung gab es zumeist einfach keine Möglichkeiten, nach vorne zu spielen, da man selber sehr flach und tief verteidigte. So mussten Konteransätze abgebrochen werden oder entstanden gar nicht erst.

Fazit

Wer hohe Erwartungen an das Spiel gestellt hatte, wurde hier schwer enttäuscht. Durch die frühe Führung und den Platzverweis verteidigte Rayo einen Großteil des Spiels einfach nur vor sich hin, ohne dass Granada die vielen schwachen Staffelungen hätte nutzen könnte. Paco handelte im Sinne des Resultats also gewissermaßen richtig – vom Fußball vergangener Tage ist Rayo damit allerdings mindestens so weit entfernt wie Granada von konstruktivem Fußball überhaupt.

Über Nils Poker

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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die Analyse. Habt ihr eigentlich eine Erklärung für die Negativentwicklung von Rayo? Ist es das Spielermaterial? Am Erfolg kann es ja nicht liegen, der hat zwar, wenn ichs richtig im Kopf habe, kurzfristig zugenommen, aber langfristig scheinen sie eher schlechter als besser dazustehen…

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