Christian Wück im Interview

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses kleine Gespräch genommen haben, Herr Wück. Fangen wir doch direkt an mit der U17-Europameisterschaft. Wie zufrieden sind Sie mit dem zweiten Platz?

Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Wir haben ein sehr gutes Turnier gespielt, gerade wenn man den gesamten Verlauf betrachtet. Natürlich war das Finale dann ein wenig ernüchternd, als wir mit ansehen mussten, dass die Franzosen uns in allen Belangen überlegen waren. Da ging es jetzt nicht einmal explizit um Taktik oder das Verhalten auf dem Platz sondern einfach um individuelle Stärke. Wenn man da wirklich das Eins-gegen-Eins nimmt, die körperlichen und technischen Voraussetzungen – dann glaube ich, dass die individuellen Fähigkeiten entschieden haben. Wir hatten kurze Phasen, wo wir vielleicht mit einem Tor den Gegner ein wenig verunsichert hätten. Aber über das ganze Spiel gesehen hätten wir aufgrund angesprochener Vorteile des französischen Teams nie wirklich eine Chance gehabt. Sie waren jederzeit fähig über das 1 gegen 1 Torchancen zu kreieren. Das hätten wir nicht verhindern können, auch nicht durch taktische Maßnahmen.

Die körperliche Stärke der Franzosen hat auch mich sehr beeindruckt. War das jetzt ein einzelner guter Jahrgang, dessen physischen Voraussetzungen sich später ausgleichen werden oder steckt mehr dahinter?

Das ist eine Momentaufnahme. Wir werden dahingehend auch aufholen. Körperlich ist es einfach so, dass die dunkelhäutigen Spieler von der Entwicklung her früher einsetzen, was wir auch bei Sichtungsturnieren immer wieder merken. Ich muss leider auch sagen, dass die Franzosen in diesem Turnier ihr bestes Spiel im Finale hatten. Wir haben sie natürlich vorher beobachtet. Da waren sie auch schon überlegen, aber jetzt nie so gravierend wie gegen uns. Trotzdem denke ich, dass der Vorteil ihrer körperlichen Präsenz irgendwann verfliegt. Das sieht man bei den aktuellen Turnieren der U21, U20 oder U19 zu Genüge: im Laufe der Jahre ändert sich das.

Nur 3 Spieler, nämlich Frommann, Passlack und Busam haben alle Spiele absolviert. Zwischen den meisten Spielen haben Sie mehrere Wechsel vorgenommen. War das ein Resultat des insgesamt starken Kaders oder steckten dahinter noch weitergehende Gedanken?

Beides. Man sieht einfach, dass der Kader, sprich: die 16 Spieler und 2 Torhüter, die wir dabei hatten, qualitativ sehr ausgeglichen war. Wir haben uns im Trainerteam vor und nach jedem Spiel zusammengesetzt und darüber diskutiert, wer eher zu welcher Ausrichtung und vor allem zum nächsten Gegner passt. Zusätzlich muss man bedenken, dass die Spieler vorher noch nie bei so einem Turnier beziehungsweise auf solch einem Niveau gespielt haben, was eine unheimlich große Belastung darstellt. Das sah man auch an Felix Passlack und Jonas Busam, die im Finale zum Beispiel nicht ihre 100% abrufen konnten, weil sie körperlich wirklich einfach am Limit waren. Das ließ sich bei den anderen Spielern durch die Wechsel ganz gut verbergen. Wir konnten ihnen die Pausen geben, die sie gebraucht haben, um letztlich auch so ein gutes Turnier zu spielen.

Sie erwähnten gerade bereits die Arbeit im Trainerteam: Wie lief die Gegnerbeobachtung genau ab? Wurden die jeweils nächsten Gegner vor jedem Spiel per Videoanalyse gescoutet oder auch bereits im Vorfeld des Turniers?

In diesem Jahrgang ist es so, dass wir von jeder teilnehmenden Mannschaft versuchen Videomaterial zu besorgen. Die Verbände sind da miteinander in Verbindung und je nachdem wie nett der jeweils andere Verband ist, bekommen wir dann relativ schnell die Videos der letzten Spiele und schicken im Gegenzug ebenfalls Videomaterial von unserer Mannschaft zum Gegner. Deswegen waren wir im Vorfeld recht gut vorbereitet. Zusätzlich versuchen wir dann während des Turniers möglichst viele Spiele von tatsächlichen sowie von möglichen Gegnern zu sehen. Ich habe einen Assistenztrainer, einen Techniktrainer und einen Torwarttrainer. Wir teilen uns das dann meistens auf.

Noch einmal zurück zu den Spielern: Wer sind für Sie die größten Talente dieses Jahrgangs?

In diesem Kader gibt es relativ viele. Herausragend sind, wie Sie auch in der Analyse zum ersten Spiel geschrieben haben, Felix Passlack und Niklas Dorsch von den Bayern, der sich leider früh verletzte und uns gerade im Finale sehr gefehlt hat mit seinen Fähigkeiten in der Defensive Ruhe zu bewahren und dann schnell umzuschalten. Auch Constantin Frommann hat im Tor ein äußerst gutes Turnier gespielt und einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Es gibt zum Beispiel auch noch Salih Özcan, der zwar nicht oft von Anfang an gespielt hat, aber über enorme Qualitäten verfügt. Ich könnte eigentlich jeden durchgehen. Ich glaube schon, dass in diesem Jahrgang über die nächsten eins, zwei Jahre bestimmt fünf, sechs Spieler in der 1. oder 2. Bundesliga auftauchen werden.

Zu Constantin Frommann: Mir ist gerade im ersten Spiel aufgefallen, dass er sehr bewusst lange Bälle auf die Außenverteidiger gespielt hat, die einen sehr angenehmen Drall hatten. Er war dabei auch noch mutig genug, den schwachen Fuß immer wieder einzusetzen. Ist der mitspielende Torwart die Zukunft?

Das trainieren wir selbstverständlich mit unserem Torwarttrainer Christian Fiedler in jedem Lehrgang. Daraus ergibt sich einfach eine zusätzliche Möglichkeit, wenn der Gegner unsere Innenverteidiger gut zustellt, während die Außenverteidiger hoch und breit stehen. Diese Räume müssen dann erkannt und beidfüßig sicher angespielt werden.

Ist es für Sie gegen ein tiefes Mittelfeldpressing eine Möglichkeit, den Torwart auch mal 30 bis 35 Meter vorschieben zu lassen und dort zwischen den Innenverteidigern einzubinden? Wir nennen das eine hohe Torwartkette.

Das ist definitiv eine Möglichkeit, wobei wir in solchen Situationen eher einen Sechser zurückziehen. Davon bin ich eigentlich kein Freund, weil wir so einen Spieler im Mittelfeld verlieren. Aber die meisten Torhüter trauen es sich eben nicht, derart weit vorzurücken.

Generell gibt es jedoch nur wenige Situationen, wo ein abkippender Sechser für uns Vorteile mit sich bringt. Die Philosophie des DFB sieht vor, dass die Innenverteidger stark genug sein sollten, den Spielaufbau alleine durchzuführen. Zusätzlich sollen im Mittelfeld viele Positionswechsel stattfinden, beim 4-2-3-1 beispielsweise im Dreieck zwischen den Sechsern und dem Zehner, um so Verwirrung zu stiften, aus der heraus wir freie Räume und freie Spieler generieren.

Im Spiel gegen Belgien hatten wir in der ersten Halbzeit zum Beispiel das Problem, dass sich unser Zehner Niklas Schmidt nicht wirklich in dieses Dreieck einordnete, sondern vielmehr als zweiter Stürmer spielte. Daraus resultierten dann gerade im Pressing Probleme, weil er viel zu früh angelaufen ist und so eine Überzahl der Belgier im Mittelfeld entstand. Nachdem wir das in der Halbzeit angesprochen hatten, spielte er dann etwas zurückgezogen und mehr wie ein „echter“ Zehner, was unserem Spiel sichtlich gut tat. Defensiv muss der Junge noch ein wenig dazulernen, aber offensiv verfügt er über viele intuitiv herausragende Fähigkeiten – wie man dann ja auch beim Tor gesehen hat.

A propos herausragende Fähigkeiten: Was schätzen Sie an Felix Passlack besonders? Wo sind seine größten Stärken, sowohl im technischen als auch im taktischen Bereich?

Sein unbändiger Wille wird dafür zuständig sein, dass er es eines Tages schafft in die erste Liga zu kommen. Er kann außerdem offensiv wie defensiv auf nahezu allen Positionen spielen. Gepaart mit seiner Zweikampfstärke, sowohl mit als auch ohne Ball, sehe ich in ihm einen Spieler, der sich definitiv durchsetzen wird.

Trauen Sie ihm zu, am ersten Spieltag der neuen Bundesligasaison schon auf dem Rasen zu stehen? Auf welcher Position wird er sich am ehesten durchsetzen können?

Ich hoffe es nicht, aber ich könnte es mir vorstellen. Vermutlich auf der Position des rechten Außenverteidigers, weil wir da in Deutschland einfach eine Vakanz haben, die er perfekt auflösen könnte.

In ihrem Jahrgang wurde gar kein Spieler im letzten Quartal und nur ein Spieler im dritten Quartal geboren. Diese Tendenz zu Frühgeborenen hält sich in allen U-Nationalmannschaften. Woran liegt das?

Die eher spät geborenen Spieler entwickeln sich zumeist ein paar Monate später als diejenigen, welche wir jetzt haben. Wir wissen, dass in diesem Bereich eine Problematik besteht, aber diese gleicht sich ja im Laufe der Jahre aus. Für uns beim DFB ist es zunächst einmal wichtig, dass diese Spieler zwischendurch nicht vergessen werden oder wegbrechen. Deswegen haben wir jetzt schon die ersten Maßnahmen ergriffen: Wir wollen zum Beispiel beim U18-Sichtungsturnier eine Mannschaft stellen, die nur mit diesen Spätgeborenen besetzt wird, die dann ganz normal von einem DFB-Trainer betreut wird. Das ist erst mal eine Maßnahme, damit die Spieler eine zusätzliche Möglichkeit bekommen sich zu zeigen.

Nun beginnt das Sichtungsturnier für den neuen U17-Jahrgang. Wie genau läuft diese Veranstaltung ab?

Die 21 Landesverbände kommen mit jeweils aus 16 Spielern zusammengesetzten Mannschaften nach Duisburg und spielen dann im Grunde genommen an 4 Tagen gegeneinander. Wir haben dieses Jahr ein bisschen was am Modus verändert. Früher wurden 2*30 Minuten gespielt. Jetzt wollen wir 3*20 Minuten spielen, damit das Spiel nur noch durch Drittelpausen unterbrochen wird, in denen dann gewechselt wird. Darüber hinaus wollen wir, dass die Spieler eine Mindestspielzeit von 20 Minuten pro Spiel bekommen. Einzig die Torhüter dürfen dabei durchspielen.

Die Spiele werden dann vom gesamten DFB-Sichterteam, bestehend aus etwa 15 Leuten, darunter alle verfügbaren U-Trainer sowie beim DFB angestellte externe Scouts, beobachtet und bewertet. Anschließend lade ich als verantwortlicher Trainer die 60 besten Spieler noch mal zu zwei Lehrgängen ein, wo wir sie dann etwas intensiver unter Augenschein nehmen wollen. Danach wird dann ein Kader zusammengestellt, mit dem wir die zukünftigen Aufgaben angehen.

Nutzen Sie abseits einer solchen Veranstaltung Videoscouting, um die Entwicklung der Spieler in den Vereinen mitzuverfolgen?

Wir haben die Möglichkeit über die Liga Spiele der U17-Bundesliga zu erhalten und diese auch herunterzuladen. Zusätzlich sind wir am Wochenende sehr viel unterwegs. Gemeinsam mit Scouts, die auf Honorarbasis angestellt sind, versuchen wir dann möglichst viele Spiele abzudecken und möglichst jeden interessanten Spieler regelmäßig spielen zu sehen.

Worauf achten Sie speziell beim Sichtungsturnier? Wie erkennen Sie Talent?

Da gibt es mehrere Punkte. Besonders wichtig sind die Basics. Da zucken immer einige zusammen, weil sie denken jetzt kommen die ganz großen Punkte, aber das Wichtigste sind die Basics. Wir merken einfach, dass wir als Deutsche, im Vergleich zu anderen Nationen, vor allem an den Basics arbeiten müssen. An der Ballannahme, am ersten Kontakt, am Passspiel, an der Orientierung auf dem Platz, an der Auftaktbewegung, an der Aktion nach dem Ballabspiel… einfach unheimlich viele Sachen, die eigentlich selbstverständlich sind, die wir aber noch nicht gut machen und die vor allen Dingen in diesen Altersjahrgängen trainiert werden müssen, damit sie dann in der U17 in der U18 oder später wirklich verinnerlicht werden. Das sind die Hauptpunkte, auf die wir primär achten.

Wir teilen dann die Spieler grob in Führungsspieler, Individualisten und Teamplayer ein, um dann bei der Mannschaftszusammenstellung ein ausgewogenes Team zu haben. Aber das Wichtigste sind die Basics. Das kann ich nicht oft genug betonen.

Gibt es eine unterschätze Fähigkeit, die Spieler eigentlich unbedingt haben müssten, obwohl sie in der Öffentlichkeit nicht besonders wahrgenommen wird?

Ganz klar das Passspiel. Ich sehe immer, dass die Jungs Tricks beherrschen, die können Ronaldo und Messi nicht, aber vieles dann eben am Passspiel scheitert. Es kommt schon darauf an, auf welchem Fuß ich meinen Mitspieler anspiele. Spiele ich ihn rechts oder links an? Kann ich erkennen, welcher Fuß jetzt der richtige ist? Es kommt auch unheimlich auf die Geschwindigkeit an. Ich kann einen Pass spielen, der fünf Sekunden bis zum Mitspieler braucht oder einen, der nur eine Sekunde zum gleichen Spieler braucht. Die Passgeschwindigkeit ist unglaublich wichtig. Frankreich hat uns hier auch gezeigt, wie wichtig es ist, mit dem ersten Kontakt am Mitspieler vorbeizukommen. Hier sind uns andere Nationen voraus, deswegen müssen wir hier ansetzen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Ich habe gelesen, dass sie bei Rot-Weiß Ahlen ein 4-3-3 spielen lassen wollten. Beim DFB war es eigentlich immer ein 4-2-3-1. Haben Sie neue Impulse bekommen oder hängt das mit dem Verband an sich zusammen?

Das ist Auslegungssache, ob man jetzt 4-3-3 oder 4-2-3-1 spielt, je nachdem wie man die Positionen sieht. Wir wollen eigentlich weg von dieser ganzen Systemdiskussion. Wir wollen unabhängig vom Spielsystem – auch wenn wir natürlich das 4-2-3-1 bevorzugen wir können aber auch 4-4-2 oder 4-3-3 spielen – dahin, dass wir fragen, „Was muss ein linker Außenverteidiger können?“ „Was muss ein defensiver Mittelfeldspieler können?“ So wollen wir unabhängig vom System ausbilden. Wir wollen so ausbilden, dass sich die Spieler in jedem System auskennen, weil er für seine Position einfach perfekt ausgebildet ist.

Ich amüsiere mich immer über die viel diskutierte Systemfrage. Im Grunde ist es nämlich egal. Es werden in einer Partie ja mehrere Systeme gespielt – defensiv ein anderes als offensiv. Durch einfache Verschiebungen eines einzelnen Spielers entstehen dann wieder völlig andere Systeme.

Das heißt der DFB geht jetzt tendenziell wieder dahin, Spieler für eine explizite Position auszubilden? Zwischendurch, etwa zu Beginn der 2000er, wollte man sie ja generell eher zu polyvalenten Mittelfeldspielern formen.

Nein, aber irgendwann müssen wir einen Spieler trotzdem auf eine Position festlegen und zum Beispiel bestimmen, ob er eher ein Außenverteidiger oder ein Flügelstürmer ist. In der U15 und U16 versuchen wir die Spieler noch polyvalent auszubilden. Zu einem gewissen Zeitpunkt müssen wir dann aber mit dem jeweiligen Verein absprechen, wo und auf welcher Position sich ihre Stärken am ehesten positiv auswirken.

Wir sehen nämlich auch immer wieder, dass die Spieler, welche vom Verein als am stärksten angesehen werden, nach Innen gezogen werden, weil sie dort am wertvollsten sind. Dadurch werden ihre Möglichkeiten aber vielleicht nicht immer voll ausgeschöpft. Busam zum Beispiel spielte bei mir meistens als Außenverteidiger, im Verein jedoch als Sechser oder Innenverteidiger.

Seit der Weltmeisterschaft 2014 gingen einige Teams verstärkt in Richtung Dreier-/ Fünferkette, was ja auch andere Positionsprofile beinhaltet als bei der üblichen Viererkette. Denken Sie, dass dies der Beginn einer dauerhaften Entwicklung oder nur ein vorübergehender Trend ist?

Ich glaube, dass vor allem afrikanische Mannschaften mit einer Dreierkette spielen werden wie es ja auch schon einige bei der WM getan haben. Selbst Jogi Löw hat zum Beispiel gegen Gibraltar in Nürnberg mit einer Dreierkette gespielt. Gegen den Gegner konnte man das Mal ausprobieren, auch wenn es beim 4:0 jetzt nicht ganz so gut gelang. Für unsere Ausbildung spielt dies aber noch keine große Rolle. Ich glaube, dass wir bei unserer Spielauffassung in der Spieleröffnung eher mal auf diese Schwimm-Dreierkette zurückgreifen, bei der dann ein Sechser zurückgezogen wird.

Wie unterscheidet sich die Trainingssteuerung eines DFB-Trainers von jener eines Vereinstrainers, gerade in Bezug auf die Belastungssteuerung und den Aufbau einer einzelnen Trainingseinheit?

Wir sind sehr auf die Kommunikation mit den Vereinen angewiesen. Nach den Lehrgängen bekommen die Vereine auch eine detaillierte Auflistung unserer Trainingsinhalte per E-Mail. Darin enthalten sind alle Trainings, die wir mit den Jungs sowohl mannschaftstaktisch als auch individuell gemacht haben. Wir bekommen dafür vor einem Lehrgang die Auflistung der letzten Trainingswoche der Spieler, um einschätzen zu können, wie belastbar sie sind.

Es besteht aber natürlich, wie jetzt bei der Europameisterschaft, das Problem, dass wir praktisch keine Vorbereitungsphase haben. Wir müssen die Spieler also meistens nach einem Bundesligaspieltag auffangen und sie erst mal regenerieren lassen, um auch alle auf dasselbe Level zu bringen. Dann, nach ein, zwei Tagen, können wir wieder anfangen an den Inhalten zu arbeiten. Von der Belastungssteuerung her ist es natürlich schon so, dass die Spieler am Limit sind. Durch Schule, Bundesliga, Pokal und U19-Champions-League und Sichtungsturniere kommen immer wieder neue Sachen und Spiele dazu und die Spieler haben eigentlich – außer in den vielleicht zwei Wochen Ferien – keine Möglichkeit zur Regeneration. Das beeinträchtigt natürlich wiederum das Erlernen neuer Inhalte.

Wie bauen Sie ihr Training dabei methodisch auf? Haben Sie eine eigene Philosophie?

Wir haben unsere Spielauffassung vom DFB, die legen die Jugendtrainer zusammen mit Hansi Flick fest und die steht jetzt auch schon seit längerer Zeit. Im Hinblick auf die jeweiligen Maßnahmen versuchen wir dann das Trainingsprogramm zu steuern. Jetzt bei der U16, wo ich neu anfange, geht es hauptsächlich darum, die Basics reinzubekommen.

Wir stellen nämlich fest, dass wir Spieler bekommen, die im Grunde genommen trainieren, nur um zu trainieren. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen, dass sie, wenn sie bei uns auf dem Platz sind, trainieren, um sich weiterzuentwickeln.

Wir merken, dass es auch in der U17-Bundesliga bei vielen Mannschaften einfach reicht, einen Pass zu spielen, der ankommt. International reicht es nicht mehr, wenn der Pass nur ankommt. Er muss so ankommen, dass er sofort weiterverarbeitet werden kann. Das sind Details, die wir den Jungs schon im Training beibringen wollen. Zum Beispiel kann eine einfache Passübung, die am Anfang bei einem Durchgang vielleicht fünf Sekunden braucht, um zu Ende gespielt zu werden, auch in drei Sekunden absolviert werden. Das bekommen die Spieler hin. Sie sind aber noch nicht in der Lage jede Übung mit wirklich 100% auszuführen. Gerade in der U16 sehen wir, dass die Spieler gewisse Aufgaben eigentlich viel schneller und viel besser ausführen könnten. Das tun sie aber oft nicht, weil sie es einfach noch nicht genug verinnerlicht haben, sich ständig ausreichend selbst zu fordern.

Können Sie sich vorstellen wieder einen Verein zu übernehmen oder sind Sie beim DFB wunschlos glücklich?

Im Moment ist es so, dass es unheimlich viel Spaß macht beim DFB zu arbeiten, gerade seit der von Hansi Flick angestoßenen Neustrukturierung. Auch mit den neu dazugekommenen Trainern verstehe ich mich hervorragend, ebenso wie mit meinem direkten Trainerteam. Gemeinsam mit diesem habe ich die U17-WM in Chile bereits fest im Blick.
Für mich als relativ jungen Trainer ist es darüber hinaus einfach unheimlich interessant sowohl Trainer als auch Verbände aus anderen Ländern kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Dann kommt jetzt auch noch die Akademie in Frankfurt hinzu, deren Aufbau wir aktiv mitgestalten dürfen.
Kurzum: Es müsste schon ein sehr, sehr guter Verein kommen, damit ich überlege, von hier wegzugehen.

Zum Abschluss noch eine fast persönliche Frage: Verfolgen Sie unabhängig von diesem Interview manchmal den ein oder anderen Taktikblog?

Wir werden immer darauf aufmerksam gemacht, wenn es Analysen über uns gibt. Die lese ich dann natürlich. Ansonsten beschäftige ich mich in meiner Freizeit eher selten mit derartigen Blogs.

Vielleicht konnten wir dahingehend ja ein bisschen zusätzliches Interesse wecken. Wir würden uns jedenfalls freuen, wenn Sie sich in Zukunft vermehrt inhaltlich mit unserem Blog und vergleichbaren Angeboten auseinandersetzen würden.

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