Spielerporträt: Mehdi Benatia

Mit Benatia hat der FC Bayern wieder neue Rekorde auf dem Transfermarkt aufgestellt. Für maximal 30 Millionen wechselt der Kapitän der Marokkanischen Nationalmannschaft vom Überraschungsclub der letztem Saison, dem AS Rom zum FC Bayern. Wir haben uns den Neuzugang und Ersatz für den verletzten Martinez genauer angeschaut.

Stockende Anfänge

Anfangs galt der in Frankreich geborene Mehdi Benatia noch als größtes Innenverteidigertalent und bekam mit 18 Jahren bereits einen Profivertrag in Marseille bei Olympique. Doch eine wirkliche Chance erhielt er nie. Nach einer sehr erfolgreichen ausleihe in die zweite Liga zu Tours, wurde er von dort diesmal in die erste Liga zum FC Lorient verliehen, wo er seine Tauglichkeit unter Beweis stellen sollte. Die Leihe verlief aber nicht so glänzend, wie seine erste. Er machte kaum Spiele und für viele stand nach der Ausleihe fest, dass er nicht das Niveau für die Ligue 1 hat. Also verlängerte Marseille seinen Vertrag nicht und lies den 21 -jährigen ziehen. Doch ein Glück für ihn, dass sich einige Vereine aus der Ligue 2 noch an seine gute Saison erinnerten und so wechselte er schließlich ablösefrei zu Clermont. Dort konnte er augenblicklich an die guten Leistungen bei Tours anknüpfen und spielte zwei exzellente Saisons. Für viele galt er damals als bester Innenverteidiger der zweiten Liga und das gerade mal mit 23 Jahren. Seine guten Leistungen waren auch vielen Verantwortlichen aus den größeren Ligen nicht entgangen und so wechselte er schließlich nach Italien zu Udinese, wo er zum zweiten Mal den nächsten Schritt in einer der großen Ligen probierte. In seiner ersten Saison bei Calcio avanciert er zum absoluten Leistungsträger. Am Ende wird Udinese in einer unglaublich starken Saison, mit einem unglaublich starken Benatia vierter in der Serie A. Nach dem erfolgreichen zweiten Schritt folgt nach drei Saisons bei Calcio der nächste große Sprung zum AS Rom. Das Ende der Geschichte dürfte bekannt sein, genau ein Jahr nach seinem Wechsel spielt er bei einem der größten Vereinen der Welt und gehört weltweit zu den besten seiner Art.

Moderner Innenverteidiger

Benatia gehört in die neue Klasse der Innenverteidiger. Er ist kein klassischer Verteidiger, sondern ist extrem komplett. So ist er zum Beispiel sehr gut mit dem Fuß und verfügt über ein klares aber dominantes Passpiel. Seine strategischen Fähigkeiten sind selbst gemessen mit den modernen Innenverteidigern überdurchschnittlich gut, selten trifft er falsche Entscheidungen oder ist zu hektisch. Er wählt immer die richtige Passlänge und bespielt sinnvoll Räume. Dazu ist er technsich stark und sehr ruhig im Aufbauspiel. In den letzten zwei Jahren machte er keinen Fehler, der zu einem Tor führte. Selten probiert er sich mit langen Pässen aus der Abwehr zu befreien, sondern ist auch gegen hohes Pressing wie es zum Beispiel Dortmund sehr agressiv betreibt immer um eine strategisch günstige Lösung bemüht. Doch nicht nur mit Ball gehört Benatia zu den besten Innenverteidgern der Welt, sondern auch ohne Ball gehört er mindestens in die Kategorie Pique. Er ist aufgrund seiner Körpermaße stark im Kopfball und verteidigen von langen Bällen, klar beherscht er auch die Zweikampfführung sehr gut und gewinnt eine große Anzahl seiner Zweikämpfe. In diesen Aspekten hilft ihm vor allem seine überragende Physis, an die vielleicht nur Luiz und Thiago Silva herankommen. So kann er über seine Physis viele Bälle blocken und abwehren. Mit 0,6 Blocks pro Spiel hat er fast doppelt so viele wie Boateng oder Luiz und auch Pique kommt nicht an seine Zahl heran. Generell sieht Benatia im statistischen Vergleich zu anderen Verteidigern meistens sehr gut aus und ist in vielen Kategorien besser als zum Beispiel David Luiz, welcher ja oft fälschlicher Weise als Paradebeispiel für moderne Verteidiger herangezogen wird. Gerade der Vergleich zwischen diesen beiden ist interessant, da sie beide gleich alt sind, aber trotzdem hat Luiz für ca. 20 Millionen mehr den Verein gewechselt. Klar gibt der Preis nicht die Qualität an, aber man sollte sich schon fragen, warum PSG für einen Spiele welcher drei Monate jünger ist so viel mehr Geld bezahlt.

image

Schaut man sich also die Statistik an, stellt man fest, dass Benatia nicht nur Luiz in vielen Kategorien überlegen ist, sondern auch seinem baldigen Kollegen Boateng. Besonders auffällig ist, dass Luiz gerade in der Kategorie „Interceptions“ allen drei unterlegen ist, aber Benatia in dieser Kategorie mit größerem Abstand führt. Dies zeigt den größten Unterscheid der beiden. Während Luiz eher aus physischer Sicht modern ist, ist Benatia auch sehr modern und intelligent, in seiner Art zu verteidigen. Er ist extrem gut darin Angriffe vorauszusehen und gefährliche Passwege zu erkennen. Verhält sich weniger mannorientiert als Luiz, sondern variiert sehr gut und passend zur Situation. Er ist handlungsschnell und erkennt viele Situationen sehr gut. Manchmal lässt er Räume verwaisen, da sie in der jetzigen Situation nicht bespielt werden können und belauert stattdessen lieber den Passweg. So kommt er auf eine hohe Zahl Antizipationen, welche meistens noch wertvoller sind, als gewonnene Zweikämpfe, da man einen sauberen Ballgewinn hat und die Verarbeitung zwischen Ballgewinn und Ballabgabe kürzer ist.

Fazit

Benatia ist aus meiner Sicht der Königstransfer der Bayern in den letzten Jahren. Mit 27 Jahren ist er noch relativ jung, dazu gibt es kaum einen Verteidiger der kompletter ist. Er bringt nicht nur speziell für Bayern wichtige Attribute, wie Spielaufbau oder gutes Gegenpressing mit, sondern ist auch indivduell extrem stark. Dazu kommt, dass 30 Millionen zwar nicht wenig sind, aber im Transferfenster der teuren Verteidiger wie Mangala oder Luiz erscheint er wie ein Schnäppchen. Er ist perfekt für die Situation bei Bayern, da er sehr flexibel ist und bei Bedarf auch gut die Position eines Halbverteidigers in einer Dreierkette einnehmen kann.

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

2 Kommentare

  1. Pingback:Rot-Weißes Round-Up: Conny Torstensson - Miasanrot.de

  2. Pingback:Rot-Weißes Round-Up: Conny Torstensson | Miasanrot.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.