AC Milan – Atletico Madrid 0:1

Am Mittwochabend gibt Clarence Seedorf sein Debüt auf der Trainerbank von AC Mailand im San Siro.
Am Ende unterliegt sein Team aber etwas unverdient dem Überraschungsteam aus Madrid, welche mit ihrem typisch taktisch, diszipliniertem Spiel den Mailändern ihre Schwächen aufzeigen. In einem spannenden Spiel weiss Milan sehr lange zu gefallen, verliert am Ende aber wegen mangelnden Anpassungen von Seiten Seedorfs.

Grundformationen der beiden Teams

Grundformationen der beiden Teams



Starker Fokus auf die rechte Seite

In der ersten Halbzeit dominiert Mailand das Spiel, indem sie mit dem im Zentrum spielenden Poli und dem auf links spielendem, aber immer wieder mit Balotelli rochierenden Kaka, die rechte Seite überladen. Über ein ziemlich symmetrisches Aufbauspiel können sie dort immer wieder durchbrechen und generieren ein paar gefährliche Angriffe, ein sinnbildlicher Angriff für diese Überladung ist der Schuss von Kaka, welcher die Latte touchiert.

Das ganze Spiel ballt sich im rechten Halbraum zusammen. Sie wollen durch die Überladung zur Grundlinie durchbrechen oder Räume im Zentrum öffnen. Die linke Seite ist nur sehr schwach besetzt, da sich nur der balancierende Balotelli dort aufhält.

Das ganze Spiel ballt sich im rechten Halbraum zusammen. Sie wollen durch die Überladung zur Grundlinie durchbrechen oder Räume im Zentrum öffnen. Die linke Seite ist nur sehr schwach besetzt, da sich nur der balancierende Balotelli dort aufhält.

Im Aufbauspiel wird der Druck ziemlich schnell von den etwas aufbauschwächeren Bonera und Rami genommen und auf den starken Rechtsverteidiger De Sciglio geleitet, der eine wichtige und strategische ziemlich gute Partie spielt. Immer wieder bespielt er die passenden Muster, löst mit guten Sprints die zu eng geworden Situation auf, da Suarez oder Gabi öfters stark verschieben. Dadurch zieht er Räume frei und gewährt insbesondere Taarabt mehr Zeit am Ball, welcher ein inverses Dribbling in den Raum hinter Suarez startet oder auf den aufgerückten de Jong ablegte. Die Überladung kreierte zwar viel Raum, dieser war aber strategisch nicht immer sinnvoll zu bespielen.
Gerade Gabi zeigt eine hervorragende Leistung, die strategisch unwichtigen Räume verweisen zu lassen. So hatte Mailand in vielen Bereichen viel Raum konnte aber in Strafraumnähe nicht die nötige Durchschlagskraft entwickeln, so dass sie viele Schüsse aus der zweiten Reihe hatten oder über Halbfeldflanken zu Abschlüssen kamen. Diese erzeugten zwar auch Gefahr, doch die mangelnde Durchschlagskraft sollte den Mailändern am Ende das Genick brechen. Denn sie generierten nicht nur jede gefährliche Situation über den rechten Halbraum oder Flügel, nein sie waren in diesem Raum auch noch ziemlich abhängig von de Sciglio, welcher nach einem brutaleren Foul von Insua ausgewechselt wurde und durch Abate ersetzt wurde, der in vielen Punkten die genaue Antithese zu de Schiglio ist. Er konnte weder mit strategischer Klasse glänzen, noch waren seine Läufe besser. Mit de Sciglio verloren die Rossoneri fast jegliche Durchschlagskraft und kamen zwar, wenn man die Zeit mit de Sciglio auf 90 Minuten hochrechnet auf ungefähr gleiche viele Schüsse, aber die Qualität war eine ganz andere als davor.
In den 26. Minuten mit de Sciglio traf Kaka die Latte und Poli den Pfosten, die beiden besten Chancen für Mailand entstanden also mit de Sciglio auf dem Platz. Untersucht man nun die beiden Szenen stellt man auch fest, dass de Sciglio beides Mal seine Füße im Spiel hat. Erst zeigt er strategisches Geschick und danach schafft er Raum für Taarabt, welcher jeweils die großen Chancen vorbereitet. Mit Abate sollten dann viele Synergien in sich zusammenfallen und als er dann auch noch den Kardinalfehler zum entscheidenen Tor macht, muss man ihn leider als einen der Gründe für die Niederlage bezeichnen.

Doch im rechts Fokus steht Atletico den Mailändern in nichts nach, dies wird aber auch durch das in Teilen sehr interessante Pressing der Spieler von AC Mailand bedingt. Dies ist eher asymmetrisch angelegt, da Kaka sehr weit einrückt und Gabi mannorientiert übernimmt. Dadurch entsteht Raum um Juanfran, welcher sich aber im Deckungsschatten von Kaka befindet. Da der Deckungsschatten aber zu lang gezogen war, konnte sich Juanfran aus diesem befreien oder Gabi positionierte sich richtig und drehte sein Sichtfeld um Kaka herum. So kam der Ball natürlich oft zu Juanfran, da der Ball sich, wie die Motten zum Licht, zum scheinbar offenen Raum bewegte. Auf diese Situation war Mailand vorbereitet und es enstand eine Art Pressingfalle, da Essien nun weit raus schob und ein 4-4-1-1 mit Poli und de Jong auf der Sechs gespielt wurde. Die Pressingfalle wurde aber nicht konsequent ausgespielt, da sowohl Balotelli, der sich oft klug positionierte, aber auch Kaka nicht wirkliches Interesse am Rückwärtspressing zeigten und so Juanfran zu viel Raum und Zeit gaben die Situation aufzuzulösen. Der Grundgedanke mit dem lenken der Angriffe und anschließender Pressingfalle ist aber ganz interessant, muss aber noch konsequenter ausgeführt werden.

Staffelung im Pressing, wenn einer der Sechser oder Innenverteidiger den Ball hatten. Poli und Kaka übergaben aber auch oft ihre Spieler,da Gabi und Suarez auch öfters rochierten.

Staffelung im Pressing, wenn einer der Sechser oder Innenverteidiger den Ball hatten. Poli und Kaka übergaben aber auch oft ihre spieler,da Gabi und Suarez auch manchmal rochierten.


Der Ball wird auf Juanfran gespiel. Poli fällt zurück und ordnet sich ein. Essien verschiebt und verteidigt als linker Mittelfeldspieler. Es ensteht ein 4-4-1-1 mit Kaka und Balotelli  ganz vorne. Sie sollen die Verbindungen zurück kappen.

Der Ball wird auf Juanfran gespiel. Poli fällt zurück und ordnet sich ein. Essien verschiebt und verteidigt als linker Mittelfeldspieler. Es ensteht ein 4-4-1-1 mit Kaka und Balotelli ganz vorne. Sie sollen die Verbindungen zurück kappen.


Gabi verschiebt und übernimmt die stratgeisch, spielmachende Rolle im Raum. Atletico hat nun eine Überzahl, wenn sich Garcia aus dem Dunstkreis von Bonera entfernt. durch die Überzahl kommen sie öfters bis zur Grundlinie durch und werden mit Flanken gefährlich.

Gabi verschiebt und übernimmt die stratgeisch, spielmachende Rolle im Raum. Atletico hat nun eine Überzahl, wenn sich Garcia aus dem Dunstkreis von Bonera entfernt. Durch die Überzahl kommen sie öfters bis zur Grundlinie und werden mit Flanken gefährlich.


Gute Anpassungen nehmen AC Mailand letzte Durchschlagskraft

In der zweiten Halbzeit ließ Simeone dann stärker das hohe Pressing spielen. In der ersten Halbzeit agierten sie noch verhaltener und nutzen nicht wirklich die Schwächen im Spielaufbau von den beiden Innenverteidigern aus, als sie dann etwas aggressiver, höher und dynamischer pressten, war der geordnete und symmetrischere Spielaufbau nicht mehr in dem Maße möglich. Bonera und Rami spielten zu viele unstrategische lange Bälle und die Anbindung an den rechten Halbraum ging zu stark verloren, die zweiten Bälle konnten kaum gewonnen werden, da die Staffelung in den Räumen nicht ausreichend war. Dies ist aber besonders Rami zuzuschreiben, der in diesem Punkt echt Schwächen aufweist und leider zu oft die falschen Räume bespielte. Damit ging die letzte Durchschlagskraft verloren und bei Mailand fand Offensive gar nicht mehr statt. Kaka tauchte völlig ab und alle Synergien um ihn und um den rechten Halbraum fielen in sich zusammen. Das einzige Tor des Abend steht dann auch noch für alle Probleme der Mailänder. Rami wird von dem nachsetzenden Jay Rodriguez gepresst und dann einem unstrategischen langen Ball auf Poli gezwungen, der aber von Gabi und Suarez umzingelt ist und quasi keine Chance auf den zweiten Ball hat. Danach ist Milan hinten nicht gut gestaffelt und Atletico kann durch eine Überladung auf der rechten Seite durchbrechen. Am Ende wird die Flanke von Adrian abgeblockt und landet im Aus. Der anschließende Eckball wird dann katastrophal verteidigt und der umworbene Costa kann mit einem Weltklasse Kopfball in Sachen Wucht und Platzierung einnetzen.

Fazit

Milan zeigt unter Seedorf viele interessante Ansätze, muss aber noch in vielen Punkten reifen, gerade die linke Seite findet noch gar nicht statt und die Staffelung ist zum Teil katastrophal. Doch der ballbesitzorientierte Ansatz und die Kreativität von Seedorf in Sachen Pressing und der Struktur im rechten Halbraum haben Schlimmeres verhindert, trotzdem ist es wahrscheinlich noch zu früh für Seedorf und Milan. Atletico ist zu konstant im Pressing und in der Defensive um den Vorsprung noch aus der Hand zu geben. Für Simeone ist dies eine große Bestätigung, da er eine gute Mannschaft geschaffen hat, welche aber in der Offensive noch etwas zulegen muss, um in der nächsten Runde wieder für Furore zu sorgen. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Trainer noch von sich Reden machen werden. Ob in naher oder weiter Zukunft steht in den Sternen geschrieben, wie ihre Teams haben sie momentan noch zu viel Potential um den ganz großen Wurf zu schaffen.

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